Regionen

Eiderstedt

Halbinsel Eiderstedt
Halbinsel Eiderstedt | © weites.land

Südlich der Kreisstadt Husum auf dem Weg nach St. Peter-Ording ragt die Halbinsel Eiderstedt in die Nordsee. Früher gab es hier drei Inseln, doch bereits vor etwa 1000 Jahren begann man, der Nordsee durch den Deichbau das Wasser abzugraben und Land zu schaffen. So wurde aus den drei Inseln Everschop bei Garding, Uthholm bei Tating und Eiderstedt bei Tönning die riesige Halbinsel Eiderstedt. Der ehemalige Meeresboden ist sehr fruchtbar und ertragreich für die Landwirtschaft, doch die Haupteinnahmequelle kommt heute aus dem Tourismus. Das ist nicht ohne Grund so, denn Eiderstedt bezaubert mit seinen vielen Ausflugszielen, ganz gleich, ob Strand, Kirche, Museum oder Café.

Der Rote Haubarg
Der Rote Haubarg

Der Rote Haubarg | © weites.land

Ein Besuch des Roten Haubargs ist ein guter Einstieg, die Halbinsel Eiderstedt zu entdecken. Südlich von Husum, fast schon in Witzwort, steht der historische Bauernhof. Er stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist dann doch nicht rot, sondern strahlt unter seinem riesigen Reetdach in leuchtendem Weiß.

Liebe geht durch den Magen, deswegen besuchen wir als erstes das urige und gemütliche Café. In verschiedenen Stuben haben hier bis zu 95 Gäste Platz und wir fühlen uns gleich wohl bei diesen niedrigen Decken und den kleinen Sprossenfenstern. Im Sommer gibt es sogar eine schöne Terrasse mit 80 Sitzplätzen. Aber am schönsten ist es, hier drinnen zu sitzen, wenn es draußen so richtig ungemütlich ist und der Wind pfeift. Dann bestellt man den Pharisäer oder die Tote Tante, beides typische Getränke für diese Region. In einem eigenen Artikel haben wir diese Spezialitäten beschrieben.

Wenn man auf die Idee kommt, sein Familienfest oder seine Weihnachtsfeier im Roten Haubarg auszurichten, sollte man schnell sein, die Nachfrage ist groß. Aber der Saal, ein ehemaliger Stall,  bietet nochmals Platz für 70 Personen. Dabei war das alles mal ein Haubarg, also ein Bauernhof, so ein echter friesischer.

Der Rote Haubarg

Der Rote Haubarg | © weites.land

Aber die Inhaber sind sehr bemüht, die Geschichte am Leben zu erhalten und haben ein kleines Museum integriert. Es vermittelt ein Gefühl, wie es war, das Leben auf dem Lande, bei Ebbe und Flut, bei tobender Sturmflut. Hier sind die Maschinen und Geräte der letzten Jahrhunderte zu sehen, die man für die Bewirtschaftung eines Haubarges benötigte. Schautafeln und Modelle geben Einblick in diese einzigartig konzipierten Bauernhöfe.

Auf Anfrage gibt es für Gruppen auch eine Führung. Wer hier schon einmal war, der wird wiederkommen und neue Gäste mitbringen. Und die werden bestätigen, dass es einmalig schön hier ist. Informationen gibt es unter roter haubarg

Herrenhaus Hoyerswort

Hoyerswort habe ich vorher noch nie gehört. Aber nun wurde es Zeit, es zu entdecken. Hoyerswort ist der ehemalige Adelssitz auf der Halbinsel Eiderstedt. An diesen erinnert eine der schönsten Renaissancebauten in Schleswig-Holstein. Das zweiflügelige Gebäude mit seinem achteckigen Treppenturm und den geschweiften Giebeln stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Es gleicht einem kleinen Schloss und war ein Geschenk von Herzog Adolph von Gottorf an seinen Vertrauten und Berater Caspar Hoyer, der mit dem Gut auch 200 Hektar Land bekam. Er wurde der reichste Mann auf Eiderstedt. Das Gebäude ist eines der ältesten Gutshäuser in diesem Stil. Mit der zugehörigen Haubargscheune und einem doppelten Wassergrabensystem steht es heute unter Denkmalschutz. Nun erwacht es wieder zu neuem Leben.

In der schönen Anlage befindet sich heute eine Töpferei, ein Museum und ein Café. Informationen gibt es unter Hoyerswort

Museums-Café Alte Schule Warmhörn

Eiderstedt brauchte eine Schule. So wurde im Jahr 1874 das im englischen Stil gehaltene Gebäude errichtet. Dieser Stil war zu der Zeit groß in Mode und sollte die Region etwa 20 Jahre lang beeinflussen. Optisch in zwei Hälften geteilt, liegt der Eingang für die Lehrer in der Mitte. Von dort aus geht es links in die Lehrerwohnung und rechts in das Klassenzimmer. Das nennt man integrativen Unterricht: Ein Raum für alle Klassen.

Aber die Zeit ist vorbei, das Gebäude wurde gründlich saniert und im Original erhalten. Da lohnt glatt ein Besuch. Heute wird man hier nicht mehr belehrt, aber man entdeckt vielleicht einen Teil seiner eigenen Geschichte. Ich setze mich auf eine dieser Schulbänke und lasse diese einzigartige Umgebung auf mich wirken. 100 Jahre lang saßen hier die Schülerinnen und Schüler an ihren Pulten, schrieben mit Kreide an die Tafel und nahmen den Griffel für ihre Rechenaufgaben.

