Dänemark

Kruså (Krusau)

Krusau, aufgenommen mit der Nikon KeyMission 80 | © weites.land
Krusau, aufgenommen mit der Nikon KeyMission 80 | © weites.land
Der nach den gleichnamigen Grenzfluß benannte Ort Kruså ist sicherlich einer der wichtigsten Grenzübergänge zwischen Dänemark und Deutschland. Gerade einmal sechs Kilometer nördlich von Flensburger Stadtzentrum gelegen pendeln hier die Menschen mit alltäglicher Selbstverständlichkeit zwischen den beiden Ländern und leben ein beispielloses Miteinander.
Krusau | © weites.land

Krusau | © weites.land

Doch Kruså mit seinen etwa 1.600 Einwohnern, oder wie wir Deutschen es sagen, Krusau, leidet auch unter der nahen Grenze nach Deutschland durch die großen Unterschiede des Steuersystems. Die deutsche Nachbargemeinde Harrislee mit ihrem an der Flensburger Förde gelegenen Ortsteil Wassersleben hingegen profitieren wirtschaftlich enorm vom Grenzverkehr.

Von hier aus gibt es regelmäßige und gute Nahverkehrsanbindungen für die Menschen, die beidseits der Grenze arbeiten und leben.

Und doch ist es, dass die innerliche Anspannung, der alltägliche Streß, abfällt, hat man die Grenze erst einmal nach Norden passiert. Breite Straßen in beide Richtungen mit kleinen Alleen führen durch den kleinen Ort, in dem sich die Einwohner irgendwie immer wieder neu erfinden.

Krusau | © weites.land

Krusau | © weites.land

Den Anfang machte der Ort bei seiner Entstehung mit der Errichtung der Wassermühle am Møllesø, dem Mühlensee. So richtig bekannt wurde er aber mit der endgültigen Grenzziehung im Jahr 1920 und entwickelte sich so zu wichtigsten Grenzübergang der Region. Eine Autobahn wie die heutige A 7 gab es ja noch nicht. Kruså wurde beliebter Einkaufsort, mit der Zeit entstanden entlang der Hauptstraße auffallend viele Sex-Shops und Kinos. War er anfangs eng verbunden mit dem kleinen Ort Kupfermühle, wurden die beiden durch die Grenzziehung von einander getrennt. Doch blieben die Auswirkungen überschaubar. Noch heute spürt man in Kupfermühle die starke Zugehörigkeit zu Dänemark.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges versuchte das neutrale Dänemark, die Grenze Krusau zu schützen, in dem man auf einem kurzen Stück Gleis einen mit Holz beladenen Güterwagen so platzierte, dass man bei Bedarf diesen vom Gleis quer auf die Straße platzieren konnte. Leider hat dieses Vorhaben die Dänen nicht vor der Besetzung durch das Deutsche Reich geschützt.

Auch die großartige Rettungsaktion mit den Weissen Bussen ist hier unvergessen. Gedenkstein und Skulptur erinnern im Ort an den schwedischen Vizepräsidenten des Roten Kreuzes Graf Folke Bernadotte. Ebenso selbstverständlich findet sich am Gendarmstien ein Gedenkstein für einen getöteten Grenzgendarm.

Viel ist von alledem nicht mehr geblieben, das alte Hotel ist mittlerweile fast eingewachsen und somit sprichwörtlich in seinen Dornröschenschlaf verfallen, zunehmend stehen die Geschäfte leer, in jüngster Zeit haben von vier Tankstellen drei geschlossen.

Krusau, aufgenommen mit der Nikon KeyMission 80 | © weites.land

Krusau, aufgenommen mit der Nikon KeyMission 80 | © weites.land

Ein kleiner Trödelladen, eine Bingohalle, kleine Betriebe, aber auch seit 2010 die moderne riesige Meierei von Arla sorgen für den bescheidenen Wohlstand des Ortes. Und biegt man rechts und links der Hauptstraße ab, ist man schnell in den wunderschönen und entspannten Wohngebieten und ebenso schnell im Grünen.

Krusau ist ebenso Treffpunkt von Wanderern und Radtouristen, denn hier kreuzen viele Fernwanderwege. Zum einen führt der Gendarmstien quer durch Ort, über einen Zuweg von Kupfermühle aus gibt es gar einen kleinen Fußgängerweg über die Grenze. Aber auch der Europäische Fernwanderweg E1, zum anderen der dänische nationale Fernradweg DK8, die dänisch-deutsche Grenzroute und der dänisch-deutsche Nord-Ostsee-Radweg.

Zunehmend entdecken aber auch Menschen aus Deutschland Krusau durchaus als Wohnort, denn durch das steuerliche Ungleichgewicht sind die Immobilienpreise stark unter denen der deutschen Grenzregion. Da gleichen die hohen Abgaben die Differenz wieder aus.

Wir jedenfalls laufen oder fahren oft mal eben rüber und sind kurzerhand im südlichsten Teil des Landes mit den weltweit glücklichsten Menschen.

 

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