Gehege

Keine Angst vorm bösen Wolf

Kein anderes Tier steht symbolischer für weites.Land wie der Wolf. Weite, das ist Grenzenlosigkeit, das ist Offenheit, das ist Toleranz und Liebe zu einem Land, zu dessen Menschen, seiner Natur und seinen Tieren. Ganz gleich, ob Gäste, Heimkehrer oder Zuwanderer. Weite im Land, das ist auch Weite im Herzen. Weite ist Neugierde, Entdeckung, Geduld, Offenheit und Liebe.

Und nun kommt er, der Wolf. In unser weites Land. Doch haben wir Platz für ihn? Schaffen wir ihm Platz? Heißen wir ihn willkommen? Oder vertreiben wir, jagen, vernichten ihn?

Der Wolf stand schon in Grimms Märchen symbolisch für unsere Gesellschaft. Und vielleicht steht er heute wieder an gleicher Stelle. Bisher nicht sichtbar, kommt er ungefragt, kennt unsere Regeln nicht. Und sucht die Weite, die Freiheit, die Offenheit und den Respekt. Er will hier leben. Und sein.

Ich bin neugierig auf ihn, doch ich habe Angst um ihn. Vor den Jägern, die sich als die einzig wahre Instanz von Wald und Wiese sehen, die ein Tier lieber erspähen als entdecken, die in Wirklichkeit das Wild lieber selbst schiessen und verkaufen und den Wolf als Konkurenten betrachten; vor den Autofahrern, die nicht bereit sind, in den Dämmerstunden ihre Maximalgeschwindigkeit auf 70 km/h zu drosseln und damit die Gefahr von Wildunfällen drastisch senken könnten.

Für mich wünsche ich mir die Begegnung mit dem Wolf, um ihn zu bestaunen, von ihm zu lernen, mit ihm zu träumen. Für den Wolf wünsche ich mir ein weites Land, ohne Menschen, ohne Straßen, ohne Stacheldraht, ohne fellbesetzte Schuhe und Mantelkragen, ohne Pestizide, in der er einfach das sein darf, was er ist: ein Wolf.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.