Visby

Gotland entdecken | Visby in vier Stunden

Nicht jeder Besucher nimmt sich die Zeit für diese Stadt, wie wir sie zur Verfügung haben. Darum haben wir die schönsten Punkte Visbys herausgesucht, die man schnell erreichen kann und die einen Besuch wirklich lohnen. Aber zugegeben, es fällt schwer, die anderen vielen Orte dieser bezaubernden Mittelalterstadt weg zu lassen. In den anderen Artikeln haben wir sie selbstverständlich berücksichtigt.

Visby ist eine so entspannte Stadt wie kaum eine andere, sie ist klein und hatz doch so viel schönes zu bieten. Durch das Zentrum muss man dennoch auch bei knapper Zeit nicht hetzen. Ein bisschen Zeit für die netten kleinen Cafés und Restaurants oder die ausgefallenen Boutiquen und Geschäfte bleibt immer. Zum Schluss sollte man sich eine durchaus leckere und typisch gotländische Spezialität gönnen- den Safran-Kuchen.

Almedalen

An der Stelle des Almedalen befand sich in der Zeit des Mittelalters eine große Hafenanlage. Mit der Zeit verlandete er. heute ist er einer der schönen und entspannten Treffpunkten vor den Toren des Stadtzentrums mit einem großzügigen Park, einem kleinen Teich und einigen Spielgeräten. Von hier aus geht es auf kurzen Wegen zur Bibliothek und Kongresshalle, die so manches Mal für die Dreharbeiten bei „Der Kommissar und das Meer“ zur Verfügung steht.

Strandgatan

Als besonders sehenswert gilt die Strandgatan (Strandstraße). Hier gibt es eine Anzahl von alten Packhäusern. Aber auch die Alte Apotheke, die Alte Residenz  und das Burmeisterhaus sind hier zu bewundern. Die Alte Apothe war allerdings bis zum 19. Jahrhundert ebenfalls eines der Lagerhäuser, erst ab dann konnte man sich hier Medizin besorgen. Das Burmeisterhaus ist ein recht prächtiges Lagerhaus, dessen Alter sich allerdings nicht genau bestimmen lässt. Man weiß nur, dass es nach einer Familie benannt ist, der es zwischen 1692 und 1832 gehörte.

Gotland Museum und Fornsalen

Das regionale Landesmuseum Gotlands gehört zu den beliebtesten regionalen Museen Schwedens. Zum einen beeindruckt das alte historische Gebäude, zum anderen überrascht es im Inneren von der kreativen und lebhaften Art, die Geschichte Gotlands und der Wikinger zu erzählen. Hier gibt es Hinweise aus der Steinzeit genauso wie die Geschichte des größten Silberschmiedes der Insel. Eilige schaffen den Museumsbesuch gut in einer Stunde, aber wer Zeit und Interesse hat, dem wird es hier auch nach einigen Stunden noch nicht langweilig.

Pulverturm Kruttorn (Kruttornet)

Er gehört zu den ältesten Profanbauten Nordeuropas und ist der äletste Turm der Stadtmauer von Visby, der Kruttorn. In der Mitte des 12. Jahrhunderts wurde er gebaut und war unter den Bezeichnungen „Lange Brücke“ oder „Schafturm“ geläufig. Im Laufe der Zeit diente er immer mal wieder als Gefängnis. Als man ab etwa des 18. Jahrhunderts Schießpulver in diesen Gemäuern lagerte, kam auch die heutige Bezeichnung als Pulverturm.

Fiskagränd

Diese Fischergasse gilt als die Schönste in Visby. Der schmale Weg führt mitten durch die alten Fischerhäusschen, die liebevoll mit üppigen Blumenschmuck verziert haben. Hier lebten einst die Fischer, die ihre Boote im kleinen Fischerhafen am Pulverturm hatten. Beides ist heuete verschwunden. Auch Fassbauer und Schuhmacher hatten hier ihr Zuhause.

