Der Kommissar und das Meer

Gotland entdecken | Der Kommissar und das Meer

© Kommunikation für Film & TV Claudia Maxelon
© Kommunikation für Film & TV Claudia Maxelon

Kommissarien och havet, so heißt im schwedischen Original die Romanreihe von Marie Jungstedt, einer bekannten Nachrichtensprecherin und Autorin in Schweden. Unter diesem Titel erschienen verschiedene Einzelgeschichten, welche die Grundlagen für die erfolgreiche deutsch-schwedische Fernsehproduktion bilden. Seit wir Gotland zum ersten Mal besucht haben, schauen wir uns die Folgen des in aller Ruhe und Akribie ermittelnden Kommissars Robert Anders an, eine nach der anderen.

Die Handlung

Im Unterschied zum Roman stammt der Kommissar aus Deutschland, lebt aber nun mit seiner Frau Line (einer Hebamme) und den Kindern Ida und Niklas auf Gotland. Er fremdelt mit der neuen Heimat, begegnet den Menschen respektvoll distanziert, ein wenig scheu.

Angst vor dem Wasser, vor dem Meer hat er – panische Angst. Und so sitzt er oft auf den Klippen oder am Strand, und schaut auf das weite Meer. Verstört, sinnierend, grübelnd. Auch seine Frau fremdelt, allerdings mit der eigenen Familie. Die Insel und die Familie, das wird ihr zu eng. Line verlässt in der achten Folge die Familie, sie flüchtet sich in ein ihr wichtiges Projekt nach Uganda. Derweil geht das Leben des Kommissars mit seinen Kindern irgendwie weiter, alle versuchen, mit der neuen Situation zurecht zu kommen.

Da begegnet Robert Anders der jungen und attraktiven Lehrerin Emma Winnarve. Sie ist alleinerziehend mit ihrem kleinen Sohn Kasper. Beide verlieben sich und als Emma schwanger wird, ermuntern Roberts Kinder ihren Vater, dass Emma endlich bei ihnen einzieht. Bald kommt die gemeinsame Tochter Enya zur Welt. Roberts Kinder ziehen derweil fürs Studium aufs Festland nach Stockholm. Begleitet wird die Vater-Kind-Beziehung zu den beiden großen Kindern von einem Wechselspiel zwischen gegenseitigem Verständnis und Abnabelungskonflikt. So konfrontiert Sohn Niklas beispielsweise seinen Vater ab Folge 20, dass er das Jura-Studium nicht zu Ende führen, dafür aber zu seiner Mutter nach Afrika will.

Privatleben und Ermittlung, das geht beim Kommissar einher, oft in gegenseitigem Erkennen und Verstehen der reflektierten Situationen. So tritt Robert Anders Angst vor dem Meer vor allem immer dann zu Tage, wenn eben eine Leiche im Wasser liegt und er seine innere Blockade überwinden muss, die Situation zu erfassen.

Mit der Zeit werden die Gründe in Bezug zu Robert Anders Angst vor dem Wasser immer sichtbarer, im Verlauf  erfahren wir, dass einst seine Schwester in der See ertrank und er seine Schuldgefühle nicht los lässt- Schuldgefühle, die sein Vater ihm bleibend, wenn auch zu Unrecht, implantiert hat.

Im Ermittlungsalltag begleiten ihn die Rechtsmedizinierin und Polizeiärztin Ewa Svensson und seine beiden Assistenten Karin Jacobsson und Thomas Wittberg. Karin Jacobsson wird allerdings in Folge 12 auf das Festland versetzt. In so manchem Ermittlungsergebnis wird man den Täter verstehen, fast bemitleiden und man beginnt, sich damit auseinander zu setzen, wie mitunter ein Opfer zum Täter wird und seinen eigenen Täter zu einem Opfer macht. Der Kommissar macht vor, wie man mit der nötigen Ruhe und dem Respekt im Umgang mit den Menschen auf der einen Seite für Gerechtigkeit eintritt, auf der anderen Seite den Schuldigen aber nicht gesellschaftlich hinrichtet. Schonungslos wird unser eigener Hang zu Vorverurteilungen offensichtlich.

