Ingmar Bergmann auf Gotland

Gotland entdecken | Ingmar Bergmann: „Passion“

© mare.photo
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Welchen Beitrag wohl diese einsame Insel Fårö bei der Inspiration Bergmanns zu einem solchen Film geleistet hat, kann man nur vermuten, aber es ist sicherlich ein Film, der an keinem anderen Ort der Welt besser hätte umgesetzt werden können. Der Film „Passion“ (im schwedischen Original en Passion) ist der dritte und abschließende Film der so bezeichneten Fårö-Triologie und nach „Ach diese Frauen“ aus dem Jahr 1964 erst der zweite Film Bergmanns, der in Farbe gedreht wurde.

In der Handlung lebt Andreas Winkelmann eigentlich abgeschieden unweit eines kleinen Dorfes in Schweden. Gelegentlich trifft er auf einen weiteren Einsiedler, dem alten Andersson.

Irgendwann steht Anna Fromm vor seiner Tür und bittet ihn, sein Telefon benutzen zu dürfen. Nach einem Anruf fährt sie wieder ab, vergisst aber ihre Handtasche. Andreas Winkelmann entdeckt in dieser einen Brief und erfährt darin von den Scheidungsabsichten von Annas Ehemann, der ebenfalls Andreas heißt.

Doch zur Scheidung kam es nicht mehr, da Annas Ehemann und Annas Kind bei einem Autounfall ums Leben starben. Sie selbst steuerte den Wagen.

Mittlerweile wohnt sie bei Elis und Eva Vergérus, Elis ist angesehener Architekt ohne Fähigkeit zu echten Gefühlen. Seine Freizeit widmet er der Portraitfotografie. Eva wiederum hatte eine Affäre mit Annas verunglückten Mann, nun lässt sie sich auf eine solche mit Andreas Winkelmann ein.

Im Dorf geht untedessen ein Tierquäler umher, bringt Schafe um und versucht, einen Hundewelpen zu erhängen. Andreas kann das Tier retten und nimmt es bei sich auf. Als verdächtig gilt der alte Einsiedler Andersson, der nun anonym bedroht wird.

Anna und Andreas kommen sich, wohl aus der Einsamkeit heraus, näher und ziehen zusammen. Anfangs achten sie sich, Liebe ist es allerdings nicht. Sie ziehen zusammen, doch Andreas kann nicht aus seiner Haut als einsamer Wolf heraus, auch Anna kämpft innerlich mit den Erinnerungen an die vorgeblich so glückliche Beziehung mit ihrem toten Mann.

Andreas wird Anna gegenüber handgreiflich, nachdem er sich mit dem Selbstmord des alten Andersson auseinandersetzen muss. Dass dieser jedoch zu Unrecht der Misshandlungen und Tötungen der Tiere angegangen wurde, zeigt sich, als wieder ein Stall angezündet wird.

Andreas trifft zuerst an dem abgebrannten Stall ein, kurz später kommt Anna hinzu. Beide fahren in ihrem Wagen zurück. Dabei offeriert Andreas Anna, daß er eine Trennung für das Beste halte. Es kommt zum Streit und Anna fährt immer schneller. Daraus wächst für Andreas die offengestellte Frage, ob Anna ihn nun auch umbringen möchte. Er springt aus dem Wagen, Anna fährt ohne ihn weiter. Ziellos dreht er sich knieend im Kreis, bis seine Silhouette mit dem Sonnenlicht verschmilzt.

Ingmar Bergmann, der nun schon seit einigen Jahren auf Gotland lebte, realisierte diesen Film im Jahr 1968. Vier wunderbare SchauspielerInnen führen uns ungeschminkt unser eigenes Scheitern in der Gesellschaft vor, wenn Dinge sich nur leicht verschieben. Ingmar Bergmann nutzte diesen Film, um all das hineinzupacken, was er in der Geschichte „Schande“ nicht unterzubringen vermochte. Doch war es ihm ein Anliegen, die Verlassenheit und Angst in uns offensichtlich zu machen.

Der Film „Passion“ startete am 10. November 1969 in Schweden, die deutsche Fassung folgte erstmals am 25. Oktober 1970 während der Nordischen Filmtage in Lübeck und wurde am 14. August 1972 im ZDF ausgestrahlt.

 

Die SchauspielerInnen

  • Max von Sydow: Andreas Winkelman
  • Liv Ullmann: Anna Fromm
  • Bibi Andersson: Eva Vergérus
  • Erland Josephson: Elis Vergérus
  • Erik Hell: Johan Andersson
  • Sigge Fürst: Verner

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