Dänemark Rad & Wandertouren

Nord-Ostsee-Radweg

Krusau, aufgenommen mit der Nikon KeyMission 80 | © weites.land
Krusau, aufgenommen mit der Nikon KeyMission 80 | © weites.land
Schleswig-Holstein – das Land zwischen den Meeren, das war ein Slogan, der sich immer noch in die Herzen der Menschen eingebrannt hat. Und man möchte seine Arme ausstrecken, um auf der einen Seite die Nordsee mit ihrem Wattenmeer und auf der anderen Seite die Ostsee mit ihren Stränden zu berühren. Eine Tour auf dem Nord-Ostsee-Radweg entlang der dänisch- deutschen Landgrenze ist so ein Versuch, Schleswig-Holstein vom Westen bis in den Osten zu umarmen und die Vielfalt auch der Grenzregion auf einmalig schöne Art und Weise kennen zu lernen.
Beschilderung zum Nord-Ostseeradweg auf dänischer Seite | © weites.land

Beschilderung zum Nord-Ostseeradweg auf dänischer Seite | © weites.land

Vorweg: Diese Tour eignet sich sowohl für den Camper, wie auch für den Wanderer. Wir bleiben aber dieses Mal beim Fahrrad. Dabei muss man sich nicht über Gebühr anstrengen. Mit ihren etwa 66 Kilometer Länge ist der Nord-Ostsee-Radweg der kürzeste Radfernweg Schleswig-Holsteins. Die Strecke ist meist flach und sehr geradelinig, es sind insgesamt etwa 150 Höhenmeter zu bewerkstelligen. Wer einigermaßen fit ist, schafft die Tour in einem Tag. Aber es gibt auch nette Übernachtungsmöglichkeiten unterwegs. Denn man kann zwar in einem die Strecke durchziehen. Empfehlen können wir aber, die vielen Besonderheiten unterwegs anzusteuern und sich Zeit für diese zu nehmen. Für den Rückweg könnte sich die Grenzroute anbieten, die dann zugleich eine geschichtliche Reise ist, eine spannende und berührende dazu.

Wir beschreiben hier zum einen die Route, zum anderen auch die Orte, welche durchfahren werden. Dazu weisen wir auf entdeckungswertes in der Nähe hin, zu dem ein Abstecher wirklich lohnt.

Rickelsbüller Koog

Rickelsbüller Koog

Rickelsbüller Koog | © weites.land

Wir beginnen unsere Tour am Deich. genauer gesagt dort, wo der dänische und der deutsche Deich aufeinander treffen. Ein Gedenkstein erinnert an diese Kooperation. Nun sind wir zunächst mitten im Naturschutzgebiet Rickelsbüller Koog auf der deutschen und Margarethekog auf der dänischen Seite. Bis zum Grenzort Rosenkranz führt die Tour nun direkt an der Grenze über eine schmale und wenig befahrene Straße. Landwirtschaftliche Flächen, eine weite ebene Landschaft und vereinzelte Höfe begegnen uns hier. Diese Etappe ist entspannt, so lange der Wind nicht von vorne kommt. Mit einer Brise muss man in dieser nordseenahen Umgebung allerdings unbedingt rechnen. 

Rickelsbüller Koog

Rosenkranz / Rudbøl

Rosenkranz im Grenzland

Rosenkranz im Grenzland | © weites.land

Rosenkranz und Rudbøl, das war mal ein vereinter Ort. Doch mit der neuen Grenzziehung im Jahr 1920 weiß man heute nicht mehr, ob man gerade in Dänemark oder in Deutschland ist. Die Grenze verläuft hier zum Teil zick zack um einige Häuser und Grundstücke herum. Auf einem Abschnitt von etwa 130 Meter verläuft die Grenze mitten auf der Straße. Zu erkennen an den mittig in die Straße eingesetzten Grenzsteine. Auch mitten durch den Ruttebüller See (Rudbøl Sø) geht die Grenze, erkennbar an den Bojen, die alle 10 Jahre überprüft werden. Auf jeden Fall lohnt sich ein Abstecher ins dänische Rudbøl, nur wenige hundert Meter entfernt. Hier gibt es auch ein schönes und günstiges Hostel in familiärer Umgebung. Dieser Ort bietet auch schöne Rast- und Einkehrmöglichkeiten. Für uns ist Rudbøl einer der schönsten Grenzorte. Mitten durch die flache Landschaft mit einer grenzenlosen Weite und Wolken, wie man sie sonst nirgend so sieht, geht es weiter nach Neukirchen.

