Historische Schiffe

Eimerkettenbagger Wels

Hansestadt Lübeck an der Trave | © weites.land
Eimerkettenbagger Wels in Lübeck an der Trave | © weites.land
Es ist ein Schwimmbagger ohne eigenes Ruder und ohne eigene Maschine. Ein Schlepper muss ihn an den Ort bringen, wo er gebraucht wird. So gehört er zu den absoluten Besonderheiten des Museumshafens in Lübeck.

Das heute etwa 20 Meter lange und 4.80 Meter breite Gerät wurde 1936 bei der Lübecker Maschinen Gesellschaft gebaut und auf den Namen „Wels“ getauft. Man wählte wohl einen Flussfisch als Namensgeber, denn für die Ströme Lübecks war der Bagger konzipiert. Vor allem die Wakenitz und die Trave sollten mit der Wels freigehalten werden.

Hansestadt Lübeck an der Trave | © weites.land

Eimerkettenbagger Wels im Museumshafen Lübeck | © weites.land

Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn sich die sieben Tonnen schwere Kette mit ihren 32 stählernen Eimern ratternd und quietschend in den Grund gräbt. Jeder der Eimer hat ein Fassungsvermögen von 45 Litern. Der luftgekühlte 12-Zylinder-Deutz-Dieselmotor mit 350 PS tut sein übriges dazu.  Im Betrieb wurde das geförderte Gut auf eine längsseitige Schute geladen, mit der es dann abtransportiert wurde.

Vier Menschen bilden auf der Wels die komplette Besatzung, sie haben einen kleinen Aufenthaltsraum, einen Maschinenraum mit kleiner Werkbank und der Baggerfahrer zusätzlich ein kleines Arbeitshäuschen. Für die Besatzung war die Arbeit laut und schwer und nach dem zweiten Weltkrieg auch sehr gefährlich. Denn immer wieder wurde Munition zutage gefördert. Aus diesem Grunde wurde sogar eine Gefahrenzulage gewehrt, doch zum Glück ist nie etwas passiert.

Niedrig geht es hier zu. ganz gerade stehen kann die Besatzung hier nicht. Erst 1957 bekam die Wels ihre heutigen Dimensionen im Zuge eines Umbaus. War sie zunächst nur 14 Meter lang bei einer Fördertiefe von vier Meter, konnte fortan bis auch acht Meter Tiefe gegraben werden. Das war dem geänderten Schiffsverkehr angepasst. Insgesamt bringt das heute sichtbare Fahrzeug stolze 55 Tonnen auf die Waage.

Erst 1991 wurde die Wels außer Betrieb genommen, sie sollte umgehend verschrottet werden. Doch der Museumshafen Lübeck e.V. nahm sich ihrer erfolgreich an, sanierte sie mit viel Unterstützung auch in Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und kann mit ihr heute ein besonderes Kapitel maritimer Geschichte in Lübeck erzählen.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

Schreibe uns Deine Meinung