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Nordfriesland (ohne Inseln)

Nordfriesland | © mare.photo
Nordfriesland | © mare.photo

Irgendwann habe ich den innigen Wunsch gehört: „Eines Tages soll NF mein Autokennzeichen sein…“ Nordfriesland ist weit über den deutschsprachigen Raum bekannt. Nordfriesland ist Inbegriff für Wattenmeer und Krabbenkutter, für Schafe auf dem Deich und wilde Sturmfluten.

Nordfriesland ist der nördlichste Kreis der Bundesrepublik und lebt seine Traditionen und Ursprünglichkeit wie kaum eine andere Region in Schleswig-Holstein. Drei Sprachen sind hier zu Hause und so verwundert es wenig, wenn im Herzen Nordfrieslands ein eigenes Sprachinstitut, das Nordfriisk Instituut, existiert.

In Nordfriesland gehen die Uhren etwas anders. Wer moin moin statt moin sagt, gilt als geschwätzig. Manchmal leben die nächsten Nachbarn viele hundert Meter oder gar einige Kilometer entfernt. Die Geschichte der Seefahrt ist hier genauso präsent wie der ständige Kampf um das vom Meer abgerungene Land.

Wir nähern uns Nordfriesland vom Süden her. Bereits mit seiner südlichsten Stadt zeigt Nordfriesland seinen unermesslichen Charme.

Tönning

Kurz vor der Mündung der Eider in die Nordsee liegt das kleine Hafenstädchen Tönning. Von Dithmarschen aus über die B5 kommend, erkennt man bereits von Weitem den schönen barocken Turm  der St. Laurentius-Kirche. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt. Die Geschichte dieser Kirche und die ältesten Bauteile reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. In der Kirche befinden sich historische Kunstschätze wie z.B. das Werk des im Jahre 1624 in Tönning geborenen Barockmalers Jürgen Ovens.

Einst war der Hafen in Tönning bis zum Bau des Nord-Ostsee-Kanals ein wichtiger Verlade- und Handelsplatz. Schon im 17. Jahrhundert machten hier jährlich etwa 2000 Schiffe fest, die vor allem den Käse, aber auch Vieh und Getreide nach ganz Westeuropa brachten.

Heute kommen vor allem Krabbenkutter in den malerischen Hafen und bringen ihren frischen Fang aus der Nordsee an Land. Viele historische Gebäude aus der damaligen Zeit sind erhalten geblieben. Ein besonders Gebilde ist das Kanalpackhaus aus dem Jahr 1783. Es ist eines von den drei Packhäusern neben dem in Kiel und Rendsburg und zeugt vom beachtlichen Warenumschlag der damaligen Zeit. Im ersten Stock ist eine Ausstellung zur Stadtgeschichte zu sehen. Jedes Jahr verwandelt sich das Kanalpackhaus in der Vorweihnachtszeit zu einem riesigen Adventskalender. Angeblich handelt es sich um den längsten Adventskalender der Welt.

Eine über die Grenzen hinaus bekannte Attraktion ist das Multimar Wattforum. Es ist das größte Informations- und Bildungszentrum des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Besucher entdecken hier eine aktive Ausstellung. Modelle und einige hundert lebende Tiere und Pflanzen zeigen die Vielfalt und die Funktion des besonderen Lebensraumes im Wattenmeer.

Eidersperrwerk
Eidersperrwerk

Eidersperrwerk | © weites.land

Eines der größten Küstenschutzbauwerke in Europa ist das Eidersperrwerk vor den Toren Tönnings. Unberechenbare Sturmfluten führten in ihrer Geschichte zu weit mehr als 200 000 Toten. Die Auswirkungen, die weit bis  ins Binnenland reichten, führten zur Entscheidung, dieses Projekt zu errichten. Fünf Jahre dauerte der Bau und gewährleistet seit dem Jahr 1973 eine Entwässerung der Marschgebiete und einen reibungslosen Schiffsverkehr zwischen Eider und Nordsee. Die gesamte Anlage einschließlich der aufgeschütteten Dämme und Deiche ist etwa fünf Kilometer lang.