Rosenkranz (Gemeinde Aventoft)RudbølRuttebüller See

Neukirchen-Seebüll

weites land

© weites.land

Im Sommer bietet sich ein frisches Bad im Hülltofet Tief, einem kleinen See an, eh man sich auf die Vergangenheit eines Menschen einlassen sollte, der hier einst geboren und gestorben ist. Denn zu Lebzeiten hat er einen großen und heute sehr begehrten Nachlass geschaffen. Wir sprechen von Emil Nolde, einer der größten norddeutschen Künstler. In einem Teil Deutschlands geboren, welcher nach der neuen Grenzziehung Dänemark zugesprochen wurde, wechselte er mit der gleichen Selbstverständlichkeit und wurde Däne. In Zeiten des dritten Reiches sympathisierte er schon früh mit den Nazis, wurde aber zu seiner Verwunderung von ihnen verfolgt und seine Kunst für entartet erklärt.

Wer seine Bilder betrachtet, wird viele der Motive in der direkten Umgebung wiederfinden.

In Seebüll findet sich sein Atelier mit dem von ihm angelegten Garten. Ein kleines Café lädt nach dem Besuch der Ausstellung zum Verweilen ein.

Anschließend geht es über die schmalen Straßen weiter bis zum nächsten größeren Grenzort Süderlügum.

Süderlügum

Binnendünen bei Süderlügum | © weites.land

Binnendünen bei Süderlügum | © weites.land

Süderlügum ist der Einkaufsort in dieser Region. Vor allem für Alkohol. So reihen sich an der Ausfallstraße nach Dänemark dänische und deutsche „Lebensmittelgeschäfte“ aneinander. Wir waren verwundert, einen Sky-Laden ohne Frischetheke vorzufinden. Nun ja, hier sind die Prioritäten anders gesetzt. Aber man kann sich schon mit allem verpflegen, was man so braucht. Und der gute Alkohol hat ja auch für Radfahrer nichts im Verkehr zu suchen, oder? Vielleicht bin ich ja ein Spaßverderber, aber ich war 21, als ich bei einem betrunkenen Verunglückten verzweifelt und vergeblich Erste Hilfe geleistet habe. Nun gut, genießen wir den guten Schluck am Abend und kümmern uns hier und das, was man wirklich braucht. Und wenn man ihn hier findet, dann sollte man unbedingt den dänischen Kuchen probieren. Und dann weiter fahren und sich an das kleine Hinweisschild „Naturschutzgebiet“ orientieren. Das ist nämlich alles andere als langweilig. Am östlichen Ortsausgang gelegen entdeckt man nämlich eine große Binnendünenlandschaft, die vor allem Im August und September atemberaubend schön wird, wenn die Heide blüht. Wir fahren immer mal wieder hier her und verweilen ganz ohne Zeitdruck. Schön ist das hier, einfach schön.

Irgendwann geht es aber weiter an einer nicht übermäßigen Landstraße mit schmalem, separaten Radweg. Dichter Wald säumt die recht gerade Strecke, bis Ladelund auftaucht.

Info SüderlügumBinnendünen Süderlügum

Ladelund

Ladelund ist ein beschauliches Dorf in Grenznähe, welches sich schon sehr früh seiner historischen Verantwortung stellte. Hier gibt es die erste KZ-Gedenkstätte in Deutschland mit einer bewegenden Ausstellung und einer kleinen Begegnungsstätte. Auch im Verlauf, gleich gegenüber des sehr schönen Naturfreibades ist ein Denkmal an diese Zeit errichtet. Menschen mit Behinderung haben ein eindrucksvolles und sehr emotionales Kunstwerk geschaffen. Wie beschrieben, ist hier ein tolles Naturfreibad, kostengünstig im Eintritt, dafür mit allen Annehmlichkeiten eines Freibades. und falls man irgendwann einmal mit dem Wohnmobil oder VW-Bus hier her will, gleich nebenan ist ein kostenfreier Stellplatz eingerichtet. Im Ort selbst ist ein kleines Heimatmuseum mit einer Stellmacherei zu empfehlen.

