Kirchen auf Gotland Nordostküste Gotland

Gotland entdecken | Kirche Gothem

Kleiner Ort und große Kirche, das war unser erster Eindruck bei unserer Ankunft in Gothem. Im Vorfeld bekamen wir den Tipp, dass diese Kirche in Gothem besonders schön und eindrucksvoll sein soll und werden nicht enttäuscht.

Der Grund für die Größe der Gotteshäuser war zur Bauzeit eher menschlicher als göttlicher Natur, denn vor der Gottesanbetung stand vor allem auch Selbstdarstellung im Mittelpunkt. Wer Geld und Erfolg hatte, zeigte dies im Bau seiner Kirche. Nun freuen wir uns trotz alledem über jedes erhaltene Gotteshaus und verweilen einige Zeit auf dem Gelände.

 

Nur schwer vorstellbar für uns, dass diese heiligen Gemäuer bereits seit dem 13. Jahrhhundert an diesen Ort stehen. Da in dieser Zeit die Kirchen ihren Turm oftmals erst später bekamen, fügte man auch in Gothem den Turm im Nachhinein hinzu. Doch geschah das noch im gleichen Jahrhhundert. Immer wieder sind wir fasziniert, wie solche Höhen ohne das heutige Know How möglich waren. Die statische Berechnung, der Transport von Baumaterial, das Aufhängen der tonnenschweren Glocken, der Mörtel, all das geschah in mühseliger Handarbeit. Grandios. Der heutige Kirchturm ist stolze 47 Meter hoch, doch diese Höhe bekam er erst durch einen Umbau gegen Ende des 14. Jahrhunderts. Aber bereits im Gründungsjahrhundert wurden die Innenräume mit den beeindruckenden und schönen Kalkmalereien verziert. Es würd vermutet, dass ein Künstler aus Deutschland hier am Werk war.

Doch irgendwann wurden diese Kunstwerke übertüncht und erst bei einer Restaurierung im Jahr 1950 wieder freigelegt. Besonders beeindruckend ist die Serie von Monatsbildern, die den Ablauf der landwirtschaftlichen Arbeiten eines Bauern dokumentieren.

Im 14. Jahrhundert wurde das Inventar um das imposante Chorgestühl erweitert, die Kirchbänke kamen, wie sehr oft in den Kirchen, erst im 17. Jahrhundert hinzu. Deren Türen sind mit einer einzigartigen Malerei verziert.

Als in meiner Jugend aus unserem Ort sich Heike Schäfer mit dem Lied „Die Glocken von Rom“ für den Grand Prix bewarb, hatte ihr Liederschreiber Ralf Siegel wahrscheinlich noch nichts von der Glocke dieses Kirchturms gehört. Sonst hätte er ein Lied über sie geschrieben. Denn die 1177 Kilogramm schwere Glocke soll die klangschönste in ganz Europa sein. Dabei wurde sie bereits 1374 gegossen. Ob dem so ist, können wir nicht sagen, aber ihr Klang hat uns sehr berührt.

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