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Gotland in 36 Bildern mit dem Kodak Ektar 100 entdecken

Fiskeläge (Fischerstelle) Hallhuk, Gotland | © mare.photo
Fiskeläge (Fischerstelle) Hallhuk, Gotland | © mare.photo

Wir waren auf Gotland und haben dort mit dem Kodak Ektar fotografiert. Inspiriert durch Leicas „100 Jahre Fotografie in 36 Bildern“ haben wir 36 Bilder unserer Gotlandreise herausgesucht, mit der wir diese schöne Insel vorstellen möchten.

Der Kodak Ektar soll der feinkörnigste Farbfilm der ISO 100 Klasse sein und gilt als sehr farbkräftig. Wir haben ihn mit der Leica M7, dem Summilux 1.4/50 asph. und dem Elmarit 2.8/28 asph. belichtet.

Bei der Auswahl stellen wir fest, dass 36 Bilder ganz schön viel sind, um den Querschnitt dieser Insel vorzustellen. Und das in einer Zeit, wo mancher Fotograf zu welchem Anlass auch immer gut mal 1000 Bilder an einem Nachmittag schießt. Aber wir schießen Bilder ja nicht, wir fangen sie ein. Das braucht mehr Zeit, gibt aber auch mehr Zeit: für das entsprechende Motiv.

Gotlands Schatz ist schon seit vielen hundert Jahren der Kalkstein und Kalksandstein. Bis heute wird er in Steinbrüchen abgetragen und weiterverarbeitet. Diese Aufnahme ist im kleinen Steinmuseum Kettelvik im Süden Gotlands entstanden. Den Ort haben wir hier beschrieben.

Auch heute begegnen überall auf der Insel Spuren der Kalkverarbeitung, welche zum Exportschlager geworden ist. Gerade bei wolkenverhangenem Himmel entsteht eine fast mystische Stimmung in Verbindung mit den industriellen Anlagen.

Auf den Furillen im Norden Gotlands gibt es eine große, stillgelegte Anlage, auf deren Gelände aus der Fabrik eine faszinierende Hotelanlage entstanden ist. Immer wieder kommt es hier zu Film- und Werbe- oder Modeaufnahmen. Dabei ist die Anlage so belassen, dass man das Gefühl hat, ab morgen würde der Betrieb hier weiter gehen.

Bevor man zu der stillgelegten Anlage kommt, fährt man durch einen riesigen stillgelegten Steinbruch, im dem manche Verfolgungsjagd einer Krimiserie gedreht wurde. Einsam geht es hier zu, nur eine Industriebaracke ist stehen geblieben. Die Gruben sind mit hellgrün schimmerndem Wasser gefüllt und die schroffen Steinbrüche zeigen die graue Vielfalt, die man kaum vermuten kann. Die gesamte Anlage haben wir hier beschrieben.

Eine andere Hinterlassenschaft des Kalkabbaues ist die Blaue Lagune im Norden Gotlands. Die Abbaugrube hat sich im Laufe der Zeit mit Wasser gefüllt und schenkt der Insel mit der türkisblauen Färbung ein wenig karibisches Flair. Die Blaue Lagune ist heute ein herrliches Binnengewässer zum Baden und erfreut sich im Sommer großer Beliebtheit. Wir haben die Blaue Lagune hier beschrieben.

Das Kalkgestein ist es auch, welches die Küste und manches heutige Landesinnere auf bizarre Weise gestaltet hat. Überall finden sich diese einzelnen zerklüfteten Raukar, von Wind und Wellen ausgespült. Manchmal erreichen die einzelstehenden Felsgebilde eine Höhe von bis zu acht Metern. Dort, wo sie heute auf dem Land stehen, befand sich im frühen Mittelalter noch das Meer. Bis zu vier Meter ist der Meeresspiegel seitdem gesunken bzw. hat sich die Insel gehoben. Mehr über diese einzigartigen Felslandschaften haben wir zum Beispiel hier beschrieben.

Selten fällt die Küste flach ins Meer, immer wieder gibt es Hochplateaus, die bis zu 40 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Die Abbrüche sind oft spektakulär und finden immer dann statt, wenn Wind und Wasser das lose Gestein ausgespült haben. Hier befinden wir uns auf dem Grogansberget, einem traumhaften Naturschutzgebiet. Weites Land,  flach und karg, so weit das Augen reicht. Diese Umgebung haben wir hier beschrieben.