Das Sielbauwerk: Fünf gigantische Doppelhubtore mit je 250 Tonnen Gewicht regeln den Durchfluss der Eider an der Mündung zur Nordsee. Dabei steht jedes dieser Tore für eine Durchflussbreite von je 40 Metern. Zwischen diesen Öffnungen begrenzen Pfeiler diese zu beiden Seiten und nehmen zugleich die Gelenke der Hubtore auf. Eine Verbindungsstraße zwischen Eiderstedt und Dithmarschen führt durch das Innere des Sperrwerkes. Aber ein Halt auf einem der Parkplätze lohnt, um einmal zu Fuß auf dem Sperrwerk einen Panoramablick über das weitläufige Gebiet zu bekommen. Im Inneren der Eider liegt geschützt ein kleiner Hafen für Krabbenkutter und Ausflugsschiffe.

Die Schleuse: Eine 25 Meter lange Schleuse regelt den ständigen Wasserausgleich zwischen der Nordsee und der Eider. Hier kommt es zu einem Austausch von Salz- und Süßwasser. Eine Klappbrücke für Fahrzeuge überbrückt an dieser Stelle den Durchfluss. Von Beginn an ist dieses beeindruckende Sperrwerk eine Touristenattraktion. Ein Aussichtspavillon befindet sich am südlichen kostenfreien Parkplatz. Wind- und wettergeschützt kann man sich hier auf den übersichtlichen Infotafeln mit dem Bauwerk auseinandersetzen. Und bei schönem Wetter setzt man sich auf den Deich und schaut dem Treiben im Watt zu.

Amt Eiderstedt

Südlich der Kreisstadt Husum auf dem Weg nach St. Peter-Ording ragt die Halbinsel Eiderstedt in die Nordsee. Früher gab es hier drei Inseln, doch bereits vor etwa 1000 Jahren begann man, der Nordsee durch den Deichbau das Wasser abzugraben und Land zu schaffen.

So wurde aus den drei Inseln Everschop bei Garding, Uthholm bei Tating und Eiderstedt bei Tönning die riesige Halbinsel Eiderstedt. Der ehemalige Meeresboden ist sehr fruchtbar und ertragreich für die Landwirtschaft, doch die Haupteinnahmequelle kommt heute aus dem Tourismus. Das ist nicht ohne Grund so, denn Eiderstedt bezaubert mit seinen vielen Ausflugszielen, ganz gleich, ob Strand, Kirche, Museum oder Café.

Herrenhaus Hoyerswort

Hoyerswort habe ich vorher noch nie gehört. Aber nun wurde es Zeit, es zu entdecken. Hoyerswort ist der ehemalige Adelssitz auf der Halbinsel Eiderstedt. An diesen erinnert eine der schönsten Renaissancebauten in Schleswig-Holstein. Das zweiflügelige Gebäude mit seinem achteckigen Treppenturm und den geschweiften Giebeln stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Es gleicht einem kleinen Schloss und war ein Geschenk von Herzog Adolph von Gottorf an seinen Vertrauten und Berater Caspar Hoyer, der mit dem Gut auch 200 Hektar Land bekam. Er wurde der reichste Mann auf Eiderstedt. Das Gebäude ist eines der ältesten Gutshäuser in diesem Stil. Mit der zugehörigen Haubargscheune und einem doppelten Wassergrabensystem steht es heute unter Denkmalschutz.

Nun erwacht es wieder zu neuem Leben. In der schönen Anlage befindet sich heute eine Töpferei, ein Museum und ein Café. Informationen gibt es unter Hoyerswort

Museums-Café Alte Schule Warmhörn

Eiderstedt brauchte eine Schule.  So wurde im Jahr 1874 das in englischen Stil gehaltene Gebäude errichtet. Dieser Stil war zu der Zeit groß in Mode und sollte die Region etwa 20 Jahre lang beeinflussen. Optisch in zwei Hälften geteilt, liegt der Eingang für die Lehrer in der Mitte. Von dort aus geht es links in die Lehrerwohnung und rechts in das Klassenzimmer.

Das nennt man integrativen Unterricht: Ein Raum für alle Klassen. Aber die Zeit ist vorbei, das Gebäude wurde gründlich saniert und im Original erhalten. Da lohnt glatt ein Besuch. Heute wird man hier nicht mehr belehrt, aber man entdeckt vielleicht einen Teil seiner eigenen Geschichte. Ich setze mich auf eine dieser Schulbänke und lasse diese einzigartige Umgebung auf mich wirken. 100 Jahre lang saßen hier die Schülerinnen und Schüler an ihren Pulten, schrieben mit Kreide an die Tafel und nahmen den Griffel für ihre Rechenaufgaben.

