Kirchen auf Gotland

Kirchen auf Gotland | Kirche Tingstäde

Kirche Tingstäde, Kirchen auf Gotland | © weites.land
Kirche Tingstäde, Kirchen auf Gotland | © weites.land

Die Kirche von Tingstäde gehört zu den fast 100 Kirchen auf Gotland und liegt im nördlichen Bereich der Insel. Sie ist als eine der größten Gotteshäuser Gotlands Teil der Kirchengemeinde Stenkyrka. Eine Zeit lang gehörte sie zu den drei Asylkirchen der Insel.

Offensichtlich standen die Gemeinden in einem Wettbewerb um die größte Kirche auf Gotland, denn auch mit der Kirche in Tingstäde brachte man nicht ausschließlich seine Ehrerbietung vor Gott zum Ausdruck sondern auch seinen Wohlstand. Audi und Mercedes gab es eben zu jener Zeit noch nicht. Aber vielleicht heiligt der Zweck die Mittel und so dient seither das Gotteshaus, Menschen einen Raum zur Anbetung und Predigt zu bieten. Und sogar aktiven Schutz vor Übergriffen.

Asylkirche Tingstäde

Denn neben den Gotteshäusern in Atlingbo und Fardhem diente die Kirche Tingstäde auch eine lange Zeit als Asylkirche. Denn nach dem Motto „Wie Du mir, so ich Dir“, gab es auch auf Gotland bei Mord oder versuchten Mord das gelebte Gefühl von Rache. Und die ist alttestamentlich schon mit den bekannten Worten „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ eingegrenzt. Und genau solche Eingrenzung verfolgte man mit dem Ziel der Asylkirchen. Denn die möglichen Racheopfer oder vermeintlichen Täter konnten in diesen drei Kirchen ganz offiziell Zuflucht für 40 Tage finden und so eine möglichst objektive oder aufklärende Ermittlung oder Verhandlung zu ermöglichen. So trug die Kirche ganz offiziell zur Eindämmung der Blutrache bei.

Das Kirchengebäude

Obwohl Tingstäde beachtliche 10 Kilometer von der nächsten Küste entfernt ist, kann man den 55 Meter hohen Kirchturm bereits vom Schiff aus sehen. Und so verwundert es nicht, dass dieses Gotteshaus auch als Seezeichen in den Karten eingetragen wurde. Denn Leuchttürme und Navigationen gab es zur Zeit des Kirchbaus auf Gotland noch nicht.

Der Turm kann sogar bestiegen werden und ermöglicht uns Landeiern einen umgekehrten grandiosen Blick weit über die Insel bis zum Meer.

Das Langhaus entstand bereits um 1120. Um 1200 errichtete man im Inneren Säulen und stütze darauf das neue Gewölbe. Doch muss es hier zu einem teilweisen Einsturz  des Gewölbes, weil eine Säule nachgab. Zu der Zeit gab es auch schon einen gerundeten Altarraum, in der Fachsprache also einen Chor mit seitlicher Apsis. Doch riss man beides ab und ersetzte es gegen einen größeren Chorraum. Das Portal, also der Eingangsbereich blieb beim Abriss und Wiederaufbau wohl stehen oder wurde wieder verwendet. Es dient als Durchgang zur Sakristei.

Auf der linken Seite des Chores befindet sich ein Kruzifix, welches wie ein Baumstamm wirkt. So soll es an den Baum des Lebens erinnern. Dieses Kreuz entstand bereit sim 14. Jahrhundert.

Im 17. Jahrhundert bekam die Kirche Tingstäde die Sitzbänke und Anfang des 18. Jahrhunderts die bis dahin vollendete  Kanzel.

Neben den schönen Kalkmalereien an den Wänden befinden sich großformatige Gemälde mit biblischen Geschichten, die im Jahr 1780 vom Maler Johan Weller angefertigt wurden. Die Motive zeigen die biblischen Geschichten vom 12-jährigen Jesus im Tempel oder die vier Evangelisten.

Jüngstes Inventar der Kirche in Tingstäde dürfte die Orgel sein, sie kam 1995 hinzu und löste seinen Vorgänger ab. In der Kirche befinden sich noch Grabsteine aus dem Jahr 1344.

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