Unterschiede zur Romanvorlage

Skandinavienkrimis haben Hochkonjunktur. Gerade Schweden hat für uns Deutsche einen hohen Symphatiefaktor, nicht weniger erfolgreich sind dänische, isländische und norwegische Produktionen, oft von den deutschen öffentlich-rechtlichen Sendern co-produziert. Sind skandivaische Krimis durchaus auch brutal, ohne zu übertreiben, berührt der Kommissar und das Meer eine ganz eigene Gefühlsebene.

Vielleicht ist er irgendwo zwischen Inga Lindtsröms schwedisch angehauchtes Herz-Schmerz-Kino und einem Wallander anzusiedeln, auf jeden Fall aber weit weg von einem deutschen Tatort.

Dazu hat man für die Umsetzung des Romans Kommissarien och havet ins Drehbuch die Handlung eingedeutscht. Aus dem schwedischen Kommissar Anders Knutas wird der deutsche Übersiedler Robert Anders. So kann es auch im Original keine Ressentiments gegenüber dem Deutschen geben, im Drehbuch aber schon.

Die Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller

© Kommunikation für Film & TV Claudia Maxelon

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Claudia Maxelon

Der leitende Kommissar:
Ohne Wenn und Aber bringt man mit der Serie Walter Sittler in Verbindung. Ein Schauspieler, den ich bisher eher aus dem Komischen kannte, der irgendwie nicht meinen Geschmack treffen wollte. Dabei war er nie unsympathisch, traf aber einfach nicht meinen Nerv. Doch mit dieser Serie ist er ins ernste Fach gewechselt, fast schon ins Charakterfach. Und da gefällt er mir richtig gut. In meinen Augen hat er hier seine Rolle gefunden. Er wirkt nah, offen und zurückhaltend, vertraut, unterschätzt.

Die Frau des Kommissars:
Sie dürfte uns deutschen Zuschauern eher unbekannt sein, wobei sie durchaus in deutsch gezeigten Filmen wie Die Idioten, Mitfune – Dogmar III, Das Fest oder Open hearts mitwirkte. Sie ist in Dänemark zu Hause, hat eine klassische Schauspielausbildung und Aufführungen an renomierten dänischen Theatern. Unter dem Künstlernamen Paprika Steen arbeitet Kristine Steen selbst auch als Regisseurin. In den ersten 12 Folgen der Serie spielt sie als Line Anders die Frau des Kommissars, die ihre Familie für einen neuen Lebensweg verlässt.

Die Rechtsmedizinerin Ewa Svensson:
Da währe eine Schauspielerin, die mir als Kind oft begegnet ist und auf die ich mich freue, wenn ich endlich alle Episoden zusammen mit meiner kleinen Tochter wieder sehen darf. Eine Neuverfilmung ohne sie wollen wir gar niemals haben, sie ist so, wie ich mir die beste Freundin meiner Tochter wünsche: Pippi Langstrumpf. Doch die freche Göre, die in den Geschichten all das macht, was sie nicht darf und uns dabei in der Geschichte erklärt, was Sozialkompetenz im Alltag bedeutet, ist heute die Rechtsmedizinerin und Polizeiärztin, gespielt von  Inger Nilsson.

Sie konnte an ihrem Kindheitserfolg nicht anknüpfen, vielleicht war Pippi Langstrumpf einfach zu einzigartig, als das man ihr etwas anderes zutraute. Immer wieder hat sie sich auf den kleinen Bühnen Schwedens im Theaterfach versucht – den Kindheitserfolg aber konnte sie nicht mitnehmen. Ihr Zubrot musste sie im alltäglichen Berufsleben als Krankenhaus-Sekretärin verdienen. Mit ihrer neuen Rolle als Polizeiärztin Ewa Svensson, eigentlich einer gestaltenden Nebenrolle, bekommt sie hoffentlich das wohlverdiente und langersehnte Comeback. Eben, weil sie einst die große, starke, kesse Pippi Langstrumpf spielte, wünscht man sich nichts mehr für sie persönlich, als ihr das mit dieser Serie gelinge.

