Inseln

Hallig Nordstrandischmoor

Küstenschutz in Nordfriesland
Lorendamm nach Nordstrandischmoor, aufgenommen mit Leica M7 und Summilux 1.4 50 asph. new auf Kodak Portra 160 new | © mare.photo

„Nennen Sie mir eine Insel mit Bahnanschluss – Sylt ist es nicht…“, so könnte eine Quizfrage zum Thema Nordfriesland lauten. Es verführt schon zum Schmunzeln und vielleicht fühlt man sich an Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer erinnert, wenn auf dem schmalen Damm auf den ebenso schmalen Gleisen eines dieser eigenartigen und oft selbst gebauten, lokomotivähnlichen Vehikel polternd und ruckelnd langsam über das Watt kommt.

Wie auf manch anderer Hallig ist dies eben auch hier, auf Nordstrandischmoor, eine typisch nordfriesische Verkehrsanbindung. Natürlich gibt es auch bei Flut die Möglichkeit, mit dem Schiff zu fahren, doch für die Inselbewohner ist die Lorenbahn zugleich auch der wichtigste Versorgungsweg.

So urig, wie diese kleine Bahn, ist die Landschaft, sind die Menschen, die hier leben. Sehr heimatverbunden, ein wenig wortkarg und doch in ihrer rauhen Art sehr herzlich und ehrlich. Die Bahn, in ihr wird ein wenig der Mentalität dieser Region sichtbar.

Ohne Hektik, ein wenig ruckelig, aber bei Wind und Wetter füreinander da. Die Umwelt, das Wattenmeer, Ebbe und Flut, die Stürme, all dies hat die Menschen geprägt. Wer einen Ausflug nach Nordstrandischmoor unternimmt, wird es genauso erleben und nicht mehr vergessen.

Ursprung von Nordstrandischmoor

Wer einmal zu den Herbst- oder Winterstürmen an der Nordsee war, bekommt ein Gefühl dafür, wie dramatisch das Leben an der Nordseeküste sein kann. Heute schützen stabile Deiche die Inseln vor den schweren Sturmfluten, doch das war nicht immer so. Zur Geschichte Nordfrieslands gehört die Große Mandränke, eine der schwersten Sturmfluten, die das Land für immer verändert hat. Das war am 13. Januar 1362. Etwa 100.000 Menschen kamen dabei ums Leben, viel Land versank im Meer.

Dann kam die Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 1634 und diese Flut wurde so verheerend, dass sie als die Zweite Große Mandränke in die Geschichte einging. Viele Tausend Menschen und unzähliges Vieh wurden von den Fluten genommen. Die komplette nordfriesische Küste bis hin zur Elbmündung wurde verwüstet. Die Insel Strand wurde von der Flut in vier Teile zerrissen. So entstanden die Halbinsel Nordstrand, die Insel Pellworm und Nordstrandischmoor. Zwei Halligen, Nübbel und Nieland, versanken im Meer.

Seitdem wird Nordstrandischmoor bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder Opfer schwerer Sturmfluten. Alleine vier Kirchen werden bis ins Jahr 1825 zerstört, dann kapitullieren die Inselbewohner vor der unberechenbaren See und schließen sich der Kirchengemeinde Nordstrand an. Die Sturmflut von 1825 fordert noch einmal eine hohe Zahl von Opfern, von den ehemals 126 Insulanern überleben nur 31 Menschen. Heute haben 18 Nachfahren ihr Zuhause auf dieser Hallig.

Die Insel

Hauptaufgabe der Halligen ist der Küstenschutz. Doch dafür braucht es Menschen, die sich engagieren. So betreiben die 18 Halligbewohner zum einen aktiven Küstenschutz, zum anderen gehört die Schafzucht zum Teil ihres Broterwerbs. Der Tourismus hat sich zu einem wichtigen Baustein des Einkommens entwickelt. Menschen, die einfach einmal aufs Auto verzichten wollen, den Stress des Alltags hinter sich lassen und eintauchen in ein ganz besonderes Stück Nordfriesland, sie kommen genau hierher.

Sie mieten Fahrräder für die etwa drei Kilometer lange autofreie Straße, buchen eine der schönen Ferienwohnungen oder kommen zu einem kurzen Tagesausflug mit dem Schiff oder über das Watt zu Fuß auf die Hallig. Diese dreieinhalb Kilometer lange Tour muss man zwingend mit einem erfahrenen Wattführer unternehmen, denn das Watt, so schön und faszinierend es ist, kann von jetzt auf gleich für unerfahrene lebensgefährlich werden.

Wer sich ins Watt begibt, sollte sich zu seiner eigenen Sicherheit im Vorfeld über die Tücken und über die Zeiten von Ebbe und Flut informieren. Kinder dürfen nie alleine ins Watt. Zum Baden bitte niemals bei einsetzender Ebbe ins Meer gehen, denn mit wenigen Schwimmzügen wird man weit auf das Meer hinausgezogen.

Das soll alles keine Angst machen,allerdings sensibilisieren für den Umgang mit dem echten und unvergesslichen Erlebnis Wattenmeer.

Auf Nordstrandischmoor laden kleine malerische Badebuchten zum Sonnenbad oder zum erfrischenden Nordseebad ein. Ein kleiner Segelhafen ergänzt das Angebot. Die Insel hat das ganze Jahr ihren besonderen Reiz und einen großen Erholungswert.

Informationen zur Insel gibt es unter hallig nordstrandischmoor.

Literatur

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.