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Nikon Keymission 80 Test

Gemeinde Harrislee - aufgenommen mit Nikon KeyMission 80 | © weites.land
Gemeinde Harrislee - aufgenommen mit Nikon KeyMission 80 | © weites.land
Manchmal braucht man kleines Werkzeug, um leicht und effektiv arbeiten zu können. Das gilt in unserem Fall für eine Kamera. Sie sollte so klein und unauffällig wie möglich sein, geringes Datenvolumen erzeugen, robust, wetterfest und wasserdicht sein, möglichst nicht verzerren und auch in der Lage sein, einfache Filme zu erzeugen.

Wir fotografieren den Hund im Wasser und am Strand genauso wie eine Gemeinde oder das Innere

Flensburg Hauptbahnhof – Bahnhöfe in Schleswig-Holstein | © 2017 weites.land

Flensburg Hauptbahnhof – Bahnhöfe in Schleswig-Holstein | © 2017 weites.land

einer Kirche oder eines Bahnhofes. Schöne Wegstrecken würden wir gerne aus dem Auto heraus filmen, schöne Panoramen vom Boot aus auf Wasserlinie fotografieren oder filmen. Was also lag näher, dem schönen Werbeauftritt für die Nikon Keymission 80 Glauben zu schenken.

Nun haben wir diese kleine Kamera seit ein paar Wochen immer dabei und nutzen die Möglichkeiten, sie in unserem Redaktionsalltag ausgiebig zu testen. Einige Erfahrungen konnten wir mittlerweile machen und möchten sie an dieser Stelle weiter geben. Dabei haben wir keine wissenschaftlichen Tests gemacht und verzichten auch auf die ganzen neumodischen Fachbegriffe, die in Zeiten der digitalen Fotografie in aller Munde sind.

Zunächst heißt es auspacken. Und dabei ist das mitgelieferte Papier in Form von Warnhinweisen, Warnhinweisen und nochmals Warnhinweisen und dann ein wenig Bedienungsanleitung deutlich voluminöser als die Kamera selbst. Legen wir diesen Wust schnell zur Seite, denn eine Kamera, die sich nicht von selbst erklärt, ist nicht unsere.

Internierungslager KZ Fröslev ( Frøslevlejren )

Internierungslager KZ Fröslev ( Frøslevlejren ) | © weites.land

Diese kleine Kamera erinnert meine Frau sofort an die klassische Minox, die aufgrund ihrer Größe zu Analogzeiten die Spionagekamera schlechthin war. Nun ist die Nikon KeyMission 80 ein wenig größer, aber nicht dicker. Ihre Funktionen sind übersichtlich. Um die KeyMission 80 anzuschalten, reicht der Klick auf den Auslöser. So schaltet die Kamera bei Nichtgebrauch auch bei vorgegebener Zeit von zwei oder fünf Sekunden selbsttätig wieder ab. Das spart Strom.

Keymission 80

Krusau | WEITES.LAND – Flüsse in Schleswig-Holstein

Krusau, aufgenommen mit Nikon KeyMission 80 | WEITES.LAND – Flüsse in Schleswig-Holstein

Die Keymission, das hört sich nach Expedition an. Dabei sollte man bei den Erwartungen die Kirche im Dorf lassen. Aber jedes Kind braucht einen Namen. Diese Serie gibt es jedenfalls als Keymission 80, 170 oder 360. Hinter der Zahl steckt jeweils nichts geringeres als der Bildwinkel, der aufgezeichnet wird.

Für uns sind 80 Grad ideal, sie entsprechen etwa 24mm Kleinbildformat und liegen damit nahe an unserer bevorzugten klassischen 28mm Brennweite.

An und Aus, oder?

Genau hier vermissen wir einen separaten An-Ausschalter. Denn eine solche Kamera steckt man gerne mal in die Hosentasche und da schaltet sie sich durchaus einmal selbsttätig an. Damit wird auch der Touchscreen des Displays aktiviert. Im Grunde gar nicht schlimm, kann es hier aber zum unbewussten Durchblättern der Fotos und dabei zu unbeabsichtigtem Löschen der Dateien kommen. Ärgerlich, eine Strecke gelaufen zu sein und dann ohne Bildergebnisse wieder zurück zu kommen.  Um es auf den Punkt zu bringen: das ist ganz großer Mist! Mancher Fluch war  dieser Kamera bislang sicher.