Ich entdecke die alten Lehrmaterialien und die Schulhefte, sie wurden von den ehemaligen Schülern an den Ort des Geschehens zurückgebracht. Es gab schon einige Schul- oder Klassentreffen in diesem Raum, aber es gibt auch Raum für meine eigenen Erinnerungen, selbst, wenn ich nicht an dieser Schule war. Was man früher nicht durfte, dazu ist man heute herzlich eingeladen. Gerne wird Kaffee und Kuchen ans Pult gebracht und wir genießen die vielen Eindrücke beim Genießen dieser frisch servierten Leckereien.

Auf dem Pausenhof geht es heute leiser zu, aber genauso munter. Denn hier ist ein kleines Gartencafé mit der vermutlich umfangreichsten Tagliliensammlung Nordfrieslands. Ach ja, alles ist im Original erhalten, alles. Wer also muss, muss ab in den Stall – wie früher eben. Hinzugekommen ist eine mittlerweile sehr beliebte Galeriescheune. In den Monaten Mai bis Oktober finden hier wechselnde und spannende Ausstellungen statt. Informationen gibt es unter Alte Schule Warmhörn

Leider haben wir die Betreiberin als sehr unfreundlich erlebt. Auch wurde uns das Fotografieren für diesen Artikel verwehrt. Stattdessen gibt es seltsame Wettberwerbe, in denen man für einen Windbeutel seine Bilder an Facebook verkauft. Machen Sie aber gerne bessere Erfahrungen als wir, denn die Idee finden wir gut.

Alter Kaufmannsladen in Tetenbüll
Haus Peters Tetenbüll

Haus Peters Tetenbüll | © weites.land

Wo kann man besser den Zusammenhang von Wohnen und Arbeiten im Umfeld von Dorf und Landschaft erleben als im Haus Peters? In diesem befindet sich der ehemalige Kolonialwarenladen von 1820. Hier kann man immer noch das ein oder andere erwerben und das im mittlerweile musealen Umfeld. Das Haus wird auch als Galerie mit wechselnden Ausstellungen gerne besucht.

Eine weitere Besonderheit ist das „Horst Janssen Zimmer“ in der Giebelstube. Hier werden Exponate des bekannten Künstlers Horst Janssen (1929-1995) gezeigt, zu sehen sind die „Eiderlandmappe“, Radierungen aus der Witzworter Zeit, ein Querschnitt seiner Plakatkunst und der „Janssenhof“. Hinter dem beeindruckenden Kaufmannsladen wird liebevoll der für diese Region ganz typische Bauerngarten gepflegt und mit Sommerblumen und hier vorkommenden Stauden bepflanzt.

Der Kolonialwarenladen mit seiner schön restaurierten Einrichtung ist vermutlich die älteste, an ihrem Ursprungsort erhaltene, ländliche Hökerei in Schleswig-Holstein.  Sie gehört zu den beeindruckensten kulturhistorischen Baudenkmälern. Sehr gut erhalten ist neben der Ladeneinrichtung im Biedermeierstil auch das Mobiliar der Küche und Stuben der früheren Besitzer. Das Haus von Familie Peters entstand im Jahr 1760 und wurde zwischen 1850 und 1955 als Wohnbereich eines ehemaligen Haubarges genutzt. Informationen unter haus peters

Leuchtturm Westerhever
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©Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording

Wer kennt ihn nicht – den berühmtesten Leuchtturm Deutschlands. Auf der Halbinsel Eiderstedt steht das Wahrzeichen Eiderstedts und Schleswig-Holsteins, der Leuchtturm Westerheversand. Wir kennen ihn als Briefmarke, als Bierwerbung, als Postkartenmotiv oder als Kulisse zahlreicher Filme.

Man kann ihn besichtigen, muss sich vorher aber offiziell für eine Führung angemeldet haben. Diese werden zwischen Ostern und Ende Oktober angeboten, allerdings dürfen Kinder erst ab einem Alter über acht Jahren den Turm besteigen. Wer auf der oberen Plattform steht, wird mit einem herrlichen Blick über die beeindruckende Umgebung mit ihren Inseln und Halligen belohnt. Eine Anmeldung für eine Führung ist unter der Telefonnummer 04865 – 1206 möglich.

