Dänemark

Insel Rømø (Röm) – Dänemark entdecken

Mit dem VW T3 Multivan LLE auf der südlichsten dänische Nordseeinsel Rømø (Röm) – Dänemark entdecken | © weites.land
Mit dem VW T3 Multivan LLE auf der südlichsten dänische Nordseeinsel Rømø (Röm) – Dänemark entdecken | © weites.land
Wer in der deutsch-dänischen Grenzregion lebt, dem ist Rømø bekannt. Natürlich schreibt man Rømø auf Deutsch nicht „Römm“, sondern Röm. Gesprochen wird es allerdings wie mit einem doppelten m. Wahrscheinlich sind die riesigen Sandstrände schuld, weil sie von den Autofahrern mit ihrem liebsten Spielzeug benutzt werden dürfen. Und das ganz kostenfrei. Die Autoindustrie freut das ganz besonders, denn größeren nachhaltigen Schaden kann man seinem Vehikel kaum zumuten. Ebenso die Lungenärzte, denn es ist schon Sünde, bei so guter Nordseeluft seine Nase auf der Höhe unzähliger Auspuffrohren für ein Sonnenbad  herzugeben. Aber Rømø hat viel mehr zu bieten als nur einen Platz an der Sonne im Schatten seines heiligen Blechs.

Rømø oder eben auch Röm liegt gerade einmal drei Kilometer und damit in Sichtweite nördlich von der deutschen Nordseeinsel Sylt. Und so gibt es gar eine regelmäßige Fährverbindung zwischen beiden Inseln. Doch Rømø wird von den meisten über den 9,2 Kilometer langen Rømødæmningen (Römdamm) erreicht, welcher zwischen 1939 und 1948 errichtet wurde. An anderer Stelle werden wir die Geschichte des Dammes noch beschreiben.

Kommt man über den Damm nach Rømø, so biegt man als Sylturlauber links zum Fährhafen ab. Die meisten Sonnenhungrigen werden aber gerade aus zum Strandparken fahren, mitten durch ein riesiges Heidegebiet mit zahlreichen kleinen Parkbuchten und Wanderwegen durch die weitläufige Dünenlandschaft. Insgesamt befinden sich in der Mitte des Insel etwa 25km2 großer Dünenstreifen. Vor allem zwischen August und September wird ein Besuch unvergesslich, wenn die Heide so umfangreich blüht. In gleicher Größe liegen vor den Dünen zur offenen See hin die Strandwiesen.

Im Durchschnitt kommen täglich eta 3000 Autos auf die Insel, allerdings wird das im Sommer deutlich anders aussehen als in der winterlichen Nebensaison. Dann kommen vor allem Wanderer hierher, um die recht karge, süddänische Natur mit ihrer Stille und Entspanntheit zu genießen. Denn etwa 60 Prozent der Insel bestehen aus bewaldeten oder mit Heide oder Wiesen bewachsenen Flächen. Dagegen sind 40 Prozent mit Sand bedeckt. 

Wie groß die Insel genau ist, kann niemand so recht sagen, nicht in jedem Fall kann man deutlich zwischen Meer und Insel unterscheiden. So wird ihre Größe mit etwa 120 bis 140 km2 geschätzt. Aber wofür ist das schon wichtig.

Doch Rømø wächst und wächst. Wenn die jährlichen Winterstürme  an Sylt nagen und dort den Sand wegnehmen, transportieren sie ihn fast zeitgleich zu ihrer nördlichen Nachbarin, nach Rømø.

Wer auf Rømø neben dem Kilometer breiten und ewig langen Strand  oder dem Fährableger nach Sylt noch mehr entdecken möchte, dem bieten sich noch einige weitere Besonderheiten der Insel an.

