Kirchen auf Gotland

Kirchen auf Gotland | Kirche Östergarn (Östergarn Kyrka)

Kirchen auf Gotland – Kirche (Kyrka) Östergarn | © weites.land
Kirchen auf Gotland – Kirche (Kyrka) Östergarn | © weites.land

Die Kirche (Kyrka) in Östergarn gehört zu den fast 100 Kirchen auf Gotland und liegt nahe Katthammersvik. Hier sind die toten Soldaten des deutschen Marinekreuzers Albatros aus dem zweiten Weltkrieg begraben.

Für manche gehört die Kirche in Östergarn (Östergarn Kyrka) zu den langweiligen Kirchengebäuden der Insel Gotland. Zunächst einmal denken wir, dass es in erster Linie auf den Inhalt ankommt, in zweiter Linie, dass es sich um ein Gotteshaus und nicht um ein Museum handelt und in dritter Linie, dass man bei der Auswahl der vielen Kirchen auf Gotland vielleicht schnell müde wird, sich noch eine anzuschauen.

Letzteres tut ja auch nicht Not, aber dort, wo eine solche Kirche steht, kann sie auch wirken oder aber die Gläubigen in ihr. Denn dafür ist sie eigentlich gemacht.

Und doch, stände sie nicht hier an ihrem Platz im kleinen und fast ausgestorbenen Dorf Östergarn, sie würde auch irgendwie fehlen.

Quadratisch, praktisch, gut, das mag sich der Architekt gedacht haben, als er den Grundriss für das im 13. Jahrhundert geweihte Gotteshaus skizzierte. Und vielleicht wäre Ritter Sport für seine Schokoladenform genau hier inspiriert worden, wenn nicht bereits woanders. Da ist der quadratische Grundruss des Langhauses und auch des Chores. Ein Turm sollte noch westlich angefügt werden, er wäre wohl auch quadratisch geworden, doch kam dieser Gedanke nie zur Ausführung.

Vielleicht wirkt die Kirche Östergarn damit ein wenig gedrungen oder vielleicht auch wie eine aufgepumpte Kapelle. Statt Turm hat sie nun einen ziemlich einzigartigen Dachreiter. In diesem befindet sich das Glockenwerk.

Auch eine Sakristei ist angefügt, aber wie auch bei den meisten anderen Kirchen Gotlands erst später, in diesem Fall im  Jahr 1786.

Gotland hat so einiges an Kriegen und Besetzungen erlebt, vor allem spürbar wurde für diese Kirche der nordische Krieg, in deren Handlungen sie 1565 in Brand gesetzt wurde. Dabei wurden große Teile zerstört: das Gewölbe des Langhauses kam zum Einsturz und das gesamte Inventar verkohlte.

Kaum hatten die Dänen das Sagen, bekam diese Kirche im 17. Jahrhundert einen Taufstein aus Sandstein, natürlich mit dem Relief des dänischen KönigsChristian VI.

Aber Gotland wäre nicht Gotland, wenn es nicht zu einem weiteren Krieg gekommen wäre. Im Großen Nordischen Krieg zwischen 1715 und 1717 kamen russische Soldaten auf die Insel und zerstörten das kleine Gotteshaus. Sie nahmen mit, was sie brauchen konnten und hinterließen eine Ruine.

Nun dachten die Gotländer sicherlich, dass sie ja schon genug Kirchenruinen auf der Insel hätten und bauten sie zwischen 1725 und 1758 wieder auf. Was für eine lange Bauphase. Jedenfalls erinnert heute im Inneren des Chorraumes eine Gedenktafel an diesen Einsatz, für den namentlich Probst Lars Nilsson Neogard zeichnete. So wurde 1737 die Kanzel eingebaut und im Jahr 1744 die Empore.  Ab 1756 konnte wiede Platz genommen werden, denn hier kamen die neuen Kirchenbänke hinzu wie auch der Altaraufsatz mit seinem integrierten Kruzifix.

Die heute sichtbare Orgelfassade stammt aus dem Jahr 1850, das Innenleben, also das Orgelwerk mit seinen fünf Registern, aber aus dem Jahr 1915. 

In den Jahren 1935 und 1978 wurde die Kirche aufwendig nach Bedarf restauriert.

Auf dem Friedhof der Kirche Östergarn liegen 28 deutsche Marinesoldaten aus dem ersten Weltkrieg. Sie starben be einem Gefecht am 02. Juli 1915 vor der nahen Insel Östergardholm, als die russische Marine den deutschen Minenkreuzer Albatros auf Grund setzte. Sinken konnte das Schiff aufgrund der hier geringen Wassertiefe nicht. Der Vorfall war von daher ein besonderer, weil sich der Vorfall in schwedischem und damit neutralen Gewässer abspielte.

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