Dieser einzigartige Ort bleibt auch den jährlich etwa 100 Paaren in fröhlicher Erinnerung, die sich im Leuchtturm Westerhever das JA-Wort geben, denn hier hat das Standesamt eines seiner Trauzimmer. Durch die Salzwiesen führen schmale Wege zu dem rot-weißen Turm zwischen den beiden Häusern. Die Schuhe können auf den Weg dorthin schon mal nass werden. Manchmal ist hier einfach nur noch Wasser.

Doch vom Deich aus, wo das Auto parkt, sind es noch gut 20 Minuten zu Fuß, um dieses Juwel der Nordsee zu erreichen. Der Leuchtturm ist in Betrieb und wird von Tönning aus ferngesteuert. Mit seiner Höhe von 40 Metern sorgt der über 100 Jahre alte Leuchtturm für eine imposante Erscheinung. In den beiden Häusern haben früher die Leuchtturmwärter gelebt, heute befindet sich an dieser Stelle eine der  Schutzstationen Wattenmeer. Von hier aus werden naturkundliche Führungen angeboten und informieren über das einzigartige Wattenmeer. Eine fast neun Kilometer lange Sandbank breitet sich mitten im Watt aus, die bei Ebbe gut zu Fuß zu erreichen ist.

Wenn die Flut bei Normalwasser kommt, ist das Meer an dieser Stelle gerade einmal einen halben Meter tief. Vorsicht ist geboten, die Wege zu verlassen. Zum einen ist es aus Gründen des Naturschutzes nicht erlaubt, zum anderen kann man beim Versuch, die Priele zu durchlaufen, böse im schlammigen Boden bis zu den Hüften versinken und hat Mühe, sich dann alleine zu befreien. Genug Gründe für uns also, die wunderschöne Landschaft von den Wegen aus zu genießen und anschließend durch das großzügige Watt zu laufen. Gleich hinter dem Deich, direkt am Nationalpark Wattenmeer, liegt der Ort Westerhever. Die meisten der etwa 130 Dorfbewohner leben in den Haubargen, den typischen nordfriesischen Bauernhäusern und in den Friesenhäusern.

Alleine die malerischen Haubarge gibt es hier neun Mal, so viele gibt es nirgend anders mehr. Die wunderschöne Umgebung hat leider auch seinen Preis: Menschen erwerben die Gebäude als Feriendomizil, so siedeln sich hier kaum noch Menschen an, dafür bleibt aber die Substanz der Gebäude erhalten. Die reizvolle Lage macht die Immobilien fast unerschwinglich. Mit den Gebäuden wird auch ein Stück Geist der Landschaft verkauft.

Die Höfe liegen oft einige hundert Meter auseinander und werden vermehrt aufgegeben, da sich keine Nachfolger finden. Touristen sorgen heute für den Broterwerb der Einheimischen, die auch überwiegend ihr Geld mit der Vermietung von Ferienwohnungen verdienen. So schön der Ort und die Halbinsel für uns Besucher sind, so hart kann das Leben für die Menschen sein, die hier wohnen.

In Westerhever steht der älteste Kirchturm der Halbinsel Eiderstedt. Die benachbarte Gaststätte öffnet ihre Pforten während der Saison, auch das ist die Folge des Wegzuges der Einheimischen. Außerhalb der Ferienzeiten lohnt sich der Betrieb einfach nicht mehr.

St. Peter-Ording

St. Peter-Ording hat den letzten VW-Bus mit Heckmotor, den T 3, zum Kultobjekt gemacht. Als auf den traumhaften Stränden dieses Ortes die ZDF-Serie „Gegen den Wind“ gedreht wurde, machten die Surfer ihren Bulli über Nacht zum begehrten Objekt. So verwundert es nicht, auf den Stränden  in diesem Surfer-Paradies eine Vielzahl auch älterer VW-Busse in allen Varianten anzutreffen. Auch die Fachzeitschrift „Auto Motor Sport“ lieh sich vor einigen Jahren einen letzten dieser VW-Bullis, den LLE 2500 vom Volkswagenmuseum aus und produzierte ihren Fotobericht hier – in St. Peter-Ording.

