Nordseeküste Schleswig-Holstein

Entlang der Nordseeküste in Schleswig-Holstein: Eiderstedt

Wir begeben uns auf die südlichste Etappe Nordfrieslands entlang der Nordseeküste in Schleswig-Holstein und entdecken dabei die Halbinsel Eiderstedt, das Katinger Watt, Vollerwiek und St.Peter-Ording.

Das Katinger Watt: Auf der nördlichen Seite des Eidersperrwerkes liegt Nordfriesland. Landschaftlich so gleich wie Dithmarschen und doch kulturell wieder ganz anders. So gibt es die dauernde Rivalität zwischen den beiden Regionen und Kreisen, die aber wohl mehr ins Reich der Fabeln gehört. Denn das Meer mit seiner mal sanften, dann wieder sehr schroffen Art verbindet die Menschen südlich und nördlich der Eider und so unterschiedlich sie zum Teil leben, so sind sie sich doch sehr ähnlich. Ein bisschen wortkarg, ein bisschen schroff, aber ehrlich und herzlich. Macher sind das, was anderes könnte die Umgebung auch nicht gebrauchen. Denn hier wird zugepackt ohne groß zu schnacken.

Nicht ohne Grund gibt es seit vielen hundert Jahren Deiche entlang der Küste, und das bereits zu Zeiten, zu denen man sich vielleicht eine primitive Schubkarre vorstellen lonnte aber niemals einen großen Bagger. Und zu Zeiten, wo eine Sturmflut die ewig aufwendige Arbeit an den Deichen im Nu zerstörte und weit ins Land eindrang, den Menschen alles nahm und bittere Armut und Tod hinterließ. ewig ist der Kampf ums Überleben an der Küste und auch heute kehrt so mancher Seemann nicht unbeschadet zurück.

So kommt es nicht von ungefähr, dass mit dem Eidersperrwerk ein aufwendiges Küstenschutzprojekt entstand, nachdem im Jahr 1962 die Sturmflut an Höhe alles bisher gekannte übertraf. Die Eider transportierte die Gezeiten bis weit ins Landesinnere, bis zu 40 Kilometer konnten die Auswirkungen sich bemerkbar machen. Dass solches nicht noch einmal passierte, sollte fortan durch das Eidersperrwerk und den damit verlängerten Betondeich verhindert werden. Und so wurde das Katinger Watt von der Nordsee abgetrennt und zu einem einzigartigen Naturschutzgebiet.

Die flache Landschaft ist teils mit Bäumen bewachsen, überwiegend jedoch offen. Östlich befindet sich ein recht großer See, das Katinger Siel. An deren Ufer wartet in einem kleinen roten Schwedenhäuschen ein gemütliches Café, gleich gegenüber vom Deich ein großer Parkplatz und ein kleiner Fischimbiss. Weiter nördlich kommen Vogelbeobachter auf ihre Kosten. Etwa 100 Meter vom Deich entfernt erinnert der hölzerne Aussichtsturm an alte Leuchtfeuer, wie sie im Watt aufgestellt wurden.

Vollerwiek: Das Katinger Watt befindet sich bereits auf der Halbinsel Eiderstedt, vor allem bekannt durch das berühmte St.Peter-Ording und die malerische Hafenstadt Tönning. Nachdem wir das Katinger Watt hinter uns gelassen haben, halten wir uns in westlicher Richtung. Denn Eiderstedt ragt als Halbinsel in die Nordsee hinein. Bekannt ist Eiderstedt durch seine 18 historischen Kirchen. Eine davon ist in Vollerwiek zu bestaunen. Das romanische Backsteingebäude stammt aus dem Jahr 1113 und wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Sie ist täglich zur Andacht, zum Innehalten und zum Anschauen geöffnet zwischen 08.00 Uhr und 18.00 Uhr.

Beliebter Treffpunkt ist aber auch der Deich an der Badestelle Vollerwiek. Bleibt man auf dem Deich, kommt man unweigerlich vorbei, nimmt man die Straße, dann empfiehlt sich die erste Abzweigung nach Westen nach dem Eidersperrwerk. Der DLRG motivert jedes Jahr Menschen, die hier ganz freiwillig ohne finanzielle Gegenleistung darauf achten, dass nichts passiert. Vielen Dank Euch ehrenamtlichen Helfern.

St.Peter-Ording: Entlang geht es nun den Süderdeich nach Westen, der in nördliche Richtung verlaufenden Westerdeich über die gleichnamigen Straßen in die Gemeinde Westerdeich. Und hier liegt irgendwie die Ruhe vor dem Sturm in der Luft. Denn in Sichtweite liegt St.Peter-Ording mit seinem gut ausgebauten und expandierenden Tourismus-Angebot. Aber Erfolg vernichtet immer auch ein Stück Identität, was man zunehmend an der Architektur, aber auch an dein Einträgen im Grundbuchamt feststellen kann. Die Preise selbst liegen sicherlich schon auf Sylt-Niveu. Trotzdem hat St.Peter Ording seine vielen schönen Seiten, die wir vor allem oft außerhalb der Saison entdecken. Die Küste gehört unbedingt dazu.