Eine der schönsten Küstenstraßen mit zahlreichen Raukar-Gebieten befindet sich im Norden Gotlands, auf Fårö. Hier befinden sich  einige Drehorte aus dem Filmen von Ingmar Bergmann. Er liebte diese Landschaft mit ihrer Schroffheit und Dramatik und beschloss bei seinem ersten Besuch, für immer hier zu bleiben. Die Route dieser Küstenstraße haben wir hier beschrieben.

Überhaupt ist Ingmar Bergmann eng mit der Insel Fårö im Norden Gotlands verbunden. Eine kostenlose Fähre verbindet die Hauptinsel mit Fårö. Überall sind Spuren des weltberühmten Regisseurs zu finden, der hier gelebt hat und auch gestorben ist. Es gibt Ausstellungen und es gibt jeden Sommer eine ganz eigene Bergmann-Woche. Wir haben einige Beiträge zu Ingmar Bergmann und seinen Filmen verfasst.  Seinen Abschied und sein Weiterleben haben wir hier beschrieben.

Gotland hat noch eine weitere Weltberühmtheit, die uns seit Kindertagen wohlvertraut sein dürfte. Die Villa Kunterbunt befand sich auf Gotland und sie ist hier immer noch zu finden. Viele Szenen von Pipi Langstrumpf wurden auf Gotland gedreht. Was es mit der Villa Kunterbunt auf sich hat, haben wir hier beschrieben.

Überall hat die Insel Orte, die sich bestens für einen Filmdreh eignen. Beispielsweise die alten Fischerhütten, die früher den Fischern als Lager und Übernachtungsplatz dienten. Oft gehörte zu den Fiskeläge, wie man sie im schwedischen nennt, auch eine Räucherei. Den Ort, an dem dieses Bild entstanden ist, haben wir hier beschrieben.

Heute dienen die Fischerhütten nur noch der Hobbyfischerei oder dem Nebenerwerb. Die modernen Fischer fahren mit ihren Kuttern hinaus. Doch gibt es noch mehr als 150 Fischerstellen auf Gotland. Irgendwie sehen sie sich ähnlich, doch keine ist wie die andere. An einigen der Fischerstellen wird  noch Fisch geräuchert und auch direkt angeboten. Den Ort der gezeigten Aufnahme haben wir hier beschrieben.

Man muss sich aber nichts vormachen. Alles, was wir heute romantisch verklären (dürfen), erzählt in Wirklichkeit von einem entbehrlichen, harten und armen Leben. Gerade die Fischer mussten bei Wind und Wetter, bei Hitze und Kälte und Stürmen hinaus auf die See und oft kamen sie nicht wieder. Oder sie wurden von der ständigen Unterkühlung krank und anfällig.

Ein kleines Seenotrettungsmuseum auf Fårö erzählt die Geschichte über die Rettung der Seefahrer und Fischer aus der zeitweise aufgewühlten Ostsee und ihren ganzjährig sehr gefährlichen Strömungen in Küstennähe. Wir haben es mit seiner Geschichte hier beschrieben.

Die Fischer wussten um ihr hohes Risiko und sie waren dankbar für einen guten Fang und für eine unversehrte Rückkehr. All das brachten sie in ihren kleinen Fischerkapellen zum Ausdruck, die nahe an den Fischerstellen standen. Wir haben einen Gottesdienst in einer solchen Fischerkapelle hier beschrieben.

Oftmals sind diese alten Fischerhütten auch beliebte Übernachtungsplätze für Touristen. Auf etwa zehn Quadratmetern ist gerade einmal Platz für zwei Betten. Aber wer will bei solcher Lage schon drinnen sein. Auf Gotland geht es bei jeder Gelegenheit raus, besonders in der recht kurzen Sommersaison. Den Ort dieser Aufnahme in der Fischerstelle Ljugarn haben wir hier beschrieben.

Altes bewahren und liebevoll herrichten und pflegen, an vielen Orten finden sich kleine Dekorationen, die an die frühere Zeit erinnern. Fotomotive gibt es hier, soweit das Auge reicht. Und für Fotografen eine Selbstverständlichkeit: Alles bleibt so an seinem Platz wie man es vorfindet.