Die Lebensgefährtin des Kommissars, Emma Winnarve:
Nun habe ich einst im Kino in Hamburg gesessen, als einziger Mann, und mir den Film Wie im Himmel angeschaut. Im Nachgang fand sowohl der Soundtrack wie auch die DVD mit zu mir nach Hause. Und wie oft habe ich mir gewünscht, dass jeder Pastor, jede Gemeinde, jeder Ehrenamtler, sich genau diesen Film anschauen möge, um von ihm zu lernen. Neben der Faszination des Inhaltes beeindruckte mich nicht minder die Hauptdarstellerin Lena, im richtigen Leben Frida Hallgren. Sie spielt die neue Lebensgefährtin des Kommissars, steht ihm mit Rat zur Seite und fängt ihn auf, wenn er Angst hat, sich fallen zu lassen.

Die Assistentin des Kommissars, Karin Jacobsson:
Eine Isländerin verschlägt es nach Deutschland, heute lebt sie in Wiesbaden. Vielseitig engagiert ist sie im Theaterfach und Fernsehfilm zu Hause. Den Namen weiß man als Deutscher nicht wirklich auszusprechen und doch fragt man sich, wer sie eigentlich ist. Als Assistentin des Kommissars Karin Jacobsson steht sie Robert Anders in den ersten 12 Folgen zur Seite, bis sie das Drehbuch auf das Festland versetzt.  Das Schauspielfach hat Sólveig Arnarsdóttir an der Hochschule für Schauspielkunst in Berlin gelernt, hat am berühmten Maxim Gorki Theater in Berlin gastiert, ehe sie ans Hessische Staatstheater Wiesbaden wechselte. Vielleicht ist sie uns nicht so bekannt, dafür aber fast durchgehend gebucht.

Der Assistent des Kommissars, Thomas Wittberg:
Wir kennen ihn aus zahlreichen deutschen Episoden in den beliebten Serien und Filmen wie Stauffenberg, Operation Wallküre,  Die Gräfin, Soko Wismar,  Küstenwache, Die Holzbaronin oder In aller Freundschaft. Der US-amerikanisch-deutsche Schauspieler Andreas Thomas (Andy) Gätjen ließ sich an der Webber Douglas Academy of Dramatic Art in England ausbilden und spielt sowohl in US-amerikanischen wie in deutschen Produktionen. Von Anfang an spielt er den Assistenten des Kommissars, Thomas Wittberg. Übrigens ist er mit einer Schwedin verheiratet und nach eigenem Bekunden wohl gar nicht so abgeneigt, eines Tages in den Norden zu ziehen.

Der älteste Sohn des Kommissars, Niklas:
Dieser wird mit der Ausnahme der neunten und zehnten Episode von Sven Gielnik gespielt. Schon früh entdeckte man seine Begabung und förderte ihn entsprechend. So kam es, dass er bereits sein Abitur am Babelsberger Filmgymnasium absolvierte. Von Anfang an  setzt er sich mit Drehbuch, Regie und Schnitt auseinander und realisiert eigene Projekte vom Drehbuchautor über das Schauspiel bishin zur eigenen Regie. Seit 2006 ist der 1994 in Hamburg geborene Sven Gielnik durchgehend im deutschen und US-amerikanischen Filmgeschäft präsent und hat bereits einige Nominierungen erfahren.

Zu seinen schon zahllosen Filmen für Kino und Fernsehen gehören unter anderem Siska, Stadt Land Mord, Der Alte, Soko München, Dschungelkind, Hanni und Nanni, Tatort, Zwei Familien auf der Palme, Notruf Hafenkante…. In Der Kommissar und das Meer spielt er den jugendlichen Sohn des Kommissars, der auf seine Weise versucht, die Flucht der Mutter aus der Familie zu verarbeiten, sich Gehör bei seinem Vater zu verschaffen und sich dabei gleichzeitig auch pubertär abzunabeln. Irgendwann, als er bereits in Stockholm Jura studiert, kommt er nach Gotland, um seinen Vater mitzuteilen, dass er das Studium abbrechen und zu seiner Mutter nach Uganda gehen möchte.