Da sind die legendären Pfahlbauten, die der Reihe nach nun etwa 100 Meter landeinwärts wandern, da die Nordsee jedes Jahr sieben Meter näher heran rückt. Die Erderwärmung lässt grüßen und sich hier ganz realistisch erleben.

Ewig lange Wege für Radfahrer und Fußgänger führen auf Stegen durch die Salzwiesen, entlang der Deiche oder durch die kleinen Küstenwälder mit ihren lauschigen Pfaden. Nur in St.Peter-Ording darf man in Deustchland mit dem Auto auf den Strand fahren, zum besonderen Vergnügen der Autoindustrie. Denn Salz, Wasser, Sand, Sonne und Wind sind die Zutaten, von denen Karosseriewerkstätten träumen.

Und doch sind durch den befahrenen Sandstrand die VW T3 Busse Kult geworden und haben sich mit der damaligen ZDF-Serie „Gegen den Wind“schlagartig ins Reich der einzig wahren Surf-Mobile katapultiert. Nicht ohne Grund ist daher heute VW mit seinen Bullis Hauptsponsor manches internationalen Surf-Events. Und nicht ohne Grund kann ich mich nicht von meinem alten VW T3 trennen.

St.Peter besticht durch seinen weitläufigen und unbeschreiblich breiten Sandstrandund wird nur durch seine Dünen begrenzt. Natürlichen Sandstrand hatten wir ja bisher auf unserer Tour noch nicht. Und so trifft sich hier der Surfer, der Drachensteiger, der Sonnenanbeter, der Cruiser, der Spaziergänger und Radwanderer, um diese einzigartige Athmosphäre in sich aufzunehmen. 

Die ersten der legendären Pfahlbauten werden in St.Peter Ording Böhl sichtbar. Stege führen durch die Salzwiesen auf den entfernten Strand zu diesen einzigartigen Gebäuden. Haben wir diese erst einmal erreicht, fühlen wir diesen ganz eigenen Kosmos, in dem wir uns hier befinden. Im Ortsteil Böhl wartet auch der spannende Tier- und Freizeitpark „Westküstenpark“ auf große und kleine Besucher. Ich habe in meinem Leben noch nie so große Esel gesehen wie hier und natürlich gibt es auch Robben, die hier ihr Zuhause gefunden haben.



Sind wir erst einmal auf Höhe St.Peter Ording Bad angelangt, wartet die lange Seebrücke auf uns, an deren Seite Gosch eines seiner Restaurants betreibt und die Menschen alleine aufgrund seines Namens hier her zieht. Zugegeben, es schmeckt auch und die Atmosphäre ist betriebig nett. Nur wenige Gehminuten wartet das Feinheimisch-Hotel Ambassador mit seiner nachhaltigen Küche und dem Wellnessbereich. Im Idealfall hat man hier gerade von den oberen Etagen einen weiten Blick über die Halbinsel Eiderstedt.

Schaut man über die riesige Sandfläche in nördliche Richtung, ist der trubeligste Strandabschnitt nicht weit. Im Prinzip endet die Bundesstraße B 202  fast auf dem berühmten Strandparken. Wer hier auf die mehr als 15 Fußbal felder große Fläche hinauf will, darf erst einmal bereitwillig zahlen. Was in Dänemark kostenfreies Allgemeingut ist, wird hier in klingende Münze umgewandelt. Etwa sechs Euro pro Fahrzeug und noch einmal drei Euro pro Insasse sind zu berappen. (Angaben ohne Gewähr). Platz währe auf der riesigen Fläche für 5000 Fahrzeuge, dann würden bei den Gemeindevertretern garantiert noch mal die Korken fliegen.

Festfahren, sich beim Abschleppen rammen oder durch aufkommende Flut ein absaufendes Auto  zu bewundern- alles inklusive. Maximal 30 km/h sind hier erlaubt, aber wie zuvor angemerkt, dem Auto tut man keinen Gefallen. Das Salz in dieser Umgebung ist so aggressiv, dass es wie ein guter Rostbeschleuniger wirkt.

Und doch ist der Besuch auf jeden Fall zu empfehlen, will man die ganzen Surfermobile bestaunen, VW-Busse in allen Varianten, coole Leute und jede Menge Spaß antreffen. Surfen ist hier angesagt und manche Sprünge kommen bis zu sechs Meter aus dem Wasser. Wer sich also auf die Terrasse eines der Pfahlbauen begibt, ist auf Augenhöhe mit jenen Wasserakrobaten. 

Von hier aus entdeckt man schon in der Ferne Deutschlands berühmtesten und schönsten Leuchtturm, der sich für keine Werbung zu schade ist und den wir in Kürze erreichen werden- den Leuchtturm Westerheversand.

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