Der 12 Kilometer lange Strand mit seinen typischen Pfahlbauten, die endlosen Dünen und der weite Horizont machen diese Gegend so beliebt und populär für Kitesurfer, Strandsegler, Sonnenanbeter und Spaziergänger. Wer die Gegend zu Fuß erkunden möchte, läuft am Strand und seiner Promenade, zwischen den Salzwiesen und den unterschiedlichsten Ortsteilen, durch den Nordsee-Fitness-Park mit seinen 16 verschiedenen Wander-, Lauf- und Walkingstrecken durch St. Peter-Böhl, St. Peter-Dorf, St. Peter-Bad und St. Peter-Ording. Der Ort liegt mitten im Nationalpark Wattenmeer

Böhler Leuchtturm| ©Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording

Böhler Leuchtturm| ©Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording

Böhler Leuchtturm: Der Ortsteil St. Peter-Ording Böhl hat ein eigenes Wahrzeichen. Seit über 100 Jahren steht der 18,40 Meter hohe Leuchtturm auf dem Deich. Im Jahr 1892 wurde er mit Hartbrandklinkern gebaut. Die gusseiserne Laterne wurde im Jahr 1914 aufgesetzt. Ihre Verkleidung besteht aus Stahlblech und das Dach aus Kupfer.

Die Pfahlbauten: Wer St. Peter-Ording besucht, wird auch zu den berühmten Pfahlbauten pilgern. Entweder geht’s mit dem Auto über den Deich auf den großen Strandparkplatz oder man spart sich das viele Geld für eine heiße Schokolade auf einer dieser Pfahlbauten und geht zu Fuß. Dabei genießt man gleich die heilsame und so frische Meeresluft. Mancher hat hier schon sein Auto bei steigender Flut vergessen. Aber das Salzwasser ist ja eh kein Geschenk für unser heiliges Blech.

In den weit sichtbaren Pfahlbauten befinden sich hoch über dem Wasser die DLRG und Strandgastronomie. Sie schützen durch ihre Architektur die Einrichtungen vor Sturmflut. Der erste Pfahlbau entstand im Jahr 1911, allerdings war er lange nicht so stabil wie seine heutigen Nachfolger. Mittlerweile gibt es 15 dieser Gebäude an dem 12 Kilometer langen Strand. Sie werden getragen von dicken Baumstämmen, die etwa fünf Meter in den Boden gerammt und mit Querstreben verbunden sind. So trotzen sie im Winter selbst den großen Eisschollen.

Museum Landschaft Eiderstedt / Heimatmuseum: Wer sich mit der wechselvollen und spannenden Geschichte Eiderstedts auseinadersetzen möchte, ist herzlich in dieses Museum eingeladen. In der Dauerausstellung MARE FRISICUM wird anhand von Schautafeln und Fundstücken, Modellen und kleineren auch kindgerechten Attraktionen die Besiedelung der unwirklichen Landschaft an der Nordseeküste nahegebracht.

Bernsteinmuseum | ©Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording

Bernsteinmuseum | ©Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording

Hier im Museum befindet sich auch das historische Trauzimmer von St. Peter-Ording. In der „Guten Stube“ des 250 Jahre alten und traditionsreichen Hauses in der Dorfstraße können Verliebte den Bund fürs Leben schließen. Nach der Eheschließung gibt es dann gerne eine Führung im Museum und einen kleinen Umtrunk. Informationen dazu gibt es im Heimatmuseum unter 04863 – 1226 und weitere Informationen zum schönsten Tag im Leben unter 04863 – 999184.   

Bernsteinmuseum: Fast jeder Strandbesucher hält doch irgendwie Ausschau nach dem Gold der Meere, dem Bernstein. Wie man ihn am besten findet, woran man ihn erkennt und was man mit ihm so alles machen kann, darüber informiert das Bernsteinmuseum. Schaukästen und Infotafeln erzählen von der spannenden Geschichte dieses Steins, der auch für die Medizin Bedeutung hat. Es gibt interessante Vorträge, Kinderschleifkurse und die Möglichkeit, selbst gefundene Bernsteine zu bearbeiten und daraus ein selbstgemachtes Andenken zu kreieren.

Informationen unter bernsteinmuseum st.peter dorf

Garding
Garding | © weites.land

Garding | © weites.land

Das Kirchspiel Garding ist beschauliches Zuhause für etwa 2 500 Menschen. Wer jetzt glaubt, Garding sei ein Dorf, der irrt. Garding ist seit dem 12. Oktober 1590 Stadt. Die verstreuten Gehöfte liegen wie ein kreisförmiger Ring um diese Stadt. Dicht am Deich erlebt man hier beides: Urlaub auf dem Lande und Urlaub an der Nordsee. Ob Radtouren, Spaziergänge oder Ausflüge in die nahe Nachbarschaft, hier zeigt sich Garding als wunderbarer Ausgangspunkt für die Entdeckung Eiderstedts.