In  den Folgen neun und zehn wird Niklas vom deutschen Schauspieler Leonard Proxauf gespielt. Bereits 2006 begann der im Jahr 1995 geborene Österreicher Schauspieler seine Karriere im Thriller Lohn der Angst in einer Nebenrolle. Von Anfang an ist er durchgestartet und wurde für anspruchsvolle Projekte wie Buddenbrooks, Das weiße Band- eine deutsche Kindergeschichte, Halbschatten, Soko Wismar oder Soko Leipzig engagiert.

Die älteste Tochter des Kommissars, Ida:
Die junge Charlotte Lüder begann ihre Karriere, wie ihr Filmbruder,  bereits 2006. Zu ihren Engagements gehören Rollen in Inga Lindström, Vertraute Angst, Der Novembermann oder auch im Tatort.
Genau wie ihr Bruder leidet Ida unter der Trennung ihrer Eltern und mit dem damit verbundenen Verlust der Mutter. Auch sie befindet sich im beginnenden Abnabelungsprozess, sucht das Gespräch mit ihrem viel beschäftigten Vater und versucht, immer wieder für gegenseitiges Verständnis zu werben. In der 13. Folge zieht auch sie zum Studieren auf das Festland.

Der älteste Sohn der Lebensgefährtin des Kommissars:
Kasper Winarve ist noch klein und spielt den Sohn von Emma, der Lehrerin, die sich in den Kommissar nach dessen Trennung verliebt und irgendwann zusammen zieht. Gespielt wird er von Oliver Hecker, der auf rührende und charmante Weise die heute so normal gewordene Patchwork-Familie präsentiert.

Nationen und Sprachen der Schauspieler:

Der Erfolg der heute so populären skandinavischen Krimis mit deutscher Co-Produktion liegt sicherlich in der Besetzung mit skandvinavischen Schauspielern. Bei Der Kommissar und das Meer gelingt es auf ganz eigene Weise, deutsche Rollen im Millieu Gotlands zu etablieren. So treffen am Set angesehene Schauspielerinnen und Schauspieler aus Schweden, Island, Österreich und Deutschland aufeinander.  Das besondere und für mich persönlich fast unvorstellbare ist das Sprachwirrwarr in der originalen Rohfassung. Denn jeder spricht seine Rolle in seiner Landessprache, erst im Nachgang wird der Schnitt entsprechend ins schwedische oder deutsche synchronisiert.

Und der Erfolg von der Geschicht…

In einem Beitrag der Welt / N 24 zum Start der Serie im Jahr 2007 bemühte sich der Autor, abfällig und recht überheblich das Projekt „Der Kommissar und das Meer“ ins Lächerliche zu ziehen. Fast in gleichem Stil äußerte er sich zur Besetzung mit dem einstigen Kinderstar von Pippi Langstrumpf, Inga Nilsson. Auch dem Hauptdarsteller, Walter Sittler, bescheinigte man mangelnde Erfolgsaussichten. Der Erfolg lässt diesen Artikel in all seiner Respektlosigkeit Lügen strafen, denn auch im Jahr 2018, 11 Jahre nach dem Start, entstehen weitere Episoden. Einfaches Bashing der Öffentlich Rechtlichen macht eben noch keinen kompetenten Journalismus mit Weitblick aus. Einmal mehr haben die Verantwortlichen geziegt, wie sie mit guter Kooperation, einer erstklassigen Besetzung und Gespür für den Zuschauerbedarf qualitativ gute Unterhaltung machen. Das muss nicht jedermanns Geschmack treffen, verblüfft aber Kritiker und motiviert die treuen Gebührenzahler und Zuschauer.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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