Der Norden von Gotland

Gotland entdecken | Fårösund

Fårösund liegt nicht, wie man meinen könnte, auf der benachbarten Fårö, aber unübersehbar auf dem Weg dahin. Neben der sprichwörtlichen Schönheit eines gotländischen Küstenortes hat Fårösund seit vielen Jahrhunderten auch enorme strategische Bedeutung.
In den wenigen Wochen der Hauptsaison wird man ein Phänomen erleben, was man sonst nur von Ballungszentren kennt: Stau! Denn dann sehnen sich so viele Menschen auf die benachbarte Insel Fårö, dass die beiden Fähren kaum hinter her kommen. Von einer dieser Fähren ist Walter Sittler schon in einer seiner schwedisch-deutschen Krimifolge in „Der Kommissar und das Meer“ auf seiner Verbrecherjagd in den Sund gesprungen.

Am Ufer steht einer der erhaltenen Kalkbrennöfen, in Bunge wartet eines der schönsten Freilichtmuseen auf der Zufahrt zur Fähre.

Fårösund hatte seine Bedeutung bereits um 1712. Hier lag zur Verteidigung Schwedens am Südeingang das Fårösund während der Krim-Krieges eine Artillerie-Batterie und ein Blockhaus mit Kanonen in Bungenäs stationiert. So konnte die Schwedische Flotte auf der Westseite der Insel geschützt in die östliche Ostsee auslaufen. Mit dem Friedensschluss nach Beendigung des Nordischen Krieges zwischen Schweden und Russland gab man diese Stellungen wieder auf.

Ab dem Jahr 1818 entstand hier allerdings wieder ein Marinehafen und so wurde der Hafen von Fårösund während des englisch-russischen Krieges 1885 zu einem Kriegshafen. Schweden war dieses Mal bemüht, seine Neutralität aufrecht zu erhalten und sich von keiner Seite vereinnahmen zu lassen. An der Südeinfahrt des Fårösund stationierte man dazu eine Artillerie von von sieben 12 cm Frontlade-Kanonen, südöstlich hiervon und an der Nordeinfahrt stationierte man zwei weitere, aber kleinere Batterien.

Ab 1900 wurden die Stellungen grundlegend modernisiert, am 01. Juli 1937 gründete man dann eine eigene Einheit, das Gotländische Küstenartillerieregiment. Hier wurden Jahr für Jahr etwa 250 bis 375 Wehrpflichtige ausgebildet. Im Jahr 2000 löste man diesen Teil der schwedischen Streitkräfte auf. Derzeit findet aber vor dem Hintergrund der neuen Spannungen zwischen Ost und West wieder eine Re-Militarisierung der Insel an verschiedenen Standorten statt. Während des Kalten Krieges hatten hier, im Norden Gotlands und auf Fårö übrigens nur Einheimische oder Menschen mit besonderen Genehmigungen Zugang in diese Region. Nach der Auflösung kamen Menschen und Firmen, um sich hier niederzulassen.

Trotz allen ist diese schöne Umgebung oft unterschätzt, weil die Reisenden eher die benachbarte Insel Fårö im Sinn haben oder eben in Bunge das Freilichtmuseum. Dabei ist es wunderschön, hier entspannt spazieren zu gehen und auf die schmale Wasserstraße zwischen den beiden Inseln zu schauen.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

Schreibe uns Deine Meinung