Noch ein großer Nachteil ist uns bei Regen aufgefallen. Selbst Regentropfen beeinflussen den Touchscreen, schalten über diesen gerne mal zwischen Selfi- und Normalmodus hin und her. Eine recht nervige Angelegenheit.

Film oder Foto

Krusau, aufgenommen mit der Nikon KeyMission 80 | © weites.land

Krusau, aufgenommen mit der Nikon KeyMission 80 | © weites.land

Über ein seitliches Rad lässt sich mit einer Viertelumdrehung einstellen, ob man aktuell filmen oder fotografieren möchte. In erster Linie ist diese Kamera aber eher zum Fotografieren konzipiert mit der Option, auch filmen zu können.

Die Kamera verfügt über jeweils ein Objektiv auf jeder Seite. Auf der Seite des Displays angeordnet ist das Objektiv gedacht für die neumodischen Selfies, die wir definitiv nicht benötigen. Auch benötigen wir den virtuellen Anschluss an ein Smartphone nicht. Mit beiden gehören wir sicherlich einer Minderheit an, so wollen wir aus Sicht des Marketings diese Option auch gar nicht infrage stellen. Nur ein Druck auf das entsprechende Symbol innerhalb des Display wechselt zwischen diesen beiden Möglichkeiten.

Foto: Der Kamera steht bei Gegenlicht- und/oder Landschaftsaufnahmen eine Belichtungskorrektur von einem Blendenwert gut an, in der normalen Ausrichtung wirken die Bilder etwas dunkler, damit aber auch kontraststärker. Beim Abfotografieren von Dokumenten muss die Belichtungskorrektur unbedingt ausgeschaltet bleiben, dann ist deren Wiedergabe auch lesbar. Allerdings ist es mühsam, Dokumente halbwegs brauchbar wieder zu geben.

Wir haben die Wahl zwischen normalen, farbsatten oder monochromen Bildern. Wir selbst bevorzugen die normale Einstellung oder aber schwarz-weiß.

Höruphav ( Høruphav ) ist Start bzw. Ziel des Gendarmstien | © weites.land

Höruphav ( Høruphav ) ist Start bzw. Ziel des Gendarmstien, aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Licht im Rücken mag die Kamera. Aber auch Gegenlichtaufnahmen sind mit ihr preisangemessen überraschend gut. Empfehlenswert sind solche Aufnahmen mit Belichtungskorrektur von einem Blendenwert. 

Insgesamt, vor allem im Gegenlicht, wirken die Aufnahmen etwas weich, mitunter etwas flau. Das muss aber in Zeiten von „knackscharfen“ Optiken kein Nachteil sein, vielmehr ein angenehmer Gegenkontrast. Überrascht waren wir vom Verhalten bei tiefer stehender Sonne, die direkt ins Objektiv scheint. Werden in der Regel dann die dunkleren Bereiche fast schwarz wiedergegeben, sind diese hier angenehm sichtbar.

Aber: Oft muss man die Belichtungsautomatik neu justieren. Denn ohne ersichtlichen Grund belichtet die Kamera auf einmal maßlos über. Dann muss man sie kurz in einen dunklen Schattenbereich halten oder warten, bis sie aus geht. Das gewünschte Motiv ist in der Zeit durchaus schon nicht mehr verfügbar. Danke Nikon.

Der Grenzort Padborg ist zugleich Start- bzw. Zielpunkt des Gendarmstien | © weites.land

Der Grenzort Padborg ist zugleich Start- bzw. Zielpunkt des Gendarmstien, aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Ideal ist die Kamera als fotografisches Notizbuch für unterwegs, Geodaten lassen sich manuell oder über ein smartphone einstellen. Auch zur Recherche ideal, um beispielsweise Plakate oder Ausstellungsgegenstände für den eigenen Bericht zu dokumentieren und zur Erinnerung wieder aufzurufen.

Im Bereich von Architektur, Meer oder Landschaft muss man sich aber schon konzentrieren, so ein kleines Ding auch in der Waage zu halten, will man einen schiefen Horizont oder stürzende Linien vermeiden. Dafür verzerrt das kleine und wohl bis zum Anschlag digital korrigierende Objektiv ganz schön. Allerdings sollte man hier wirklich keine Erwartungen haben, wie wir sie beispielsweise an unsere teuren Leica-Objektive stellen.

Ideal ist die Mini-Nikon für unauffälliges Knipsen, man ist sehr schnell mit ihr und hat einen kleinen, kaum wahrnehmbaren Gegenstand in der Hand. Allerdings funktioniert sie nur schwerfällig spontan, mitunter muss man wild auf den Auslöser drücken, damit irgendwann man etwas passiert. In solchen Momenten kann man kurz fluchen und wartet auf die nächste, noch nicht verpasste Gelegenheit.

