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Kein Bulli mehr | Umstieg vom VW T3 Multivan auf den VW T6 California Beach

Einmal umsteigen: vom VW T3 Multivan LLE auf den VW t6 California Beach 4Motion | © weites.land
Einmal umsteigen: vom VW T3 Multivan LLE auf den VW t6 California Beach 4Motion | © weites.land
Wir fahren Bulli – mit Leidenschaft. Einen VW T3, aus der letzten Produktion der Heckantriebe. Starke 70 turbogeladene PS bringen uns voran, der Bulli wiegt gerade einmal 1350 Kilogramm und darf, unvorstellbar, fast eine Tonne zuladen.

Wir fahren sparsam durchs Land, kommen auf einen Verbrauch von 6,5 – 7,5 Litern auf einhundert Kilometer. Aber, es geht auch mit 12 Litern, allerdings niemals mehr, bei diesem nun 25 Jahre alten Gefährt.

Schön geräumig ist er, übersichtlich und wendig. Man sitzt auf der Achse und wendet diesen Kultbus auf kleinstem Raum. Vorne sieht man, wo diese Wohnbox aufhört und hinten hört sie da auf, wo man nichts mehr sieht.

Zugegeben, der alte Bulli ist nie wirklich heil. Aber auch nie wirklich kaputt. Ersatzteile sind preiswert, die Technik simpel, nur einen Diagnosestecker hat er nicht. Für moderne Werkstätten ist das zum Verzweifeln. Für echte Handwerker eine Freude.

Freundlich wirkt der Bulli, man winkt sich mit den anderen T3- Fahrern zu und wird unterwegs angesprochen. Manchmal winken auch andere Menschen zu oder wollen ihn kaufen.

Mit dem VW T3 Multivan LLE auf der südlichsten dänische Nordseeinsel Rømø (Röm) – Dänemark entdecken | © weites.land

Mit dem VW T3 Multivan LLE auf der südlichsten dänische Nordseeinsel Rømø (Röm) – Dänemark entdecken | © weites.land

Er besitzt fast alle Extras, die es damals gab, vor 25 Jahren. Und damit hat er eine echte Luxusausstattung. Zentralverriegelung, ein Radio mit einstellbarer geschwindigkeitsabhängige Lautstärkeregelung, einen beleuchteten Make Up Spiegel auf der Beifahrerseite, getönte Scheiben und Schiebefenster auf beiden Seiten. Vorhänge zum Einknöpfen und eine Schlafmatratze für das Heck. Getränkedosenhalter an allen Plätzen. Und einen einfach auszuklappenden Tisch. Dazu die berühmten Karat-Stylingelemente, elektrische Außenspiegel,  Alufelgen und 205er Breitreifen.

Nun überlegen wir, einen VW T6 Multivan anzuschaffen, doch macht es VW uns nicht gerade leicht, sich auf ein neues Gefährt zu freuen. Eines wird der T6 nicht mehr sein: ein echter Bulli.

Zwar kann man sich für knapp 90 Euro „BULLI“ verchromt auf die Vorderseiten schreiben lassen, aber früher hat man diese Bezeichnung ganz kostenfrei mit leuchtenden Augen im Herzen gehabt. Für mich persönlich gibt es nur wenige wirklichen Gründe, auf einen neuen VW Bus umzusteigen: der für unsere Touren notwendige Allrad, ein größerer Tank und eine deutlich verbesserte Abgasreinigung.  Einen T3 Multivan Syncro zu bekommen ist schier unmöglich. Doch einen T 6 in der uns passenden Ausstattung ordern zu können, scheint genauso unwahrscheinlich.

Was wir haben möchten:

  • Standheizung Luft für den Innenraum
    Standheizung Wasser für den Motor 
  • mechanische Differenzialsperre
  • H7 Doppelscheinwerfer statt H4 Scheinwerfer
  • Nebelscheinwerfer
  • Anhängerkupplung

Nun geht es los. Der kleinste Motor, der mit Allrad erhältlich ist, hat 150 PS. Dabei würden wir mit dem 102 PS Motor wunderbar zurecht kommen, der ja auch im Programm ist.

Bei den Standheizungen muss man sich entscheiden, nur eine geht. Dabei ist das technisch machbar. Und sogar lieferbar, wenn man den Multivan Business zum Einstiegspres von über 90.000 EUR wählt.

Möchte man die Differenzialsperre haben, geht das nur mit der Multifunktionsanzeige Plus inklusive Müdigkeitserkennung. Ganz ehrlich, wer bin ich, dass ich nicht selbst merke, wann ich müde werde. Das riecht sehr nach Datensammelei über meine Fahrweise. Vor allem, was hat das eine technisch mit dem anderen zu tun? 

