Stadt

Mölln

Mölln | © weites.land
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Mölln und Braunschweig buhlen förmlich um Till Eulenspiegel. Dabei war Till Eulenspiegel so hin- und hergerissen, dass er in beiden Städten weilte. Vielleicht inspirierten ihn die vielen Seen oder aber die bezaubernde Stadt in Schleswig-Holstein.

Fakt ist, dass ihn die Umgebung zu neuen Geschichten und zu neuen Späßen anregte. So etwas geht eben nur in dieser weiten und offenen Umgebung. Am Marktplatz erinnert heute eine Bronzeskulptur an den größten Schelm der Geschichte. Um das eigene Glück ins Unermessliche zu steigern, empfiehlt sich nach unbestätigten Meldungen das Berühren der Figur mit Daumen und Fußspitze. Mölln ist eine malerische Kurstadt mitten im Naturpark „Lauenburgische Seen“.

Und egal, wo man sich in der Stadt aufhält, man muss sich ständig in den Nacken greifen, denn meist sitzt er da, der Schalk, und begleitet einen auf Schritt und Tritt. Sichtbar wird er, der den Menschen hier bei vielen Gelegenheiten einen Streich spielte, an Brunnen, Museum, Gedenktafel und spürbar vielleicht, wie gesagt, im eigenen Nacken. Wahrscheinlich hat Till Eulenspiegel im 14. Jahrhundert seine letzten Jahre verbracht, er soll im Jahr 1350 mit einem breiten Grinsen das Atmen eingestellt haben.

Vergessen wurde er nie, auch heute erinnern alle drei Jahre die Eulenspiegel-Festspiele an den bekanntesten Narren Deutschlands. Dann wird der historische Marktplatz zu einer großen Freilichtbühne. Die nächsten Festspiele finden im Jahr 2018 statt. Will man die schöne mittelalterliche Stadt besuchen, ist Till Eulenspiegel gerne der Begleiter. Ganz unauffällig wird er mit uns durch die Gassen zu den Häusern ziehen, an denen er seinen Schabernack getrieben hat.

Basilika St. Nicolai

Eines der auffallendsten Gebäude der Stadt ist die spätromanische Basilika St. Nikolai, sie prägt besonders von der gegenüberliegenden Seite des Sees die Silhouette der Stadt. Nach dem Vorbild der Basilika in Altenkrempe entstand die Kirche zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Damals dauerte der Kirchbau ein wenig länger als heute – nein, wenn ich heutige Projekte sehe, nehme ich das wieder zurück. Man muss sich aber bewusst machen, welche technischen Möglichkeiten bei Planung, Berechnung und Bau damals zur Verfügung standen und heute.

Die Basilika in Mölln ist 800 Jahre alt und hält! Großartig. Das darf man bestaunen und bewundern. Jedenfalls hat der Bischof von Ratzeburg im Jahr 1217 seine erste Synode in diesen Räumen abgehalten, vermutlich war hier erst der Chorraum fertiggestellt.  Später kam zur dreischiffigen Pfeilerbasilika in spätromanischem Stil der Kirchturm auf der Westseite hinzu, ebenso ein einschiffiger Chor mit halbrunder Apsis. Ein Rundgang um diese Kirche macht die vielen Fachbegriffe verständlicher.

Es sollte über 100 Jahre dauern, bis die Kirche um Taufkapelle und Sakristei im Jahr 1497 erweitert wurde. Um dem zum Teil moorigen und instabilen Grund Rechnung zu tragen, musste der Turm mit Stützpfeilern versehen werden. Eine seltene Besonderheit ist der Dachreiter auf dem Kirchturm, also ein kleiner angedeuteter Kirchturm auf dem großen Turm. Die Kreidemalerei im Inneren wurde im Jahr 1896 restauriert und erzählt die Geschichte eines Glockenläuters aus dem 14. Jahrhundert. Und eine weitere Besonderheit ist einer der berühmtesten Grabsteine. Der kann in Mölln nur einem gelten: Till Eulenspiegel.

Historisches Rathaus / Stadtmuseum

Das Historische Rathaus hat viele Generationen der Stadt begleitet. Bereits im Jahr 1373 erbaut, ist es das zweitälteste Gebäude der Stadt. Heute zeigt es in seiner Aufgabe als Stadtmuseum die Geschichte des Lebens in Mölln in den Jahren zwischen 1750 und 1950. Schon im Jahr 1889 begannen engagierte Bürger mit dieser stadtgeschichtlichen Sammlung. Zur Sammlung gehören das Ratssilber, Pokale der Gilden und Zünfte und mehr als 100 Jahre alte Stickmustertücher. Die Sammlung wird ergänzt durch interessante Wechselaustellungen zu den unterschiedlichsten Themen. Lesungen und Konzerte finden im Historischen Rathaus ebenfalls einen würdigen Raum. Das Rathaus befindet sich Am Markt 12.

