Ingmar Bergman auf Gotland

Gotland entdecken | Die Geschichte der Ingmar Bergman Stiftung

© mare.photo
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Und hier, wo der einst größte Filmregisseur Ingmar Bergman seiner Zeit nie hin wollte, wollte er erst recht nicht mehr weg. Von seinem Körper dürfte nun nichts mehr übrig sein, um es in der gleichen Grobheit seiner Filme zu sagen. Aber sein Geist, seine Seele, ist hier geblieben, um es mit der gleichen Poesie seiner Filme zum Ausdruck zu bringen.

Wie Bergman nach Fårö kommt, der schroffen Insel mit seiner zerklüfteten Küste, seinen feinsten Stränden, seinen unzähligen Schafen, das haben wir in den anderen Artikeln beschieben. Genau wie auch seine Filme, die er hier gedreht hat. Was aber ist aus ihm geworden, beziehungsweise seinem Erbe?

Bergman bleibt spontan auf der Insel mit Drehbeginn seines ersten Filmes „Wie in einem Spiegel“ auf Fårö. Er beginnt, Immobilien zu erwerben. In Dämba kauft er Hofgebäude und Häuser, die zu der damaligen Zeit auf der armen Schafsinsel sehr preiswert gewesen sein dürften. Weiter nennt er eine der wunderschönen alten Windmühlen sein Eigen, eh er sein eigenes Haus bauen lässt. Mitten in einem Kieferwald, nur durch einen mit Splitt belegten schmalen Weg ist es zu erreichen, von außen kaum zu finden. Es liegt unmittelbar an einem steinigen Strand in Hammar. Zu Midsommer 1967 zieht er hier mit seiner neuen Liebe, der Schauspielerin Liv Ullmann hier ein. Stolze 56 Meter misst das neue Domizil, welches an seiner Nordseite einen wunderbaren Blick auf das Meer bietet. Hier im vorletzten Zimmer dieses durchaus eigenwilligen Hauses will er auch sterben und auch dieser Wunsch wird am 30. Juli 2007 für ihn in Erfüllung gehen.

So wie er sein Leben verplant hat, so plant er auch sein Sterben oder all das, was damit verbunden ist. So sucht er sich seinen eigenen Grabesplatz aus, auf dem er zusammen mit seiner Frau liegen wird. Bergman hat das arme Fårö berühmt gemacht und wohlhabender, Fårö wird ihm das nicht vergessen und dankt es ihm bis heute.

Denn auch, wenn es ihm sein Leben lang schwer fällt, Menschen treu zu sein, seiner Schafsinsel bleibt er treu und damit auch den etwa 550 Menschen, die hier leben. Er bindet sie als Statisten in seine Filme ein, beauftragt ausschließlich Handwerker aus dieser Umgebung. Einer der Handwerker, der Tischler Arne Carlsson übernimmt sogar in einem der beiden Dokumentarfilme über Fårö die Kameraführung.

Arne Carlsson ist dann auch der Mann mit der gloreichen Idee, eine Bergman-Woche zu veranstalten. Das widerum geht Bergman eigentlich zu weit, doch lässt er sich überreden. So startet das heute weltweilt angesehene Ingmar Bergman Festival im Jahr 2002 und findet bis heute jweils in der Woche nach der Sommerwende statt. Bergmann selbst verabredet sich hier sogar mit namhaften Kollegen, hält Vorträge und besucht mitunter die eigenen Filmvorführungen.

Rechtzeitig vor seinem Tot vermacht Bergman seine Filme dem Schwedischen Filminstitut in Stockholm. Sein persönlicher Besitz allerdings soll nach seinem Tode versteigert werden und der Erlös zu gleichen Teilen an seine Kinder gehen, neun hat er insgesamt. Wärend das Schwedische Filminstitut umgehend nach Bergmans Tod die ehemalige Schule auf der Insel erwirbt und darin das neue Bergman-Zentrum einrichtet, träumt die gemeinsame Tochter mit Liv Ullmann, die norwegische Schriftstellerin Linn Ullmann, träumt in einem Zeitungsartikel unmittelbar nach dem Verust ihres Vaters, dass in den Immobilien andere Künstler ein vorübergehendes Zuhause und einen Ort der Inspiration finden.

Nun gibt es wohl unterschiedliche Hinweise, ob sie selbst den millionenschweren norgwegischen Archeologen und Erfindungsgeist Hans Gude Gudesen kontaktiert oder er rein zufällig genau jenen Zeitungsartikel liest. Jedenfalls kommt es zur Versteigerung und er bietet anonym mit. Und zwar derart hoch, dass er damit alle Mitbieter aussticht. So entsteht die Bergman-Stiftung und alles, was mit dem einst weltgrößten Regisseur verbunden ist, bleibt auch zusammen.

Heute kümmert sich Linn Ullmann zusammen mit ihren Halbgeschwistern um die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler, die hier einkehren und für einen Moment leben dürfen mit der Verpflichtung, diser Insel in irgendeiner ihnen fähigen Weise etwas zurück zu geben: sei es eine Ausstellung oder ein Vortrag oder ein Film.

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