Da wäre der Kommandørgården, heute eine Außenstelle des dänischen Nationalmuseums. Der 1749 erbaute Kommandeurhof gehörte einst dem Kapitän (Kommandeur) eines Walfangbootes oder Handelschiffes und galt als Erbhof von gut betuchten Leuten. Man muss sich vorstellen, dass solche Schiffsbesatzungen oft Wochen oder Monate zum Teil auf dem durchaus gefährlichen Nordatlantik unterwegs waren und zumindest als Schiffsführer dafür an der Fracht oder am Fang beteiligt waren. Allerdings blieben auch genug Schiffe auf See. Der Ursprung des Kommandørgåraden geht bis auf das Jahr 1600 zurück. Doch das heute sichtbare Gebäude ersetzte 1749 den Vorgänger.

Da nun der Haupterwerb auf der See lag, spielte die Landwirtschaft kaum eine Rolle. Das änderte sich erst mit den Napoleon-Feldzügen zwischen 1801 und 1814. Auf einmal verlor die Seefahrt ihre Bedeutung und die Hofbesitzer waren gezwungen, von nun an auch ihre Ländereien zu bestellen. Doch auch die Landwirtschaft brachte nicht den dauernden Erfolg, sodass sie im Laufe des 20. Jahrhunderts nieder ging. Im Jahr 1998 hat man das Gutshaus aufwendig und liebevoll innen wie außen restauriert, um es der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 

Heute ist es eine Art kleines Freilichtmuseum, es erzählt vom Leben und von der Einrichtungsgestaltung der Besitzer. In der Scheune kann man das riesige Skelett eines Pottwals. Dieser Wal strandete 1996 auf dieser Insel und soll die Geschichte zwischen diesem Hof und dem brutalen und erträglichen Walfang symbolisieren.

Unweit des Kommandørgården liegt die Toftum Skole, sie gehört heute zur Außenstelle des dänischen Nationalmuseums Kommandørgården und ist zugleich die älteste und die kleinste Schule von Dänemark. Das Schlgebäude entstand 1784 und hat lediglich ein Klassenzimmer. Lediglich verfügte es noch um einen Vorraum und einen kleinen Heizraum, in dem Torf als Brennmaterial eingesetzt wurde. Bis zu 40 Schüler haben diese Schule in einem Jahr besucht.

Dass es hier eine Schule geben würde, war der Entschlossenheit und auch dem Wohlstand der Gemeinden Toftum und Juvre gedankt. Denn im gleichen Jahr, in dem die Bürger den Entschluss fassten, eine Schule zu errichten, wurde sie auch schon eröffnet. Der erste Lehrer war selbst Kapitän und somit Hofeigner, er unterrichtete 36 Jahre lang an diesem Ort.

Die Eltern mussten den Lehrer bezahlen und verpflegen, den ersten Lehrer brauchten sie aber nich noch mit Lebensmitteln versorgen, da dieser eben selbst einen Hof betrieb. Zudem mussten die Jungen für Heizmaterial sorgen, die Mädchen kümmerten sich derweil um die Sauberkeit im Schulhaus.

Das Schulgeld richtete sich nach dem Alter der Kinder und nach der Anzahl der Unterrichtsstunden. So gab es eine Abgabe für ein Viertel Kind, ein halbes Kind oder ein ganzes Kind.

Insgesamt diente das kleine reetgedeckte Gebäude ganze 90 Jahre lang dem Schulunterricht. Danach gingen die Kinder ab 1874 auf die neue und größere Schule. 

Um über die natürlichen Vorkommnisse und dem kulturellen Leben der Insel zu erfahren, lohnt sich ein Besuch im Naturcenter Tønnisgård. Auch hier spielen Wale eine Rolle. So ist eine vier Meter lange Barte eines Bartenwales zu finden, zu denen beispielsweise auch der Blauwal als größtes Lebewesen der Welt zählt. Solche Tiere werden größer als sechs Meter. Von einem gestrandeten Pottwal werden einige Knochen gezeigt, außerdem gibt es hier präparierte Robben und Vögel zu entdecken. Neidisch werden sicherlich an dieser Stelle die Bernsteinsammler, denn hier liegt ein Klumpen mit einem stolzen Gewicht von 2200 Gramm. Das Naturcenter ist ganzjährig geöffnet.