Garding hat eine abwechslungsreiche Geschichte und die entdecken wir bei einem Stadtrundgang. Blaue Erzählschilder vor den historischen Sehenswürdigkeiten geben eine guten Eindruck, wie die Menschen hier in der oft rauhen Landschaft gelebt und überlebt haben. Bei der örtlichen Tourist-Information gibt es dafür eigens gefertigte Stadtpläne. Diese ist im alten Spritzenhaus untergebracht. Der erste Deutsche, dem der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, kam am 13. November 1817 hier in Garding zur Welt. Dabei handelt es sich um den Universalgelehrten Theodor Mommsen.

Garding | © weites.land

Garding | © weites.land

Neben seinem Geburtshaus gibt es eine Gedenkstätte mit kleiner Ausstellung über sein Leben und Wirken. Theodor Mommsen ist ziemlich alt geworden und das muss an der Mentalität hier liegen. Die Menschen lassen sich nicht von Wind und Sturm wegwehen oder von der Flut wegspülen. Sie trotzen in aller Genügsamkeit und Entspannung dem Unbill und genießen ihr kleines Paradies, was sie gerne auch für Gäste öffnen. Weitere Informationen gibt es auf garding.de

Tating

Vor der Haustüre Tatings beginnt das Weltnaturerbe Nationalpark Wattenmeer. Die rund um Tating liegende Marschlandschaft strahlt eine ansteckende Ruhe und Entspannung aus. Man lässt sein Telefon aus und ist dann mal weg.

Hier kann man sich gut zu Fuß oder mit dem Rad bewegen. Doch in der Umgebung gibt es breite Entwässerungsgräben zwischen den Feldern und es stellt sich die Frage, wie man diese überwindet. Ja, diese Frage stellten sich schon die alten Friesen und erfanden dann das Klootstockspringen. Wollen Sie auch mal?  Lassen Sie sich einen dieser sechs Meter langen Stöcke geben und springen damit über einen dieser Gräben möglichst, ohne im Wasser zu landen. Eine Alternative ist der öffentliche Golfplatz oder das hier typische Boßeln oder Ringreiten. Anschließend geht es in eines der gemütlichen Tatinger Cafés. Einen Ausflug wert ist unbedingt der Hochdorfer Garten. Dieser parkähnliche Garten entstand im Jahr 1764 im Zuge des Baus eines Haubarges im französischen Stil. Der Park ist von einer 120 Meter langen beeindruckenden Lindenallee eingerahmt. Bis zum Jahr 1973 entstand ein Sommerhaus, das sogenannte Schweizer-Haus. Es ist das letzte erhaltene Haus seiner Art. Seit dieser Zeit finden sich im Park auch exotische Gehölze. Neben mehreren Obstbaumquartieren nördlich und südlich des barocken Gartens wurde um 1900 am südlichen Rand eine künstliche Ruine errichtet nach dem berühmten Gemälde Caspar David Friedrichs, auf dem er die Burgruine des Oybin abgebildet hat. Im Ort befindet sich auch die älteste Kirche Eiderstedts, die St. Magnus-Kirche. Nachfolgend ist diese unter der Rubrik „Historische Kirchen auf Eiderstedt “ beschrieben.

Das Katinger Watt
Katinger Watt

Katinger Watt | © weites.land

Vom Land aus gesehen sollte das Watt immer vor dem Deich liegen, hier bleiben wir doch hinter dem Deich. Diese Landschaft im Süden der Halbinsel Eiderstedt ist nicht der Meeresboden, der bei Ebbe trockenfällt, diese Fläche hier ist von Menschen gemacht. Hier regierten einst Ebbe und Flut, doch das gigantische Eidersperrwerk hat die Landschaft dieser Region vor 40 Jahren einschneidend verändert. In dieser Landschaft wechseln sich Acker- und Grünflächen mit vielen Teichen und Tümpeln ab. Immer wieder wird das Gebiet von Gräben durchzogen. Unmittelbat nach Inbetriebnahme des Eidersperrwerkes wurde ein 350 Hektar großer Wald angepflanzt. Deiche und Dämme trennen das etwa 1200 Hektar große Katinger Watt von Nordsee und Eidermündung.

