Stadt

Husum: Die graue Stadt am Meer

Tine in Husum
Tine in Husum | © weites.land

Die graue Stadt am Meer ist gefühlt eine ziemlich bunte Kreisstadt. Täglich kommen viele Touristen aus der nahen Umgebung und von fern. Verwundert wurde ich des Öfteren von ihnen gefragt, wo denn das Meer sei. Je nach Stand der Gezeiten antworte ich dann gerne, dass es in zwei oder drei Stunden zurückkommt. Dann ist auch das Hafenbecken wieder vollgelaufen und das Restaurantschiff auf einer Ebene mit dem Kai.

Der brühmteste Sohn der Stadt, das ist ohne Zweifel Theodor Storm. In seinem Gedicht „Die Stadt“ bezeichnet er Husum als die „Graue Stadt am Meer“. Dabei sind die Häuser farbig und das Treiben ziemlich bunt. Mit etwa 23.000 Einwohnern bildet Husum das Zentrum Nordfrieslands.

Die Stadt ist überschaubar groß und so bietet es sich an, all die Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erleben. Übrsichtlich weisen Hinweisschilder den Weg zum nächsten Highlight, einer dieser Höhepunkte ist aber auch eine Stadtrundfahrt in einem historischen Postbus. Zu Fuß hat es seinen besonderen Reiz, sich in den Abendstunden dem traditionell wandelnden Nachtwächter anzuschließen und sich von ihm führen zu lassen.

Husum Marienkirche

Husum Marienkirche | © weites.land

Kommt man in die Innenstadt, so orientiert man sich am ehesten am Marktplatz. In der Mitte steht der Tine-Brunnen vor der schlichten und schönen Marienkirche. Jedes Jahr werden hier Konzerte des Schleswig-Holstein Musik Festivals aufgeführt und regelmäßig Gottesdienste in Plattdeutsch gehalten. Donnerstags trifft man sich auf dem Platz beim größten Wochenmarkt der Region. Man kennt sich, auch unter den Marktbetreibern und spricht gerne plattdeutsch. Gleich am Marktplatz steht das historische Rathaus, in diesem befindet sich heute die Touristinformation.

Theodor Storm
Theodor Storm Denkmal in Husum

Theodor Storm Denkmal in Husum | © weites.land

Ganz in der Nähe gibt es den auffälligsten Hinweis auf Theodor Storm – denn hier steht das Geburtshaus, in dem er im Jahr 1817 zur Welt kam. Im Jahr 1888 verstarb er. Doch bis dahin hat er bis heute berühmte Novellen verfasst wie den „Schimmelreiter“, „Immensee“ oder „Pole Poppenspäler“. Eine Gedenktafel wurde ihm zu Ehren aufgestellt und erinnert an einen der bedeutensten deutschen Lyriker. Insgesamt verfasste er 58 Novellen. Ganz in der Nähe des Hafens, in der Wasserreihe Nr. 31, befindet sich das Stormmuseum. In diesem Kaufmannshaus aus dem 18. Jahrhundert lebte Storm von 1866 bis zum Jahr 1880. Hier kann man u.a. noch das original erhaltene Wohnzimmer und sein Poetenstübchen entdecken.

Poppenspäler

Ohne TitelTheodor Storm kennen Sie ja bereits. Und vielleicht auch seine Novelle „Pole Poppenspäler“. Darin geht es um das fahrende Volk der Figurenspieler, die zu Zeiten Theodor Storms ausgegrenzt waren. Sie durften zwar die Bevölkerung belustigen, mussten aber vor den Toren der Stadt hausen. Heute ist „Pole der Poppenspäler“ Namensgeber für eine ganz klassische Form des Theaters, des Figurentheaters. 

So ist im Husumer Schloss das „Poppenspäler Museum“ zu Hause. Hier finden sich seltene Stücke der Puppenbaukunst. Es gibt Theateraufführungen  und das alljährlich stattfindende „Internationale Figurentheater Festival“. Dieses Festival gehört zu den größten seiner Art in Europa. Kinder wie Erwachsene sind begeistert, wenn von allen Teilen der Erde die Puppenspieler ihre Aufführungen präsentieren. Das Festival ist auch als die „Pole Poppenspäler Tage“ bekannt. 