Stadthauptmannshof / Erlebnisreich

Auch dieses Gebäude hat eine lange Geschichte. Es entstand 1414 zu einer Zeit, wo Mölln von Lübeck regiert wurde.  Hier residierten die von Lübeck beauftragten Stadthauptmänner. Heute ist das Haus die Adresse des Natur- und Tourismuszentrums „Erlebnisreich“.  Hier entdeckt man interaktiv die Landschaft, Kultur und Natur des Herzogtums Lauenburg. Auf einem hauseigenen Kanusimulator kann man schon seine Paddeltauglichkeit testen und draußen auf dem See ganz real unter Beweis stellen. Auf einer Hausralley geht es zu den vielen Höhepunkten der Umgebung. Niemand aus der Familie wird sich langweilen bei dieser einzigartigen Präsentation des Tourismus der Region. Das „Erlebnisreich“ befindet sich in der Hauptstraße 150.

Eulenspiegelmuseum

Wer schon in Mölln ist, will natürlich alles über den berühmtesten Narren erfahren. Da ist ein Besuch des Eulenspiegelmuseums unumgänglich. In dem wunderschönen Fachwerkhaus aus dem Jahr 1582 gibt es viel Spannendes rund um das Leben Till Eulenspiegels zu entdecken. Einige seiner Streiche sind hier nachempfunden und Eulenspiegel hat nur hier in Mölln seinen eigenen Fernsehsender: „Till-TV“. Dort lernt man seine neuesten Streiche kennen. Und auf einmal fragt man sich, ob Till wirklich im Jahr 1350 aufgehört hat zu atmen oder ob auch dies nur einer seiner Streiche war und er nur einen Atmenaussetzer hatte, in Wirklichkeit aber heute noch unter uns ist – selbstverständlich hier in Mölln! Wer traurigerweise die Stadt wieder verlassen muss, nimmt zur Erinnerung aber seine Bücher und andere Till-Souvenirs mit.

Wasserturm

In den Jahren zwischen 1911 und 1913 bekam Mölln einen weiteren Höhepunkt. Mit einer Höhe von 36 Metern sorgte fortan der Wasserturm für die Versorgung der Stadt. Heute ist er beliebter Treffpunkt und bietet auf seiner Aussichtsplattform ein tolles Panorama über die Stadt und die zauberhafte Wald- und Seenlandschaft. Diesen Ausblick darf man sich mit 186 Stufen sportlich erarbeiten. Im Inneren lädt die naturkundliche Ausstellung zu einer spannenden Entdeckungsreise der Umgebung rund um Mölln ein. Der Wasserturm auf dem Klüschenberg ist jährlich während der Saison ab Mai geöffnet. Bitte beachten Sie, dass der Turm zur Zeit wegen Reparaturarbeiten geschlossen ist.

Kneippkurort / Kurpark

Zu einem Kurort gehört auch ein Kurpark. Doch das sollte in Mölln nicht irgendein Kurpark sein. Mölln hatte den Anspruch, den schönsten Kurpark Norddeutschlands zu bieten und beauftragte im Jahr 1966 den Hamburger Gartenarchitekten Gustav Lüttge. Der weitläufige Park mit seiner großen Rasenfläche ist das aktive Zentrum für Boule, Minigolf, Schach oder Mühle. Umrandet wird die Fläche mit vielen farbenprächtigen Themengärten. Ein Rosengarten verzaubert mit seinem Duft und gleich nebenan bietet der Lesegarten Raum für einen Müßiggang. Zahlreiche Wasserspiele wechseln sich ab und sorgen für Erfrischung bei sommerlichen Temperaturen. Neben Kräuter- und Bewegungsgarten lädt auch das Kneipp-Tretbecken ein, in der Ruhe dieser entspannten Umgebung den Alltag hinter sich zu lassen. Aber wir sind ja in Mölln – und hinter jedem Strauch lauert ein Schelm. Till Eulenspiegel folgt uns auch hier. Kennen Sie die Geschichte von Till Eulenspiegel in der Schmiede? Hier wird sie erlebbar.

Tierpark

Inmitten des Naturparks Lauenburgische Seen liegt am östlichen Stadtrand der Naturerlebnisraum und Wildpark Uhlenkolk. Nur 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt entdecken wir in der Umgebung von Wald und Moor die heimischen Wildarten wie Dachs, Waschbär oder Wildschwein, die wir in freier Natur nur sehr selten zu Gesicht bekommen. Der Park ist ganzjährig geöffnet und frei zugänglich.

Umgeben von Wasser

Mölln, das ist wie eine Insel inmitten von 11 Seen. Der Stadtsee und der Schulsee grenzen direkt an die Altstadt und der Elbe-Lübeck-Kanal führt mitten durch das Stadtgebiet. Entlang des Kanals führt der Radfernweg „Alte Salzstraße“. Wer also Mölln erkundet, der kann dies gut mit dem Rad, zu Fuß und teilweise auch mit dem Kanu erleben. Mehr zur Umgebung findet sich in unserem Beitrag „Lauenburgische Seenlandschaft“.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.