Noch mehr Nachlässe von Walen gibt es im Ort Juvre mit seinem Walknochenzaun, übrigens dem einzigen erhaltenen an der dänischen und nordfriesischen Nordsee. Er entstand im Jahr 1772 und steht seit 1977 unter Denkmalschutz. In Kongsmark gibt es dann noch den Schädelknochen eines Wales zu bestaunen, der steht ebenfalls draußen.

Auf der südlichsten dänische Nordseeinsel Rømø (Röm) – Dänemark entdecken | © weites.land

Auf der südlichsten dänische Nordseeinsel Rømø (Röm) – Dänemark entdecken | © weites.land

Die einzige Insel auf der Kirche ist die Rømø Kirke. Ach, wenn sie doch mehr Gotteshaus als Fotomotiv wäre. Denn die um 1200 entstandene Kirche ist typisch dänisch weiß und schön. Sie wurde im 17. und 18. Jahrhundert mit dem einhergehenden Wohlstand durch die Seefahrt erweitert. Im Inneren hängen einige Votivschiffe, die dankbare Seefahrer für ihre gesunde Heimkehr spendeten. Diesen Brauch findet man entlang der gesamten Nordseeküste und ihrer Inseln.

Die Rømø Kirke ist umgeben von einer weißen Steinmauer mit Eingangstor und einem Friedhof, auf dem man alte Grabsteine, sogenannte Kommandeursteine, ehemaliger Kapitäne findet.

Mit dem VW T3 Multivan LLE auf der südlichsten dänische Nordseeinsel Rømø (Röm) – Dänemark entdecken | © weites.land

Mit unserem VW T3 Multivan LLE auf der südlichsten dänische Nordseeinsel Rømø (Röm) – Dänemark entdecken | © weites.land

Mit dem südlichen Havsand und dem nördlichen Juvre liegen auf der Insel Rømø die größten Sandstrände Europas. Im Sommer bilden sie Europas größten Parkplatz, denn ein Fahrzeug wechselt sich mit dem nächsten ab. Deutsche Touristiker hätten schon längst eine Schranke und ein Kassenhäuschen aufgestellt, aber hier, in Dänemark wird einem der freie Zugang noch gegönnt. Entsprechend voll ist es dann in der Tat, tausende Autos stehen dann an dem bis zu vier Kilometer breiten Strand.  Also tief Luft holen beim Sonnenbad. Und eh falsche Ideen aufkommen, das Campen ist ausdrücklich außerhalb des Campingplatzes untersagt und das Verbot wird durchgedrückt.

Die Geschichte der Insel

Die Geschiche von Rømø geht bis in das Jahr 1190 zurück. Zu dieser Zeit schreibt sich die Insel noch „Rimme“ und steht unter Besitz des Sankt-Knud-Kloster in Odensee. Doch im Jahr 1229 gehört es zum Besitz des Königs. Das zumindest geht aus dem Steuererfassungsbuch, auch Erdbuch genannt, hervor, in dem alle Besitztümer des Königs aufgeführt sind.

Doch am 1290 übernimmt das Kloster Ribe diese Insel, bis es zwischen 1544 und 1864 als Südteil eine dänische Enklave des Königs bildet, der nördliche Teil geht allerdings unter die Verwaltung des Herzogs von Schleswig.

Im 16. Jahrhundert wird durch seine Lage die Insel Rømø Hochseehafen für die benachbarte Stadt am festland, Ribe. In Ribe selbst gibt es kaum noch genug Tiefe, sodass kleinere Fähren die Waren pendeln müssen. Doch während des dreißigjährigen Krieges zwischen 1618 und 1648 besetzen die kaiserlichen Truppen die Insel und bringen somit die Seefahrt faktisch zum Stillstand. Sie bringen Not und elend auch auf diese kleine Insel.