Eine schöne Spielerei ist die Panoramafunktion. Schaltet man sie ein, bewegt man die Kamera 15 Sekunden um die eigene Achse, für ein weites Panorama sind es 30 Sekunden. Das Bild wird dann automatisch korrekt als ein Panoramabild zusammengefügt. Im Selfi-Modus funktioniert es aber nicht. wozu auch. Wir selbst brauchen die Panoramafunktion nicht.

Auffällig ist die deutliche Auslöseverzögerung, man muss sich daran gewöhnen. Für unser Zwecke können wir aber damit leben. Doch wollen wir den Hund am Hundestrand in Achtion abbilden, wird es nervig. 

Flensburg Hauptbahnhof – Bahnhöfe in Schleswig-Holstein | © 2017 weites.land

Flensburg Hauptbahnhof – Bahnhöfe in Schleswig-Holstein, aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © 2017 weites.land

Innenaufnahmen: Innenaufnahmen funktionieren überraschend gut. Vor allem aufgrund des angenehmen Weitwinkels ist so spontane und unaufdringliche Fotografie in öffentlichen Gebäuden wie Bahnhöfen oder Kirchen möglich. Die Hell-Dunkel-Kontraste gerade durch die großen hellen Fenster und die schattigen Innenräume werden wirklich gut gemeistert.

Filmen:  Dabei kann man je nach Ausgabegerät sogar unterscheiden, ob 25 Bilder oder 30 Bilder pro Sekunde aufgezeichnet werden sollen. Aber wer will sich schon im Vorfeld festlegen, auf welchem Medium die Filmchen wirklich gezeigt werden. 

Stellt man die Kamera auf ein Stativ, lässt den Film laufen, dann sind die Aufnahmen wirklich gut. Dazu benötigt man aber den Stativadapter, den es nur von Nikon passend zur Kamera gibt. Und zwar in Form einer schlichten Kunststoffhalterung mit Kunststoffgewinde und einen Herstellungspreis, der schön gerechnet nicht über ein Euro liegen dürfte. Um so erstaunlicher der horrende Zubehörpreis von 27,95 EUR. Das Gewinde leiert übrigens schnell aus, auf keinen Fall darf man es überdrehen, was allerdings leicht passieren kann. Ein eingesetztes Metallgewinde, ebenfalls schlicht herzustellen, würde eine deutliche Verbesserung bringen und dabei kaum mehr Produktionsaufwand bedeuten. Wir haben ein Adaptergewinde von 3/8″ auf 1/4″ aus Metall eingedreht, Der Preis liegt etwa bei einem EUR.

Möchte man beispielsweise ein laufendes Kind filmen, dann geht dies auch noch mit ruhiger Hand. Kommt man dagegen auf die Idee, die Kamera mit einem Fahrzeug zu verbinden und aus einen fahrenden Auto oder Fahrrad auf Waldwegen zu filmen, kann man das Ergebnis getrost als schlecht bezeichnen. Selbst auf wirklich sehr gut ausgebauten Straßen ohne Schlaglöcher und nur mit geringsten Bodenwellen, einem fest platzierten Stativ und niedrigen Geschwindigkeiten ruckelt das Bildergebnis durch die Gegend.

Dabei zeichnet aber das Mikrofon besser auf, als man es sich vielleicht wünscht. Dem vorzubeugen, hat man die Option eines Windfilters, der die Umgebungsgeräusche auf ein Minimum reduzieren soll. Viel Unterschied haben wir aber nicht bemerkt.

Der Bildstabilisator

Die Nikon Keymission 80 soll einen Bildstabilisator haben, gefühlt hat er keinen. Aufnahmen können durchweg in kritischen Beleuchtungssituationen unscharf werden. Von ständig wackelnden Bildern beim Filmen aus einem Fahrzeug heraus ganz zu schweigen.

Nikon-Zubehör

Krusau - Flüsse in Schleswig-Holstein, aufgenommen mit Nikon KeyMission 80 | © weites.land

Krusau – Flüsse in Schleswig-Holstein, aufgenommen mit Nikon KeyMission 80 | © weites.land

Für die Keymission gibt es exklusives Zubehör von Nikon, exklusiv ist auch der Preis. Schnell ist man bei 100 oder 200 Euro nur für Zubehör, sei es der Stativadapter, ein Saugnapf für die Autoscheibe, Brustgurt etc. In Anbetracht der Tatsache, dass die komplette Serie im Billiglohnland China produziert wird, liegt das Zubehör preislich verglichen auf Leica-Niveau, made in Germany. Allerdings mit deutlich schlechterer Qualität.