Weihnachtshaus

Weihnachten ist in Husum das ganze Jahr. Zumindest im Weihnachtshaus. Auf drei Etagen haben die Menschen hier nichts anderes als Weihnachten im Sinn, auch im Sommer. Viele Exponate erzählen über die regionale Geschichte der Weihnachtszeit.

Dachcafé

Einen romantischen Blick auf die Stadt hat man im Dachcafé des Modegeschäftes C.J. Schmidt. Neben leckeren Torten in einem ruhigen und entspannten Ambiente kann man bei einer Tasse Kaffee auf die Hafenmeile schauen und die klassische Kaffeehausatmosphäre genießen. Auch die Cafés und Restaurants rund um den Hafen bieten in schöner Umgebung typisch friesischen Lebensstil bei frischer Luft. Mit den einheimischen Stammgästen kommt man recht schnell ins Gespräch. In ihrer friesischen Art sind sie ein wenig trocken, aber aufgeschlossen und sehr hilfsbereit.

Husumer Schloss
Husumer Schloss

Husumer Schloss | © weites.land

Husum hat ein Schloss und das muss man sich anschauen. Am besten gleich im Frühjahr, wenn im Schlosspark vier Millionen Krokusse aus dem Boden schießen und für wenige Tage das Gras in ein violettes Blütenmeer verwandeln. Dann steigt das traditionelle Krokusblütenfest und die ganze Stadt ist auf den Beinen.

Aber auch sonst macht es Freude, hierher zu kommen. Das Schloss selbst entstand zwischen den Jahren 1577 und 1582 als Nebenresidenz des Herzogs Adolf von Gottorf. Es ähnelt sehr der niederländischen Renaissance, durch die Seefahrt bestand eine enge Verbindung zu den Niederlanden und auf ihre Baukunst legte man in ganz Schleswig-Holstein hohen Wert. Die Einrichtung ist sehr zurückhaltend und wenig pompös. Aus der Zeit sind sieben Kamine erhalten geblieben, die im Stil der Renaissance ziemlich einmalig in Norddeutschland sind.

Vor der Kulisse des Schlosses finden alljährlich echte kulturelle Höhepunkte ihren Raum, hochkarätige Musiker kommen gerne hierher, wenn zum Beispiel die „Jungen Meister“ oder die „Raritäten der Klaviermusik“ gespielt werden. Natürlich darf auch Theodor Storm nicht fehlen und so findet jedes Jahr im Rahmen des Internationalen Figurentheater Festivals die Novelle „Pole Poppenspäler“ ihren Platz.

Schlosscafé
Schlosscafé Husum

Schlosscafé Husum | © weites.land

Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch des Schlosscafés. In den Gewölben aus dem 17. Jahrhundert können Sie feinste Kuchen und leckere Getränke in einem stillen Ambiente genießen. Die Servicekräfte werden sich nach allen Regeln der Kunst um Sie kümmern, ohne mit Ihnen zu sprechen. Sie geben Ihre Bestellung mit Tischkarten auf und bezahlen anschließend an der Kasse. Denn die Menschen, die Sie hier bedienen, können nur wenig oder gar nicht hören, dafür aber fühlen, was ihren Gästen wichtig ist. Man spürt eine ganz besondere Atmosphäre in diesem rührenden Projekt der Diakonie. Wenn Sie einmal hier waren, werden Sie wiederkommen.

Wasserturm
Wasserturm Husum

Wasserturm Husum | © weites.land

Wenn sie schon im Schlosspark verweilen, dann ist der Wasserturm nicht weit. Der eigentliche Sinn lag in der Trinkwasserversorgung der Stadt. Denn, um Druck auf die Wasserleitungen zu den Häusern zu erzeugen, muss der Wasserspeicher höher liegen als der Wasseraustritt. So hat man früher, als es noch keine Pumpen gab, Türme errichtet. Heute ist die Zeit an ihm vorübergegangen, doch zum Abriss ist das Juwel viel zu schade. So dient es als Geschäftshaus und als Aussichtspunkt. Genießen Sie von hier einen traumhaften Blick über die Stadt, aber auch über die Nordsee mit ihren Halligen. Ein Besuch ist täglich zwischen 09.00 und 18.00 Uhr möglich.