Die Boote werden nicht mehr mühsam mit einem Seil an Land gezogen, mittlerweile gibt es gut ausgebaute kleine und große Bootshäfen. Doch auch hier sind die meisten Fischerboote den Freizeitkapitänen gewichen.

Wie beispielsweise hier in Herrvik, einem alten kleinen Fischerhafen gibt es neben der Fischerei eine kleine Bootswerfst, die den Menschen auch über die kurze Urlaubssaison von etwa 10 Wochen hinaus Arbeit beschert. Trotz allem wird dieser Ort zwischen September und Juni wie ausgestorben wirken. Selbst in der Hauptsaison gibt es hier kaum Gedränge. 

Dort, wo es Insulaner gibt, spielt neben der Fischerei auch die Seefahrt eine große Rolle. Gotland war einst einer der wichtigsten Stützpunkte der Hanse. Und so gibt es überall auf der Insel Leuchttürme in ganz unterschiedlichen Ausführungen und Schönheiten. Einer der schönsten Leuchtfeuer steht auf der Insel Store Karlsö. Er dient heute auch als kleines Hotel. Über den Gartenzaun des Leuchtturmes sollte man nicht fallen, denn dort geht es 45 Meter in die Tiefe.

Doch über das Meer kamen nicht nur friedliche Handelsleute, vielmehr musste man sich auch vor anderen Streitkräften und Piraten schützen. Und in der Stadt  auch vor der eigenen Landbevölkerung. So baute man um die Inselhauptstadt große Befestigungsanlagen, die heute noch weitgehend erhalten sind und so der Stadt Visby zum Weltkulturerbe der Unesco verholfen haben. Wir haben die Stadt Visby beispielsweise hier beschrieben.

Visby ist für seinen durchgehend erhaltenen Stadtkern beliebt, in der zahlreiche Kirchenruinen aus dem Mittelalter erhalten geblieben sind und heute noch zum Teil für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Andere wie die St. Olafs-Ruine sind fast eingewachsen. Diese haben wir hier beschrieben.

In Visby gibt es neben der spannenden Historie auch ein modernes und entspannt urbanes Leben. Es is ein absolutes Privileg, hier zu leben in einer Stadt, in der jedes Gebäude innerhalb der Stadtmauer unter Denkmalschutz steht und jedes Jahr Menschen aus der ganzen Welt magisch anzieht.

Wie in der Stadt Visby gibt es auch einige über das Land verteilte Kirchen- und Kapellenruinen. Ob sie mehr oder weniger sehenswert sind, liegt immer im Auge des Betrachters. Und doch fügen sie sich auf besondere Art in die Landschaft ein und bieten Stoff für Geschichten. In der ein oder anderen Ruine finden im Sommer Freiluftgottesdienste statt. Die Geschichte der gezeigten Ruine Gunnfjauns Kapell haben wir hier beschrieben.

Unvorstellbar ist die große Anzahl von etwa 100 kleinen und großen Kirchen über die gesamte Insel verteilt. Fast alle Kirchen entstanden im Laufe des 13. Jahrhunderts in den vielfältigsten Architekturen. Gottesdienstbesucher haben sie seitdem leider verloren, doch ihre Strahlkraft ist bis heute ungebrochen. Die meisten Kirchen können tagsüber besucht werden. Wir sind dabei, die Kirchen einzeln und verständlich vorzustellen. Diese sind hier beschrieben.

Bereits vor der Christianisierung gab es religiöses Leben und religiöse Bräuche. Immer wieder kann man Spuren darüber bis in die Eisenzeit hinein verfolgen. Besonders auffällig sind dabei die großen Schiffssetzungen, die ein einzelnes Grab einer damaligen Autorität  darstellen. Mehr darüber haben wir hier beschrieben.

Auf Gotland wird selten etwas abgerissen oder weggeworfen. Und so gibt es hier einige dieser belieben „Lost Places“ wie diese alte und vergessene Tankstelle am Wegesrand. Gotland ist ein Geschichtenerzähler, selbst die Geschichten der letzten hundert Jahre werden in diesen kleinen Oasen wie dieser historischen Tankstelle erlebbar. Wie schön währe es, an diesem Ort mit einem alten Käfer Cabrio anzuhalten und zu schwelgen an die Zeit, in der es noch einen Tankwart gab.

