Nordseeküste Schleswig-Holstein

Entlang der Nordseeküste in Schleswig-Holstein: Beltringharder Koog – Hamburger Hallig

Beltringharder Koog, fotografiert mit Leica M7 und Elmarit M 2.8 28 asph. new auf Kodak Portra 160 | mare.photo
Beltringharder Koog, fotografiert mit Leica M7 und Elmarit M 2.8 28 asph. new auf Kodak Portra 160 | mare.photo
Wir begeben uns auf die 12. Etappe entlang der Nordseeküste in Schleswig-Holstein und entdecken dabei den Beltringharder Koog, die Gemeinde Reußenköge und die Hamburger Hallig.

Eine elend lange Straße führt immer gerade aus nach Westen. Der alte Slogan „Go West“ bekommt hier eine ganz neue Definition. Nur diese Straße führt an die Nordsee und nur diese führt auch wieder weg. Außer natürlich, man nimmt den Deich. Links und rechts gibt es große Wasserstellen und entsprechend ungestört, weil gut geschützt, fühlen sich dort die Vögel. Ein kleines Beobachtungshaus liegt unweit der recht ruhigen Straße, auf der man langsam zu fahren hat.

Radfahrer und Wanderer sind natürlich gleich über den Deich gekommen und machen am Rastplatz, einem kleinen Bistro, halt. Hier hat auch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ihren Bauhof und zugleich gibt es hier so etwas wie die Eisenbahn aus der Geschichte von Jim Knopf. Denn auf den schmalen Gleisen, die über den Deich führen und dann quer durch das Wattenmeer, transportieren die Menschen der Hallig Lüttmoorsiel ihr Hab und Gut, sich selbst und ihre Gäste. Diese Vehikel muten zum Teil eigenartig an, es sind echte Unikate. Und so träume ich davon, eines Tages einmal selbst Mitreisender auf genau dieser Zugverbindung zu sein, welche es in dieser Form noch einmal witer nördlich geben wird.

Das schöne für die Nutzer des Deiches ist wohl die Aussicht, ist doch dieses Küstenschutzbauwerk die höchte Erhebung in diesem weiten Land. Wir genießen immer wieder aufs neue den Blick über das Meer wie auch über das Land. Auf der Deichkrone oder auf seinen komfortablen Versorgungswegen geht es nun geradewegs entlang der Reußenköge in den Norden bis zur Hamburger Hallig. Wir selbst sind mit dem Auto unterwegs und werden, zunächst ein wenig unter dem Motto „Go East“ Anschluss finden an die Hauptstraße der Reußenköge, die weniger befahren ist als mache Dorfstraße. Sie führt durch weite Felder mit zahlreichen Farmgebäuden, die fast allesamt weiß gestrichen und mit einem grünen Metalldach bedeckt sind. Genauso weiß sind die hunderte von Windmeilern, hier wird Strom geerntet, denn Wind gibt es reichlich, ganz ohne Dünger. Aber durch den Dünger und unser Verhalten in Sachen Erderwärmung wird er hier auch vielleicht noch heftiger.

Wer jedenfalls von Bredstedt oder Breklum hierher findet, wird bereits im Vorfeld schon durch so manchen Deich fahren, ohne dass dieser am Meer liegt. Zumindest heute liegt er nicht mehr am Meer. Das war mal anders. Die kompletten Reußenköge sind einmal Wattenmeer gewesen und wurden durch Eindeichungen zu fruchtbarem Ackerland.

Irgendwann weißt auf der gerade Straße ein Schild zur Hamburger Hallig. Diesen Weg habe ich schon unzählige Male genommen, weil für mich die Hamburger Hallig ein ganz persönlicher Ort ist. Folgerichtig haben wir dort auch im eigenen Trauzimmer des Hallig Kroges geheiratet. Der Inhaber des Halligkroges dürfte zumindest echten Traumschiffguckern bekannt sein, denn er hat als echter Chefkoch des Traumschiffes zum Schluss immer das Essen hereingebracht mit Musik und Wunderkerzen und seinen Servicekräften im Gefolge. Eine dieser Servicekräfte hat er sogleich mit an Land genommen, sie serviert die zauberhaften Speisen.

Aber um zum Hallig Krog zu kommen, bedarf es Muskelkraft oder vier Euro. Denn, der Weg kostet Geld. Dabei sind diese vier Kilometer wunderbar zu Fuß oder mit dem Rad zu schaffen. Direkt am Zugang zur Hamburger Hallig kann man günstig Räder mieten, sogar mit Kindersitz. Hier befindet sich auch da Amsinck-Haus mit viele touristischen Informationen und Mterialien zum Wattenmeer. Toiletten und eine Dusche sind hier kostenfrei nutzbar. Gleich neben dem Gebäude gibt es einen Parkplatz und einen Wohnmobil-Stellplatz. 

Ein Damm führt auf die Hallig, die eine ganz spannende und rührende Biografie hat. Zahlreiche Entwässerungsgräben durchziehen die Weite, immer wieder halten Zäune die Schafe zurück. Man selbst sollte unbedingt auf den Wegen bleiben, weil zum einen nichts anderes erlaubt ist und zum anderen man im Schlick bis in die Hüften einsinken und sich dann unter Umständen nicht mehr befreien kann. Das gilt übrigens für alle Priele.

Der Damm ist selbst nur in den Sommermonaten befahrbar, anschließend bleibt die Schranke zu und der Krog geschlossen. Gerade in der Zeit der Herbst- und Winterstürme kann es hier sehr ungemütlich und nass werden, dann ist die komplette Hamburger Hallig bis auf die Warft mit dem Krog Überschwemmungsgebiet. Im Sommer dagegen gibt es eine Badestelle mit Metallleiter zum Watt, um nasse und schmutzige Füße zu bekommen.

An dieser Stelle aber auch noch einmal grundsätzliches für das Betreten des Watts. Falsches Verhalten ist schlicht lebensgefährlich und löst im Idealfall einen aufwendigen Rettungseinsatz aus. Bei einsetzender Ebbe nicht hinausschwimmen, da man hinausgezogen wird und gegen die Strömung ankämpfen müsste.

Ist das Wasser erst einmal weg, ist eine Wattwanderung toll. Diese wird sogar mit einem Führer angeboten und da sollte man nicht geizen. Denn wer weiß, wie lang schon Ebbe ist und wann die nächste Flut einsetzt. Wenn die Flut kommt, dann kommt sie in Minuten und das Wasser steht meterhoch. Wer zwei Kilometer weit rausgelaufen ist, schafft das nicht, zurück zu schwimmen.

Zudem ist das Watt eine echte Nebelfalle. Nebel kann so schnell kommen wie die Flut. Ohne Kompass gibt es dann keine Orientierung mehr, eine Rettung im Nebel ist ziemlich augeschlossen. Deswegen zur eigenen Sicherheit gerne zur lAngeweile des Rettungspersonals beitragen  und statt dessen lieber den Wattführer auf Trapp halten. Ein Treffpunkt für solche Wattführungen ist der Halligkrog.

Nun geht es wider zurück bis an den Deich, von hier aus für die unmotorisierten Entdecker auf dem Deich bis zum Hauke-Haien-Koog zunächst noch durch die Reußenköge, dann an Ockholm vobei.

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