Von Ladelund führt die Tour nach Bramstedtlund und von dort auch weiterhin über kleine und in der Regel wenig befahrene Straßen zunächst nachHolt und weiter nach Medelby. Dabei wechseln sich einzelne kleine Wälder, weitläufige Wiesen und Felder ab.

Ladelund

Medelby

Medelby | © weites.land

Medelby | © weites.land

Medelby ist ein kleines Grenzdorf, in dem die Menschen doch wissen, wie sie sich versorgen können. Ruhig ist es hier, auch zu den Betriebszeiten. Die meisten Einwohner arbeiten im gut erreichbaren Schfflund, Leck oder Flensburg oder gehören der Landwirtschaft an. Von Medelby geht es  weiter nach Jardelund, vorbei am grenzüberschreitenden Naturschutzgebiet „Jardelunder Moor / Frøslev Mose“ und über einen kleinen Grenzübergang nach Dänemark. Die Landschaft ändert sich nicht mit der Grenze und auch das Leben diesseits und jenseits ist doch sehr ähnlich. Es gibt viele verwandschaftliche und freundschaftliche Beziehungen in der Grenzregion und auch enge Kooperationen der Landwirtschaft. Man sieht im dänsichen Grenzland sehr viele Polizeistreifen, die Grenze wird stark im sogenannten Hinterland überwacht.

Hat man also gemerkt, dass man sich nun in einem anderen Land- übrigens dem glücklichten Land der Erde- befindet, führt die Route auch weiterhin perfekt ausgeschildert bis zur Siedlung Fehle, dann in einer recht spitzen Rechtsabbiegung durch sehr waldreiches Gebiet bis nach Padborg.

Gedenkstätte und Museum im ehemaligen Internierungslager Fröslev bei Padborg | © weites.land

Gedenkstätte und Museum im ehemaligen Internierungslager Fröslev bei Padborg | © weites.land

Sehr empfehlenswert ist aber ein Abstecher etwa vier Kilometer weiter von Fehle entfernt. Hier geht es links in den Wald, dessen Weg man nochmals etwa dreieinhalb Kilometer folgt. Der weg sollte als Grenzroute markiert sein. Dort befindet sich das ehemalige Internierungslager der Nazis. Heute ist dies ein sehr bewegendes und vielseitiges Museum zur Geschichte. Aber auch ein dänisches UNO-Museum, eine Ausstellung zur Geschichte des Rettungsdienstes oder der Heimwehr runden diesen für uns immer wieder sehr emotionalen Besuch ab.

Für die Radtour ist es ideal, durch den Wald wieder zurück zu fahren und an der offiziellen Route des Nord-Ostsee-Radweges anzusetzen. Von hier aus geht es entlang der wenig befahrenen Straße, sie führt über die Nord-Süd-Autobahn, dann führt die Route durch ein großes Gewerbegebiet, in dem sich eine Spedition an die andere reiht. Die Schilder zeigen in Richtung Zentrum und eine Unterführung, welche die Gleisverbindung nach Flensburg kreuzt, ist so etwas wie ein modernes Stadttor ins Zentrum. 

MedelbyInternierungslager Fröslev Frøslevlejren

Padborg

Der Grenzort Padborg ist zugleich Start- bzw. Zielpunkt des Gendarmstien | © weites.land

Der Grenzort Padborg ist zugleich Start- bzw. Zielpunkt des Gendarmstien | © weites.land

Gleich hinter der Bahnunterführung beginnt auf der rechten Seite der Gendarmstien, ein sehr beliebter Fernwanderweg, welcher die ehemalige Route der Grenzgendarmen aufnimmt. Wir halten uns aber ans Zentrum, welches freundlich und aufgeräumt wirkt. Hier gibt es alles, was man zur Verpflegung benötigt. Empfehlen können wir das kleine Heimatmuseum, welches auch einen Teil der Grenzgeschichte spiegelt.

