Visby

Gotland entdecken | Schloss Visborg

Schloß Visborg in Visby auf Gotland | © mare.photo
Schloß Visborg in Visby auf Gotland | © mare.photo

Geblendet von der Schönheit der Stadt Visby vergisst man schnell, dass es einst vor den südlichen Stadtmauern ein imposantes Schloss gab: das Schloss Visborg. Allein die übrig gebliebenen Mauern zeugen als Ruine vom früheren Umfang der Anlage, von der es allerdings kaum zeitgenössischen Bilder gibt. Eine Abbildung findet sich aber in der Kirche Fårö. Dabei ist das Schloss nicht durch Fremdeinwirkung zerstört worden.

Um 1411 entstand diese Burganlage unter Regie eines deutschen Ordens, sie sollte den Hafen auf der Südwestseite der Stadt schützen. Im Jahr 1436 wurde die Anlage allerdings unter dem dänischen König Erik von Pommern fertig gestellt, der der Visborg auch ihren Namen gab. Selbstverständlich diente auch hier der auf Gotland vorkommende Kalkstein als Baumaterial. Die Visborg erstreckte sich vom Skansport bis an die südwestliche Ecke der Stadtmauer. Im Zentrum der Festung gab es eine beeindruckende und von der Architektur her dominierende Kirche

Erik von Pommern war auf der Insel kein Unbekannter, sein Großvater Valdemar Atterdag hatte bereits im Jahr 1361 auf Gotland gewütet. Entsprechend misstrauisch waren die Einwohner von Visby vor dem neuen Schlossherren, der ihnen aber versicherte, ihnen nicht schaden zu wollen.

Zwar wurde der Dänenkönig 1439 abgesetzt, zog sich aber nach dieser Amtsenthebung in die Visborg zurück, um weiter über Gotland zu herrschen. Vor allem träumte er aber davon, mit Gotland als Basis die  Macht über die nordischen Länder zurück zu gewinnen. Er regierte noch bis 1448, ehe die Visborg zurück nach Dänemark kam.

Dänemark setzte umgehend den Amtmann Søren Norby ein, der das Schloss erfolgreich gegen die Schweden unter Gustav Vasa im Jahr 1524 verteidigen konnte. Uneinnehmbar schien die Festung. Schließlich galt sie als eine der stärksten Festungen der nordischen Regionen. Norby wurde von den Schweden eher als Pirat denn als dänischer Flottenadmiral angesehen. Aber er hielt dem dänischen König Christian II die Treue, selbst, als dieser schon 1523 abgesetzt wurde. Natürlich erhoffte Norby sich davon ganz persönliche Vorteile, die ihm durchaus auch zugesprochen wurden.

Doch 1525 griff die Lübecker Flotte in großen Stil die Stadt Visby an und konnte den dänischen Burgherren vertreiben. Das Zentrum von Visby wurde bei diesem Angriff erheblich zerstört. Die Lübecker Bresche in der Stadtmauer ist ein deutlicher Hinweis auf die Erstürmung der Stadt.

Als die Schweden mit den Dänen übereinkamen, dass Gotland eben Schweden zugesprochen würde, sprengten die Dänen die Visborg kurz vor der Übergabe im Jahr 1679. So wurde das Schloss weitestgehend bis auf die Grundmauern abgetragen und nicht wieder aufgebaut. An der Südseite blieben einige massive Mauerreste erhalten. Die Trümmer wurden entweder in den Kalköfen weiter verarbeitet und zur Erweiterung des heutigen Schlosses in Stockholm eingesetzt. Weiteres Material wurde für den Hausbau in der Stadt verwendet.

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