Die alten Fahrzeuge finden sich ebenfalls immer wieder, dieses Feuerwehrauto ist allerdings Bestandteil einer Ausstellung im schönen Badeort Ljugarn. Hier begann auch der Tourismus der Insel durch die kurende Königstochter. Ljugarn ist im Sommer entsprechend voll, doch Gedränge gibt auch hier selten. Dafür kann man sich mit allem eindecken, was man zum Leben braucht. Denn auf Gotland ist ein großer Zentralort in der Regel gerade einmal so groß wie bei uns eine kleine Ortschaft.

Sobald man einen der wenigen Zentralorte verlassen hat wird es ruhig auf den Straßen, selbst in der einzigen Saison. Entspannter kann man kaum Auto oder Fahrrad fahren. Mitunter fallen in den kleinen Orten recht große Gebäude auf, In diesem Fall, in Othem, handelt es sich um eine ehemalige Schule, die heute als Restaurant auf Gäste wartet.

Es gibt auch Gegenden, da wird es ganz ruhig. Man begegnet kaum einer Menschenseele. Weite, steppenartige Felder und Gebäude, die einige hundert Jahre alt sind und seither Wind und Wetter trotzen. Entweder verfallen solche Häuschen, oder sie werden liebevoll erhalten. In jedem Fall aber prägen sie die einzigartige Landschaft Gotlands.

So bleibt den wenigen Menschen in der Region, Landwirtschaft zu betreiben. Einige der Höfe existieren seit dem Mittelalter. Vor allem Schafs- aber auch Viehwirtschaft gehört zur Existenz. Für Lebensmittelanbau geben die kargen und kalkigen Böden oft zu wenig her. Für uns Besucher zeigen beispielsweise die Faludden im Süden eine weitere und ganz eigene Seite Gotlands. Wir haben sie hier beschrieben.

Fließend gehen Landwirtschaft und Naturschutzgebiete ineinander über. Und manchmal werden die Flächen des Naturschutzes auch von der Landwirtschaft bewirtschaftet. Immer wieder finden sich die ewig langen Einfriedungen mit den aufgeschichtete Mauern. Mühlen oder deren Reste finden sich ebenso auf der ganzen Insel, hier wurde zum Teil mit ihrer Hilfe auch Grundwasser gefördert.

So schnell man auf dem Land und in der Einsamkeit ist, so kurz sind die Wege in den nächsten Ort. Hier trifft man sich bei jedem Sonnenstrahl zu kulturellen oder gesellschaftlichen Veranstaltungen oder zum Drink in der ehemaligen Tankstelle wie hier im südlichen Burgsvik. Historie und Gegenwart liegen auf Gotland eng beieinander. Burgsvik ist die südlichste Möglichkeit, auf Gotland seine Besorgungen zu erledigen. Wir haben den Ort hier beschrieben.

Gotland ist so vielfältig und bietet neben einer unvorstellbaren kulturellen Vielfalt ebenso viele Oasen der Entspannung. Entlang der insgesamt 800 Kilometer langen Küstenlinie warten zahlreiche Badeplätze und Stege. Im Sommer ist das Meer oft spiegelglatt. An vielen Plätzen gibt es Grillmöglichkeiten, sogar das entsprechende Grillholz wird regelmäßig zur Verfügung gestellt.

Wer gerne aktiv ist, dem bieten sich zahlreiche Bewegungsmöglichkeiten. Neben dem traditionellen Wandern und Radfahren finden sich überall Angebote für die unterschiedlichsten Sportarten zu Lande und zu Wasser. 

Das Leben auf Gotland ist so spannend wie entspannt. Wir werden wieder kommen und weiter von der Insel berichten. Und vielleicht trauen wir uns irgendwann einmal, nur einen Film mit 36 Bildern in den Urlaub mitzunehmen und die Bilder ganz gezielt einzufangen. Dabei spielt es ja keine Rolle, ob man 36 Bilder analog oder digital aufnimmt. Wichtig für einen selbst ist, dass man die Motive, die man entdeckt, in sich, in seiner Seele, nach Hause trägt.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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