Botanischer Garten (Botaniska trädgården)

Wenn man überlegt, dass die Landesgartenschau in Eutin stolze 16 Euro Eintritt pro Person verlangte, zeigt sich mal wieder die Offenheit und Großherzigkeit der Skandinavier. Hier darf man seltene Pflanzen, zahlreiche Rosen und eine wunderschöne Parkanlage genießen und muss nichts dafür bezahlen. So geht Gastfreundschaft. In der Tat ist der Botanische Garten ein wunderschöner Park voller Rosen, Platanen und Maulbeerbäumen, in deren Umgebung man sich entspannt zurücklehnen darf, ein Picknick oder eine Flasche Rotwein genießt und für einen Moment das urbane Treiben sich selbst überlässt. Am Eingang wartet eine der vielen Kirchenruinen, die St. Olofs-Ruine.

Wächtergang (Väktargången)

Der Wächtergang entlang und auf der beeindruckenden Stadtmauer ist in Teilen rekonstruiert. An einigen Stellen kann man die Mauer oder auch deren Türme besteigen. Von hier aus öffnet sich ein grandioser Blick auf die Stadt Visby, die Ostsee und das weitläufige und nicht minder beeindruckende und schöne Umland.

Kirchenruine S:t Nicolai (Kultudralen)

Wie sehr die Verantwortlichen um den Schatz ihrer Stadt wissen, zeigt sich auch im lebendigen Umgang mit den Ruinen. Sie gehören einfach ins Stadtbild und werden auch in das kulturelle Leben integriert. So gehört die Kirchenruine St. Nicolai zu den schönsten Kirchenruinen aus dem Mittelalter und wird zudem auch als Konzert- und Theatersaal genutzt. Die Ruine ist einer der Hauptspielorte während des jährlichen Mittelalterfestivals.

Einst war sie sie größte Klosterkirche in Schweden. Im Jahr 1230 weihten die Dominikanermönche dieses Gotteshaus, im Krieg zwischen Schweden und Dänemark wurde die Klosteranlage von den Lübecker Kaufleuten, welche Schweden unterstützten, schwer beschädigt. Die Wohnungen der Mönche wurden daraufhin abgerissen, die Reste der Kirche, wie man sieht, blieben stehen. Danke dafür! So mancher Konzertveranstalter wird bei dem Anblick solcher Lokale (neudeutsch: Location) vor Neid erblassen. Aber die Gotländer gehen ganz normal, ganz alltäglich mit diesen Einrichtungen um.

Stadtmauer

Diese einmalig erhaltene Stadtmauer gibt es so kein zweites Mal, sie ist die einzig komplett erhaltene in Nordeuropa. Das war auch einer der Gründe, daß Visby zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Die Mauer wurde im 13. Jahrhundert errichtet und hat eine Länge von etwa dreieinhalb Kilometer. Es lohnt sich, die Stadtmauer von innen und außen entlang zu gehen und so das Umland und das Zentrum der Stadt von all seinen Perspektiven zu bestaunen. Zumindest aber sollte man sich das Nordertor und das Östertor anschauen und natürlich den Krutton  als integrierten Pulverturm. Übrigens, wer die alten Pipi Langstrumpf-Filme noch vor Augen hat. wird die Drehorte hier ganz real wieder erkennen.

Anhöhe Klint und Kirchberg (Klinten och Kyrkberget)

Unweit des Nordtores der Stadtmauer liegt die Domkirche unübersehbar.  Sie ist über eine Treppe mit der Klippe (auf schwedisch Klint) verbunden. Von dieser Anhöhe hat man einen traumhaften Blick über die Dächer Visbys bis hin zur Ostsee. Von hier liegt uns die Domkirche quasi zu Füßen, nur die hohen Türme ragen empor.

Aber man bekommt von hier aus auch ein Gefühl für die Struktur dieser kleinen und eigentlich recht ländlichen Stadt, den Häusern mit ihren kleinen, teils von Mauern umgebenen Grundstücken und dem vielen Grün, welches Visby nocheinmal seinen ganz eigenen Akzent setzt.

Für einige Zeit war dieser so schöne Ort auch Richtplatz. Hier wurde gefoltert und gemordet. Doch fühlten sich die Anwohner von den Angst- und Schmerzschreien gestört, sodass die Henker ab 1850 ihr Treiben außerhalb des Zentrums ausübten.