Nicht genug kommt es zwischen dem 11. und 12, Oktober 1634 zu einer schweren Sturmflut an der Nordseeküste, die auch über Rømø einfällt. Diese Katastrophe wird als Burchardiflut in die Geschichte eingehen und zerstört die gesamte Nordseeküste zwischen Brunsbüttel und Ribe. Durch die Armut infolge des Krieges werden die Deiche nicht mehr erhalten, sodass sie selbst in den Jahren zuvor während des Sommers brechen. Nur notdürftig repariert können sie dieser großen Flut nicht widerstehen.

Endlich geht es im 17. und 18. Jahrhundert wieder aufwärts, 40 Kapitäne bringen durch den erfolgreichen Walfang Wohlstand auf die geplagte Insel. Nachdem die zwischen 15 und 18 Meter langen und über 50 Tonnen schweren Glattwale durch die erfolgreiche Jagd fast ausgerottet sind, stoppt diese Entwicklung. Die Menschen widmen sich nun vermehrt der normalen Fischerei um Island herum. Auch die durch Napoleon verhängte Wirtschaftsblockade, die sogenannte Kontinentalsperre, leistet ihr übriges .

Mit dem für die Dänen verlorenen Deutsch-dänischen Krieg 1864 geht die Insel an Schleswig-Holstein, die Menschen auf der Insel wandern zunehmend ab. Bis zum neuen Grenzverlauf im Jahr 1920 verlässt fast jeder zweite Bewohner Rømø, es bleiben nur noch 540 Insulaner. Diese Zahl ist bis heute fast konstant geblieben. Ab 1920 setzt unter der dänischen Krone  wieder Wohlstand ein, die Deiche werden ausgebaut.

Während des Zweiten Weltkrieges halten die Soldaten von Nazi-Deutschland Dänemark besetzt und somit auch die Insel Rømø. Mit dem Radargerät „Seeelefant“ wird von hier aus die gesamte Deutsche Bucht überwacht. Umfangreiche Bunkeranlagen entstehen inmitten der Dünenlandschaft. (Dass Herr Dobrindt und seine Egomanen der CSU sich nicht schämen, mit dem Satz „Ausländer sollen zahlen“ die Maut für deutsche Straßen zu argumentieren beim heutigen Anblick dieser in ganz Dänemark verteilten Betonpest).  Heute kann man bei Führungen Teile der Bunkeranlagen besichtigen.

Zu einer schweren Sturmflut durch einen der heftigsten Orkane des 20. Jahrhunderts kommt es am 03. Januar 1976. Der Capella-Orkan zieht über Mitteleuropa und richtet schwere Schäden auch an der Nordseeküste an. Vor der niederländischen Küste sinkt das Motorschiff „Capella“ und reisst 11 Besatzungsmitglieder in den Tod. Dieses Schiff wird zum Symbol und Namensgeber dieses Orkanes. Diese Sturmflut wütet schwerer als die zerstörerische Flut von 1992. Doch insgesamt ist man wesentlich besser gewappnet. Auf der Nachbarinsel Sylt entsteht bei Hörum ein Dünendurchbruch. Auf Rømø selbst wird der Juvredeich zerstört, im Hafen von Havneby vernichtet der Sturm fünf Krabbenkutter und beschädigt weitere vier schwer.

Ein weiterer heftiger Sturm ereignet sich am 03. Dezember 1999, als Orkan Anatol über Südschweden und Dänemark hinwegfegt und zum schwersten Orkan Dänemarks im 20. Jahrhundert wird. Die von ihm verursachte Sturmflut überflutet nahezu die gesamte Insel Rømø. So wird auch der Damm zwischen Festland und Insel nach den Sturmfluten 1976 und 1981 nun zum dritten mal überflutet und schwer beschädigt.

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