Nordseeküste Schleswig-Holstein

Entlang der Nordseeküste in Schleswig-Holstein: Friedrichskoog

Wir begeben uns auf die Etappe südlich der Meldorfer Bucht entlang der Nordseeküste in Schleswig-Holstein und entdecken dabei den Kaiser-Wilhelm-Koog + Friedrichskoog

Vom Neufelder Yachthafen geht es nun weiter in nordwestliche Richtung, nur weite flache Felder, hin und wieder ein kleines Gehöft oder eines der Windräder liegen zwischen der schmalen Straße und dem Deich. Überall ziehen Traktoren ihre Bahnen und ebnen die Felder im größten zusammenhängenden Kohlanbaugebiet Europas. Die noch vielen leeren Holzboxen, fein sauber in Palettengrößen gestapelt, warten auf den Herbst, wenn hier etwa 80 Millionen Kohlköpfe geerntet werden. Das dem Meer abgerungene Land, als Koog bezeichnet, ist äußerst fruchtbar und bietet ideale Anbaubedingungen. Die salzige und permanent frische Luft tut ihr übriges und so bekommt der Kohl aus Dithmarschen seinen einzigartigen Geschmack.

Hin und wieder trifft man auf die schwarz-bunten Kühe, auf die Schafe mit ihren Lämmern oder Ponys mit ihren noch etwas tollpatschigen Fohlen. Zur Landseite hin wechselt eine Ansammlung von Windrädern die andere ab und wir entdecken die neuen riesigen Masten der Westküsten-Stromautobahn, die bis hin nach Dänemark reichen wird.

Friedrichskoog: Dann kommt Friedrichskoog, bekannt vor allem durch seine Seehundaufzuchtstation. Das Neueste ist der riesige, von weitem sichtbare Wal aus Beton und Glas. Im Inneren geht es lebhaft zu, hier gibt es alles, womit man Kinder bespaßen lassen kann, wenn man es selbst nicht hinbekommt.

Die schönste Attraktion, sozusagen die Seele von Friedrichskoog, ist dem Rotstift des Landes Schleswig-Holstein zum Opfer gefallen. Sie hat kurzerhand gnadenlos den malerischen Fischkutterhafen geschlossen und ist eifrig dabei, die Schleuse gegen ein Pumpwerk zu tauschen, um unwiederbringlich Fakten zu schaffen. Das Hafenbecken ist nunmehr ein rechteckiges leeres Loch und wartet als zukünftige Kulisse für einen weiteren Part der Rubrik „Disneyland in Schleswig-Holstein“.

Denn mit viel Geld will man dieses Hafenbecken nun touristisch aufwerten, dabei gibt es in Schleswig-Holstein kaum schönere Attraktionen als die Menschen mit ihrem Zuhause, in diesem Fall dem Fischerhafen, vor Ort. Seele wird hier gerade gegen inhaltsleere Kulissen getauscht und man hat noch nicht einmal zwei, drei Kutter als Dekoration stehen lassen, die vielleicht nette kleine Fischlokale hätten werden können.

Der Friedrichskoog ragt deutlich in die Nordsee hinein, der nordwestlichste Punkt des Kooges wird auch als Friedrichskooger Spitze bezeichnet. Deiche und Schafe wechseln sich ab mit Schafen und Deichen und das Watt glitzert in der Sonne. In großem Bogen geht es entlang des Deiches und wird erst unterbrochen durch den Trischendamm. Etwa 2200 Meter kann man auf diesem direkt und trockenen Fußes durch das Watt gehen und ist dann dicht an der wandernden Vogelinsel Trischen.

Gleich gegenüber liegt die einzige Erdölplattform des deutschen Wattenmeeres, die Bohrinsel Mittelplatte. Sie ist bereits vom Deich aus zu sehen. Auf dem Festland liegt gleich hinter dem Deich ganz unscheinbar die dazugehörige Pumpstation.

Der Trischendamm entstand erst in den Jahren 1934 – 1936. Grund für den Bau war ein sehr aktiver Priel, der die Deiche in diesem Bereich mit seiner Längsströmung immer wieder unterspülte und den Küstenschutz gefährdete. Das war nicht nur eine Gefahr für Friedrichskoog, denn wenn an einer Stelle der Deich bricht, kann sich das Wasser in weite Teile Dithmarschens und Nordfrieslands ergießen. Der Bau des Trischendammes war sehr aufwendig. Viele Zugladungen mit Basaltsteinen wurden aus der Rhön angefahren und im Watt zum heutigen Damm geformt. Heute hat dieses unscheinbare aber so elementar wichtige Küstenschutzbauwerk seine ganz eigene Ausstrahlung und zieht immer wieder neugierige Besucher ins Watt.

Die Nordseite des Friedrichkoogs ist zugleich auch die südliche Begrenzung der Meldorfer Bucht. Und diese schauen wir uns nun genauer an.

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