Um eine vernünftige Beleuchtung im Multivan zu bekommen, muss man schon die fast 10.000 EUR teurere Comfortline wählen, dann ist das H7 Licht dabei. Ich möchte aber keine Komfortline, sie hat zu viel Kram, den ich einfach nicht möchte. Also, nach der Lieferung in die Werkstatt, die vorhandenen Funzeln ausbauen, wegwerfen, neue, als Ersatzteil bestellte richtige Lampen einbauen und unsägliche 850 EUR Kundendienstkosten bezahlen. Ein sicheres Auto fängt mit guter Beleuchtung an. Natürlich kann man auch für 1600 EUR das tolle LED-Licht bestellen. Ich mag es aber einfach nicht und ich will es nicht. H7 Licht ist ja bei VW vorhanden, aber bestellen darf man es in der Grundausstattung nicht.

Eine Möglichkeit gibt aber dann doch noch, ab Werk an das gute H 7 – Licht zu kommen. Man bestellt sich einfach den Multivan mit Aufstelldach. Da findet es sich in der Preisliste. Aber nur, wenn dann auch bitte schön die Türgriffe nicht mehr schwarz, sondern durchlackiert sind und man das ach so tolle Kurvenlicht mit nimmt.

Ganz ehrlich, was hat die Farbe der Türgriffe mit sicherem Fahrlicht zu tun? Es ist schon traurig, dass man keine Wahl zu den durchlackierten Stoßfängern hat, außer, man baut sie ab und lässt sich über die Autowerkstatt unlackierte Stoßfänger montieren, gegen entsprechende Kosten natürlich.

Dabei gibt es Menschen, die den VW Bus  nicht nur für den Weg von zuhause zum Büro nutzen, sondern vielemehr wie in alten Zeiten von T1 bis T 3 für travel around the world. Und ob da ein Schikimicki wie durchlackierte Stoßfänger angebracht sind, kann man sich schnell selbst beantworten.

Kommen wir noch einmal auf das Kurvenlicht, was ja in Wirklichkeit gar keines ist. Es ist lediglich das nervige Hin- und Herschalten der Nebellampen in Abhängigkeit des Lenkeinschlages. Mir persönlich wäre das peinlich. Wenn ich zu wenig sehe, schalte ich eben die Nebellampen an. Aber ich weiß auch aus der Erfahrung heraus, dass diese mehr optischen als nützlichen Charakter haben. Jedem das Seine, aber ich möchte auch hier selbst entscheiden, will ich diesen Spielkram oder reichen mir Nebellampen ohne Kurvenlicht. Und vor allem will ich überhaupt Nebellampen. VW fragt gar nicht, sondern zwingt jeden, der im California eben das H7 Licht haben möchte. Also gut, ist das Fahrzeug ausgeliefert, gehts erst einmal in die Werkstatt, um diese Spielerei zu deaktivieren.

Entscheiden wir uns für den California Beach, der nichts anderes ist als ein Multivan mit Aufstelldach, dann hätten wir es oben gerne schön hell und luftig, ganz in der Tradition der alten VW-Camper. Aber auch da haben wir die Rechnung ohne VW gemacht. So hat das Aufstelldach serienmäßig kein Bugfenster, nur noch gegen Aufpreis von knapp 300 Euro. Da ärgert man sich über diese Art von Geldmacherei und würde es sogar dazubestellen, aber hat wieder nicht mit der Raffinesse von VW gerechnet. Denn der Aufpreis von 300 EUR ist nicht für das zusätzliche Bugfenster, sondern lediglich für einen andersfarbigen Zeltstoff. Wer also ein Bugfenster haben möchte, bestelle bitte dann auch ein elektrich zu betätigendes Aufstelldach.  Dabei ist das manuelle viel schneller aufzustellen und einzuklappen. Und nein, wir als Camper wollen einfach keinen neureichen Kram wie ein solches unnötiges Zubehör. Nein, ich würde ein elektrisches Aufstelldach auch nicht geschenkt haben wollen, ich kriegs noch alleine hoch. Was bleibt, die Plane in einer Werkstatt des Vertrauens als Ersatzteil zu bestellen und teuer austauschen zu lassen. Dabei könnte Volkswagen ohne Mehraufwand und gar ohne Mehrkosten das Bugfenster sowohl für die manuelle wie für die elektrische Version liefern.

Volkswagen will auf Gedeih und Verderb Umsatz machen ohne Rücksicht auf die individuellen Kundenwünsche. Es wirkt, als wenn die Verantwortlichen bei VW kein Gespür mehr für die Philosophie „Bulli“ spüren, dass sie diesen Transporter nicht mit der Liebe entwickeln und bauen wie einst Carl Nachbar. Er war in den Bulli verliebt und das konnte man als Kunde spüren. Heute geht es nur noch um die Maximierung des Gewinnes und schon deswegen ist VW gar nicht mehr in der Lage, einen Bulli zu bauen.

Daher tun wir uns mit der Frage so schwer, ob wir zukünftig weiter Bulli fahren oder auf einen VW Bus umsteigen.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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