Für die Tiere und Pflanzen ist dieser Rückzugsort ein wahres Paradies. Dieser Lebensraum, gespeist aus Salz- und Süßwasser, bietet den Eisvögeln und Haubentauchern, Kiebitzen und Austernfischern oder auch dem Säbelschnäbler ideale Lebensbedingungen. Viele Tausend Zugvögel rasten auf ihrer langen Reise von und nach Skandinavien an dieser Stelle. Wer die Natur liebt, sich für Tiere und Pflanzen interessiert oder einfach mal in aller Ruhe spazieren gehen und seine Sinne schweifen lassen möchte, der ist hier richtig. Markierte Rad- und Wanderwege führen durch dieses einzigartige und wunderschöne Gebiet und es gibt einen Naturlehrpfad zum 13 Meter hohen Aussichtsturm, der in seiner Form einem Seezeichen nachempfunden wurde. Von hier aus schweift der Blick über die Deiche bis weit über die Nordsee. Für Vogelbeobachter stehen Hütten zur Verfügung und Sichtschutzwände, in denen Schlitze ein unbemerktes Eintauchen in die Vogelwelt erlauben. Im Naturzentrum des NABU gibt es eine interessante Ausstellung zur Umgebung und über die Entwicklung des Katinger Watts vom Einfluss der Gezeiten bis hin zur Wandlung zum Binnenland. Mitarbeiter bieten gerne Führungen an. Im Katinger Watt verbinden sich Naturschutz, sanfter Tourismus und eine schonende Landwirtschaft auf vorbildliche Weise. Im südlichen Teil des Katinger Watts an der Kreisstraße 41 teilen sich Surfer und Badegäste einen Badeplatz mit Liegewiese, Spielplatz und Café vor der beeindruckenden Kulisse des Katinger Watts.

Historische Kirchen auf Eiderstedt
Sommerkirche Welt auf Eiderstedt

Sommerkirche Welt auf Eiderstedt | © weites.land

Auf der weitläufigen Halbinsel Eiderstedt gibt es etwa 14 000 evangelische Christen. Für diese Menschen stehen 18 Kirchen offen, die heute zu den historsich wertvollsten Kirchen in Schleswig-Holstein gehören. Die Eiderstedter sind schon sehr dankbar für diese besonderen Gotteshäuser, wissen aber auch um die Herausforderung, diese für uns zu erhalten und zu pflegen.

Friedrichstadt

 

Friedrichstadt | © weites.land

Friedrichstadt | © weites.land

Die Niederlande haben eine Exklave in Schleswig-Holstein, so möchte man meinen. Eigentlich ist das gar nicht weit hergeholt, denn die Stadt wurde von Friedrich III. von Schleswig-Gottorf gegründet, um niederländische Remonstranten vor Glaubensverfolgung zu schützen.

Mit ihnen plante er, die Stadt zu einem bedeutenden Handelszentrum zu machen. Die Siedler bekamen wirtschaftliche Privilegien und Religionsfreiheit. Auch die Verfassung und die Stadtverwaltung waren niederländisch geprägt. Selbst die Ratsprotokolle waren bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhundert niederländisch verfasst. Der ältere Teil der Stadt, im holländischen Stil der Renaissance erbaut, ist von einer Gracht mit dem Namen Mittelburggraben durchzogen. Die andere Gracht mit dem Namen Norderburggracht wurde im Jahr 1705 zugeschüttet.

In Friedrichstadt gibt es die einzige Remonstranten-Kirchengemeinde außerhalb der Niederlande. Die Kirche dieser Glaubensrichtung entstand in den Jahren 1852–1854. Seit 1649 existiert die evangelisch-lutherische Kirche St. Christopherus am Mittelburgwall und seit dem Jahr 1854 die katholische St. Knuth-Kirche an Fürstenburgwall. Die Mennoniten haben ihren Beetsaal in der alten Münze, den sie auch der dänischen evangelisch-lutherischen Gemeinde zur Verfügung stellen.

Früher gab es eine jüdische Gemeinde, doch außer ihrer ehemaligen Synagoge exsitiert sie nicht mehr. Ohne Neid kann man sagen, dass Friedrichstadt einfach das schönste der Städtchen an der Eider ist.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.