Mitgeliefert wird eine Kamerahalterung, die man beispielsweise an einen Rucksackgurt befestigen kann. In der entsprechenden Einstellung versehen entstehen dann alle paar Sekunden oder Minuten automatisch Aufnahmen auf Brusthöhe. Sicherlich auch ein spannendes Experiment in der Streetfotografie mit der Einschränkung, dass diese Aufnahmen wahrscheinlich nicht öffentlich gemacht werden dürfen. Für uns ist es jedoch unverständlich, dass diese Halterung kein Stativgewinde hat oder mit dem Stativadapter zu kombinieren ist.

Vermisst haben wir aber auf jeden Fall eine simple Handschlaufe gegen den Verlust der Kamera und eine schlichte weiche Kameratasche. Das sollte selbstverständliches Zubehör sein.

Aber: nach getaner Arbeit kann man die Kamera unter fließendes Wasser halten und abwischen, somit von Sand und Staub befreien. Sie darf sogar kurz bis zu einem Meter tief tauchen. Aber bitte nicht in reißenden Bächen oder gar in einem Wasserfall.

Sonstiges getetetes Zubehör

Weiter ausprobiert haben wir zum einen das Hama-Scheibenstativ für 24,95 EUR, zum anderen den Rollei-Selfistick lang für 14,95 EUR.

Beide Artikel sind geblistert, das heißt, in starrem Kunststoff eingeschweißt. Nur mit Gewalt bekommt man es aus der Verpackung, die dazu zerschnitten werden muss. In beiden Fällen hat man dann das Elend in der Hand.

Beim Rollei Selfistick ist die Schraube für das Stativgewinde des Kameraadapters viel zu kurz und greift gar nicht.

Beim Hama Scheibenstativ ist die Konstruktion so wackelig, daß entsprechend verzerrt und verwackelt die Filmaufnahme wiedergegeben wird. Auch können Kameras nur hängend angebracht werden, sonst stößt die Kamera an die Autoscheibe.

Eine Rückgabe ist nicht möglich, weil ja die Verpackung zerstört wurde. In beiden Fällen ist es in unseren Augen bezahlte und unbrauchbare Umweltbelastung, die dem Kunden Geld abringt, ihm aber Frust statt Nutzen dafür zurück gibt. Ich fühle mich mit solchen Produkten dieser Firmen betrogen. Auch im Zeitalter der Diskussion um den Plastikmüll in unseren Meeren (wir berichteten aktuell darüber) ist die Art und Weise der Verpackung schlicht und ergreifend pervers.

Fazit

Krusau, aufgenommen mit der Nikon KeyMission 80 | © weites.land

Krusau, aufgenommen mit der Nikon KeyMission 80 | © weites.land

Es stellt sich die Frage, ob ein schlichtes Smartphone nicht mindestens die gleichen Dienste leistet, auch, wenn es vom Gehäuse sicherlich größer ist.  Wer also ein Smartphone besitzt, braucht diese Kamera nicht. Wir sehen bei der Keymission 80 den Schwerpunkt eindeutig bei der schnellen und unbedarften Fotografie ohne besonderen Qualitätsanspruch. Allerdings ist für uns nicht ersichtlich, warum die Nikon Keymission 80 deutlich teurer ist als eine Kompaktkamera aus gleichem Hause mit besseren Ergebnissen und besserer Ausstattung.

Zudem ist der Akku sehr schwach in seiner Leistung, im Betrieb wird die Kamera richtiggehend heiß und schaltet bei Überwärmung dann vorsichtshalber ab. Es gibt keine Möglichkeit (zumindest schließt Nikon sie in einem der tausend Warnhinweise aus), die Kamera über ein 12 Volt-Kabel im Auto aufzuladen.

Würden wir die Keymission 80 noch einmal kaufen? Nein. Denn eigentlich ist sie kaum mehr wert als etwa 50 EUR. Lieber werden wir mehr Geld ausgeben, dafür aber ein Gerät bekommen, welches das bietet, was man bei dieser Nikon erwartet.

Bei uns hat Nikon, dessen Produkten wir sehr wohlwollend gegenüber standen, erheblich Vertrauen in die Marke mit dieser Bauernfängerei zerstört.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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