Domkirche

Wer auch sonst nicht in die Kirche geht, diesen Dom sollte er besuchen. Einst wurde dieses Gotteshaus von Lübecker Seefahrern errichtet. Die ältesten Teile stammen aus dem 11. Jahrhundert. Heute ist es die einzige erhaltene Kirche aus der zeit des Mittelalters. Ursprünglich handelte es sich um eine Basilika, die der Heiligen Maria gewidmet war.

Im 14. Jahrhundert ließen die Hanseschiffer einen Zwischenboden oberhalb des Kirchenschiffes errichten und nutzten diesen sodann als Speicher für ihre Handelswaren. Ein Seilzug hievte die Waren dann an der Ostseite durch die Türen ins Lager. Noch heute sieht man von der Anhöhe Klinten diesen Lagerzugang und Seilzug.

Im Zuge der Reformation wurde Gotland zu einem eigenständigen Bistum, so erhob man die St. Maria-Kirche 1572 zu einem Dom. Im Gegensatz zu den gotländischen Kirchen auf dem Lande ist die Innengestaltung sehr schlicht gehalten, die sonst üblichen Wandmalereien findet man hier nicht.  Dafür aber den größten Taufstein Gotlands, er stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Kanzel wurde im Jahr 1684 in Lübeck gefertigt.

Großer Platz und Kirchenruine St. Katerinen (Stora torget och S:ta Karins kyrkoruin)

Es ist sicherlich der zentrale Platz der Stadt, natürlich hat auch hier so manche Sequenz aus „Der Kommissar und das Meer“ seinen Weg in den Kasten gefunden. Hier trifft man sich, eh man wieder in alle Richtungen des Zentrums verschwindet. Sei es für einen kleinen Einkauf im kleinen Lebensmittelladen, sei es in den Bars, Cafés und Rstaurants, welche diesen Platz einkreisen. Der Stora torget liegt im Schatten der beeindruckenen St. Katarinen-Kirchenruine. Während des Winters befindet sich hier eine große Schlittschuhbahn.

Im Mittelalter war der Stora torget der Henkersplatz. Hier wurden die Gefangenen brutal gefoltert und getötet. Später verlegte man das brutale Henkershandwerk auf den unweit gelegenen Klinten, der Anhöhe hinter dem Dom.

Die Kirche, im Jahr 1250 geweiht,  gehörte einst zu einem Franziskanerkloster, welches aber im Zuge der Reformation zerschlagen und deren Mönche verjagd wurden.

Einkaufen

Visby hat eine wirklich schöne Auswahl an familiär betriebenen und individuellen Geschäften und Boutiquen. Zu den schönsten Einkaufserlebnissen empfehlen wir die Adelsgatan, die Hästgatan, St. Hansgatan oder auch das Östercentrum. Es geht entspannt zu, die Gotländer lassen sich auch beim Einkaufen nicht hetzen.

Essen und Trinken

Überall im Zentrum gibt es schöne Möglichkeiten des Einkehrens. Dabei hat man sicherlich die größte Ansammlung der Gastronomie am zentralen Stora torget im Schatten der Kirchenruine. Wir jedenfalls haben unser kleines Lokal in einer schmalen Seitengasse gefunden und dort den typischen Safran Kuchen, den Saffranspannkakor genossen. Und genau das werden wir wieder an diesem Platz tun.  Die Schweden sind ja bekannt für ihre Liebe zu Safran, die Gotländer haben diesen Nachtisch dazu erfunden. Und er schmeckt. Dazu einen Milchkaffee und der Tag findet seinen perfekten Abschluss.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

Kommentar

  • Diese Seiten sind mit so viel Liebe gemacht und sprechen Bände von der Gotland-Begeisterung, die ich auch von Herzen teile. Auch wenn ich an wenigen Stellen verbessert habe, so bin ich doch begeistert von diesem vielfältigen und ausführlichen Gotland-Führer. Ganz toll gemacht, großes Kompliment.
    Freundliche Grüße
    M. Schmelzer

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