Nachdem wir zügig durch den kleinen Grenzort gekommen sind und den Museumsbesuch mit einer Rast verbunden haben, wechseln wir die Straßenseite und biegen rechts nach Bov ab. Bov ist ein wunderschöner, typisch dänischer Wohnort oberhalb des Tunneltals. Aktuell hat sich die Gemeinde erfolgreich um ein vorbildliches Radwege-Konzept gekümmert und die Durchgangsstraße so beruhigt, dass Radfahrer und Fußgänger sehr entspannt unterwegs sein können. Wenn der Mais nicht gerade steht, hat man einem traumhaften Blick in die hügelige südliche Umgebung des Grenzgebietes. Im Ort gibt es einen typisch dänischen Kro, üblicherweise ganz nah der Kirche. Von Bov aus geht es kontinuierlich den Radweg entspannt abwärts, die parallel laufende Straße ist recht wenig befahren. Bald kommt das ebenfalls reizvolle Smedeby und bietet einen weiten Blick über den Krusauer Mühlensee bis ins deutsche Grenzland.

Padborg

Kruså (Krusau)

Krusau | © weites.land

Krusau | © weites.land

Am Ende der Straße geht es rechts auf die vierspurige Durchgangsstraße des kleinen Grenzortes. So ganz weiß Krusau zur Zeit wohl nicht, wo es hin möchte. Dabei muss es sich wohl irgendwie neu erfinden. Der steuerliche Unterschied zwischen Dänemark und Deutschland macht es den dänischen Grenzorten schwer, sich zu behaupten. Dabei hat Krusau echtes Potential. Immerhin ist Kruså, wie es im dänischen genannt wird, ein beliebter Wohnort . Nicht ohne Grund kreuzen sich hier einige Fernwanderwege, auch grenzüberschreitend. Lange Zeit war hier der wichtigste Grenzübergang Dänemarks und auch heute hat dieser enorme Bedeutung. Auch für uns bedeutet dieser kurze Abstecher nach Dänemark nun ein Ende, denn von hier aus geht es den Schildern nach Deutschland und wir fahren nach Wassersleben, wo uns die Flensburger Förde und damit die Ostsee erwartet.

Krusau - Flüsse in Schleswig-Holstein, aufgenommen mit Nikon KeyMission 80 | © weites.land

Krusau – Flüsse in Schleswig-Holstein, aufgenommen mit Nikon KeyMission 80 | © weites.land

Hier befindet sich auch einer der kleinsten Grenzübergänge Europas, die Schusterkate. Allerdings nur für Radfahrer und Fußgänger. Unbedingt lohnenswert ist ein kurzer Abstecher in den Nachbarort Kupfermühle. Ein kleines Industriemuseum zeigt die Arbeit aus der Zeit der industriellen Revolution. Noch heute ist der Ort sehr dänisch geprägt. Gerade die mit der Kupfermühle verbundenen Gebäude sind heute beliebte und begehrte Wohnhäuser, eine Aussicht, hier einmal Mieter zu werden, besteht schlicht und ergreifend nicht.

Kollund | © weites.land

Kollund | © weites.land

Alternativ kann man aber auch den Weg nach Kollund nehmen, um dort auf dänischer Seite die Flensburger Förde zu erreichen.  Wer nun noch nicht genug von der Schönheit hat (was wir bestens verstehen können), fährt zum Abschluss noch ein wenig weiter entlang der Flensburger Förde, vorbei an den Ocheninseln, bis Sonderhav. Wir wartet als krönender Abschluss ein echter Hotdog in der kultigen Imbissbude bei Anni.

KrusauIndustriemuseum KupfermühleGrenzfluss KrusauKollundOchseninselnKupfermühle

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

Schreibe uns Deine Meinung