Nordseeküste Schleswig-Holstein

Entlang der Nordseeküste in Schleswig-Holstein: Galmsbüll–Rickelsbüll

Wir begeben uns auf die letzte Etappe entlang der Nordseeküste in Schleswig-Holstein und entdecken dabei Galmsbüll, Emmelsbüll-Horsbüll, Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog, Rickelsbüller Koog.

Gefühlt erreichen wir nun eher unbekanntes Terrain, aber vieles an der Nordseeküste ist ja völlig zu Unrecht kaum beachtet. Was ja auch wiederum gut ist, denn solche Regionen sind entgegen den touristischen Hochburgen alles andere als überlaufen.

Das Rad- und Autofahren ist mehr als entspannt, nur selten trifft man Menschen oder stößt auf Gegenverkehr. Was man hier aber antrifft, wenn man sich denn darauf einlässt, ist ein gut erhaltener ehrlicher typisch nordfriesischer Mikro-Kosmos. Beispielsweise Wartehäuschen an Bushaltestellen im Niemandsland. Der findet sich in kaum einem Reiseführer und von uns aus dürfte das am liebsten auch so bleiben.

Betrachtet man die Landschaft aus der Luft, dann fallen die unzähligen Wassergräben auf, die wie feine Adern die Landschaft durchziehen. Sie entwässern das dem Land abgerungene Land und bringen das gesammelte Wasser über die Schöpfwerke zur Nordsee.

So geht es durch Galmsbüll nach Emmelsbüll-Horsbüll und das ist eine Gemeinde, die so energiegeladen und gesellig ist, wie man sich das kaum vorstellen kann. Einst verfügte die Gemeinde über einen Hafen, doch diesen gibt es lange nicht mehr. Heute befindet sich hier die gemeindeeigene Badestelle, gleich neben dem Schöpfwerk. Der alte Sielzug hat hier die Größe eines großen Flusses, bis er an diesem Schöpfwerk ankommt. Malerisch zieht er sich durch die flache Landschaft. Die Gemeinde stellt kostenfrei einige Strandkörbe auf, hält Duschen bereit und einen kleine Spielplatz nahe der Badestelle. Traumhaft schön und nordfriesisch bescheiden ist dieser Ort, an den wir uns immer wieder erinnern und den wir nicht zum ersten Mal besuchen. Das Restaurant neben dem Schöpfwerk, so abgelegen und verschlafen wirkend wird von vielen aus der Region oder gar von weiter weg angesteuert, weil es hier in herzlicher Umgebung richtig tolles regionales Essen gibt, aber auch leckere schwäbische Kost.

Wir sind gerührt von so viel Engagement eine solch kleinen Gemeinde und fühlen uns einfach willkommen und zuhause. Dass Emil Nolde sich unweit niedergelassen und diese Landschaft liebevoll portraitiert hat, wundert nicht.

Von Emmelsbüll-Horsbüll führt nun die schmale Hauptstraße nach Klanxbüll und hier hilft es auch nicht, weiter über den Deich nach Norden zu kommen. Aber es lohnt sich, soweit wie möglich über den Deich oder eben nahe am Deich. Denn nun kommt der Friedrich-Willhelm-Lübcke-Koog. Das ist der jüngste Koog in Schleswig Holstein und er wurde erst im Jahr 1954 durch Eindeichung vom Meer getrennt und in den folgenden Jahren entwässert.

Da Schleswig-Holstein nach dem zweiten Weltkrieg sehr viele Flüchtlinge aufgenommen hat, brauchte man neues Siedlungsland und setze damit das größte Landgewinnungsprogramm der Nachkriegszeit um. Unverstellbare 8,5 Kilometer Außendeich entstanden, 41 Höfe fanden hier eine neue Heimat.

An der nödlichen Grenze dieses Kooges befindet sich der nördlichste Bahnübergang Deustchlands, auf der Verbindung von Niebüll über den Hindenburgdamm auf die Insel Sylt nach Westerland. Allerdings ist er für normal Sterbliche nicht passierbar, ein verschlossenes Gatter und entsprechend hoher Zaun verhindern ein Überqueren Unbefugter. Und doch treffen sich hier Dänen und Deutsche, halten die Fahrpläne in der Hand und ihre Teleobjektive bereit, um die im Grunde doch immer gleichen Zugpaare abzulichten und in ihre Sammlung aufzunehmen.

Nun ist sicherlich der ein oder andere versucht, entlang des Hindenburgdammes nach Sylt hinüber zu wandern. Davon kann man aus Sicherheits- und Kostengründen nur dringend abraten. Denn umgehend würde der Bahndann gesperrt und die Bundespolizei mit ihren Hubschraubern angefordert. Die Rechnung für diese Aktion käme postwendend nach Hause.

Billiger und ebenso korrekt ist also der Weg nach Klanxbüll mit seinem Bahnübergang am Bahnhof, der letzten Zusteigemöglichkeit nach Sylt. Hier geht es ganz legal über die Gleise und dann in Richtung Deich zurück, um über selbigen die letzte Etappe bis zur deutsch-dänischen Grenze zu nehmen. Mit dem Auto hält man sich auf den schmalen Wegen dann in Richtung des westlichsten Grenzüberganges nach Norddeich–Siltoft nach Dänemark und biegt die letzte Möglichkeit in westliche Richtung ab. Hier geht es wieder in Richtung des Deiches, allerdings liegt der größte Teil dieser Straße bereits auf dänischem Boden.

Südlich befindet sich das schöne Naturschutzgebiet Rickelsbüller Koog, gleich gegenüber auf der nördlichen Straßenseite der Margarethen-Koog in Dänemark. Der Parkplatz am Ende der Straße vor dem Deich befindet sich schon wieder auf deutschem Boden. Genau auf der Grenze erinnert ein Findling in dänischer und deutscher Sprache an den gemeinsamen Deichbau, während schon fast in der Nordsee der letzte deutsch-dänische Grenzstein mit der Nummer 280 wartet. Hier ist die Tour entlang der Nordseeküste in Schleswig-Holstein zu Ende. Über den Deich ist ein Weitergehen nach Dänemark nicht möglich, dazu nutzt man die schmale Straße am Grenzübergang, die geradewegs nach Hoyer führt.

Immer wieder zieht es uns an diesen gemeinsamen Deich, der sicherlich einer der abgeschiedensten Orte Deutschlands sein dürfte, an dem sich aber immer wieder Menschen aus ganz Skandinavien, Deutschland und den Niederlanden treffen.

Aber Lust macht sich breit, die Tour weiter entlang der dänischen Nordsee zu beschreiben und damit eine ganz andere Seite der Nordsee und dem länderübergreifenden Nationalpark Wattenmeer zu entdecken.

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