Ostenfelder Bauernhaus

Nahe dem Schlosspark in Husum befindet sich in der Nordhusumer Straße ein niederdeutsches Fachhallenhaus aus dem Kirchspiel Ostenfeld. Das Ostenfelder Bauernhaus wurde bereits im Jahr 1899 nach Husum gebracht und begründete so das älteste Freilichtmuseum Deutschlands. Hier entdeckt man auf originelle Weise die Lebensart wohlhabender Bauern des 17. und 18. Jahrhhunderts in Nordfriesland.

Schifffahrtsmuseum
Schifffahrtsmuseum Husum

Schifffahrtsmuseum Husum

Gleich an der Hafenspitze nahe der Innenstadt liegt das Schifffahrtsmuseum Nordfriesland. Eine besondere Attraktion ist das Wrack, bekannt als Zuckerschiff. Dabei handelt es sich um ein über 400 Jahre altes Schiffswrack, welches in einem Stück aus dem Schlick geborgen wurde. Um es zu erhalten, erinnerte man sich an ein altes Konservierungsmittel: Zucker. In einem einzigartigen Konservierungsprojekt wurde das Schiff mit sage und schreibe 100.000 Kilogramm Zucker konserviert. Aber auch sonst hat das kleine Museum einiges zu bieten, es erzählt von der Marine- und Handelsschulschifffahrt und vom Walfang.

Nordseemuseum

Im ehemaligen Nissenhaus, ganz in der Nähe des Schifffahrtmuseums Husum, erfährt man die spannende Vielfalt der Nordsee. Die Ausstellung erzählt vom Deichbau und Küstenschutzmaßnahmen, von Landgewinnung und dem Leben mit Ebbe und Flut.

Man erfährt Interessantes über das frühere und heutige Leben, die Haubarge und die Artenvielfalt von Flora und Fauna. Kreative Darstellungsformen und Audiostationen, Malereien und Skulpturen von nordfriesischen Künstlern machen einen Besuch der Ausstellung zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Husumer Hafen
Kutter im Husumer Hafen

Kutter im Husumer Hafen | © weites.land

Hat man die schöne Stadt besichtigt und ist neugierig auf die berühmten Husumer Krabben, dann zieht es einen hinaus zum Hafen. Der liegt wenige Meter vor der Stadt, man muss einfach nur dem Hafenbecken folgen und die Unterführung der Klappbrücke nehmen, schon ist man am Ziel. Hier löschen die Krabbenkutter ihren frischen Fang und ein gutes Fischlokal gegenüber bietet Fisch in allen Varianten zu bezahlbaren Preisen an.

Von hier aus sind die Krabbenfanggebiete gut zu erreichen. Jedes Jahr finden im Oktober die Husumer Krabbentage statt. Alles dreht sich um dieses kleine schmackhafte Tierchen und so gibt es zu den begehrten Fischbrötchen auch das längste Krabbenbrötchen der Welt. Wenn im Sommer die Husumer Hafentage locken, dann lädt die Stadt mit maritimen Programm, Kutterkorso und Live-Bands ein. Fünf Tage dauert die Party und lockt einige Hunderttausend Menschen an. Auch kann es zu einem Tauziehen zwischen zwei Gruppen kommen.

Dabei wird das Tau über das Hafenbecken gespannt. Wenn das keine Motivation ist, der Stärkere zu sein…. Früher lag Husum übrigens nicht direkt an der Nordsee. Die schweren Sturmfluten im 15. und 17. Jahrhundert ließen große Teile des Landes im Meer versinken und so entstand der direkte Zugang zum Meer. Wattwanderer finden immer wieder Zeugnisse aus der versunkenen Zeit. Vom Husumer Hafen gibt es Schiffsverbindungen zu den Halligen und zu Deutschlands einziger Hochseeinsel, Helgoland.

Dockkoog

Vom Hafen laufen wir  an den Krabbenkuttern vorbei und dann über den Deich. Die Schafe meckern ganz freundlich, ganz im Sinne der Nordfriesen. Bei Ebbe bekommt man schon einen Vorgeschmack auf das Watt und bei Flut fahren hier die Schiffe ein und aus. Irgendwann erreicht man den Dockkoog und mit ihm einen grünen Badestrand, der kostenfrei genutzt werden kann. Für die Wattwanderer und Badenden stehen Duschen zur Verfügung. Romantisch wird es an lauen Sommerabenden am Deich. Ein kleines Picknick und eine Flache Rotwein und die Muße, den Tag mit dem Sonnenuntergang zu verabschieden. Nirgendwo anders in Deutschland als an der Nordseeküste kann man die letzte Sekunde eines Sonnenunterganges so genießen, denn hier geht sie wirklich am Horizont unter, ohne dass Bäume, Häuser, Berge oder was auch immer im Wege wären.

Vorsicht, Watt!

Vorne an der Mündung zur Hafeneinfahrt ist das Baden verboten. Und ganz egal, ob es andere trotzdem tun, halten Sie sich mit Ihren Kindern und Ihrem Hund an dieses Verbot. Die Strömung ist gigantisch und selbst ich als guter Schwimmer komme kaum dagegen an. Kinder werden schnell in die Fahrrinne gezogen. Es besteht Lebensgefahr.

Das Watt ist faszinierend, ist Ebbe, dann ist kein Meer in Sicht, kommt die Flut, ist kein Land in Sicht. Pech, wenn man dann Watt statt Gras unter den Füßen hat, das Wasser kommt rasend schnell und Besagtes steht einem dann wirklich bis zum Hals.

Bei Ebbe bitte nicht (!) hinausschwimmen. Bei Ebbe fließt das Meer weg und wer sich im Meer befindet, wird gnadenlos rausgezogen. Wenn man Glück hat, liegt man irgendwann erschöpft im Watt, und das kann ganz weit draußen sein. Und wenn man noch mehr Glück hat, haben andere Ihre Not mitbekommen und den Seenotrettungskreuzer verständigt.

Dieser ist im Watt aber nur sehr bedingt einsatzfähig. Zwar sind wir Schleswig-Holsteiner sehr stolz auf unsere Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und wir spenden gerne. Doch reicht es uns, wenn diese Gelder für Übungen eingesetzt werden anstatt für vermeidbare Einsätze. Denn im Ernstfall ist nicht nur Ihr Leben in Gefahr, sondern auch das der Seenotretter, auch, wenn ihre Schiffe und Ausrüstungen zu den modernsten der Welt gehören. Bitte betreten Sie niemals bei Nebel das Watt.

Ihr Rufen wird man nicht mehr hören und Sie werden sich nicht mehr orientieren können. Das alles soll den Spaß an der Nordsee nicht mindern. Haben Sie keine Angst vor dem Wattenmeer, aber bitte viel Respekt. Möchten Sie eine Wattwanderung machen, empfehlen sich erfahrene Wattführer. Außerdem gibt es immer einen aktuellen Gezeitenkalender, nach diesem können Sie die Uhr stellen.

Schobüll

Husums jüngster Spross ist der kleine Nachbarort Schobüll. Dieses Dorf wurde erst im Jahr 2007 eingemeindet. Schobüll kommt ohne einen Deich aus, aber bietet dafür den in dieser Umgebung sehr seltenen Wald. Schobüll hat sogar einen eigenen Berg, auch das ist besonders für Nordfriesland. Ist man ansonsten stolz auf das flache Land, trumpft der kleine Ort mit einer Erhebung von stolzen 33 Metern über Normalnull auf. Nun mögen die Bayern und die Schwaben lachen, aber von welchem ihrer Berge kann man schon so weit über das Meer schauen? Ein romantischer Platz ist auch die Seebrücke, die direkt in die Nordsee oder aber ins Watt führt. Die kleine Kirche im Ort ist regelmäßig Treffunkt wunderschöner Konzerte. Der Name des Luftkurortes kommt übrigens aus dem Dänischen und steht für „Walddorf“.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.