Ich entdecke die alten Lehrmaterialien und die Schulhefte, sie wurden von den ehemaligen Schülern an den Ort des Geschehens zurückgebracht. Es gab schon einige Schul- oder Klassentreffen in diesem Raum, aber es gibt auch Raum für meine eigenen Erinnerungen, selbst, wenn ich nicht an dieser Schule war. Was man früher nicht durfte, dazu ist man heute gegen Eintritt eingeladen.

Auf Wunsch wird Kaffee und Kuchen ans Pult gebracht. Auf dem Pausenhof geht es heute leiser zu, aber genauso munter. Denn hier ist ein kleines Gartencafé mit der vermutlich umfangreichsten Tagliliensammlung Nordfrieslands. Ach ja, alles ist im Original erhalten, alles. Wer also muss, muss ab in den Stall – wie früher eben. Hinzugekommen ist eine mittlerweile sehr beliebte Galeriescheune.

In den Monaten Mai bis Oktober finden hier wechselnde und spannende Ausstellungen statt. Informationen gibt es unter Alte Schule Warmhörn

So toll dieses Ausflusgziel ist, so hat es einen echten Wermutstropfen. Wir haben die Inhaberin als recht unfreundlich und unhöflich erlebt. Dieses wurde uns auch von anderen Gastgebern bestätigt. Gerne täuschen wir uns und hoffen, dass Sie bessere Erlebnisse an diesem wirklich tollen Projekt haben. Gerne hätten wir an dieser Stelle Bilder gezeigt, doch wurde uns das Fotografieren für diesen Artikel verwehrt.

Alter Kaufmannsladen in Tetenbüll
Haus Peters Tetenbüll

Haus Peters Tetenbüll | © weites.land

Wo kann man besser den Zusammenhang von Wohnen und Arbeiten im Umfeld von Dorf und Landschaft erleben als im Haus Peters? In diesem befindet sich der ehemalige Kolonialwarenladen von 1820. Hier kann man immer noch das ein oder andere erwerben und das im mittlerweile musealen Umfeld. Das Haus wird auch als Galerie mit wechselnden Ausstellungen gerne besucht.

Eine weitere Besonderheit ist das „Horst Janssen Zimmer“ in der Giebelstube. Hier werden Exponate des bekannten Künstlers Horst Janssen (1929-1995) gezeigt, zu sehen sind die „Eiderlandmappe“, Radierungen aus der Witzworter Zeit, ein Querschnitt seiner Plakatkunst und der „Janssenhof“. Hinter dem beeindruckenden Kaufmannsladen wird liebevoll der für diese Region ganz typische Bauerngarten gepflegt und mit Sommerblumen und hier vorkommenden Stauden bepflanzt.

Der Kolonialwarenladen mit seiner schön restaurierten Einrichtung ist vermutlich die älteste, an ihrem Ursprungsort erhaltene, ländliche Hökerei in Schleswig-Holstein. Sie gehört zu den beeindruckensten kulturhistorischen Baudenkmälern. Sehr gut erhalten ist neben der Ladeneinrichtung im Biedermeierstil auch das Mobiliar der Küche und Stuben der früheren Besitzer.

Das Haus von Familie Peters entstand im Jahr 1760 und wurde zwischen 1850 und 1955 als Wohnbereich eines ehemaligen Haubarges genutzt. Informationen unter haus peters

Leuchtturm Westerhever
IF

© Tourismuszentrale St.Peter Ording

Wer kennt ihn nicht – den berühmtesten Leuchtturm Deutschlands. Auf der Halbinsel Eiderstedt steht das Wahrzeichen Eiderstedts und Schleswig-Holsteins, der Leuchtturm Westerheversand. Wir kennen ihn als Briefmarke, als Bierwerbung, als Postkartenmotiv oder als Kulisse zahlreicher Filme.

Man kann ihn besichtigen, muss sich vorher aber offiziell für eine Führung angemeldet haben. Diese wird zwischen Ostern und Ende Oktober angeboten, allerdings dürfen Kinder erst ab einem Alter über acht Jahren den Turm besteigen. Wer auf der oberen Plattform steht, wird mit einem herrlichen Blick über die beeindruckende Umgebung mit ihren Inseln und Halligen belohnt. Eine Anmeldung für eine Führung ist unter der Telefonnummer 04865 – 1206 möglich.

Dieser einzigartige Ort bleibt auch den jährlich etwa 100 Paaren in fröhlicher Erinnerung, die sich im Leuchtturm Westerhever das JA-Wort geben, denn hier hat das Standesamt eines seiner Trauzimmer. Durch die Salzwiesen führen schmale Wege zu dem rot-weißen Turm zwischen den beiden Häusern. Die Schuhe können auf dem Weg dorthin schon mal nass werden. Manchmal ist hier einfach nur noch Wasser. Doch vom Deich aus, wo das Auto parkt, sind es noch gut 20 Minuten zu Fuß, um dieses Juwel der Nordsee zu erreichen. Der Leuchtturm ist in Betrieb und wird von Tönning aus ferngesteuert.

Mit seiner Höhe von 40 Metern sorgt der über 100 Jahre alte Leuchtturm für eine imposante Erscheinung. In den beiden Häusern haben früher die Leuchtturmwärter gelebt, heute befindet sich an dieser Stelle eine der  Schutzstationen Wattenmeer. Von hier aus werden naturkundliche Führungen angeboten und informieren über das einzigartige Wattenmeer. Eine fast neun Kilometer lange Sandbank breitet sich mitten im Watt aus, die bei Ebbe gut zu Fuß zu erreichen ist.

Wenn die Flut bei Normalwasser kommt, ist das Meer an dieser Stelle gerade einmal einen halben Meter tief. Vorsicht ist geboten, die Wege zu verlassen. Zum einen ist es aus Gründen des Naturschutzes nicht erlaubt, zum anderen kann man beim Versuch, die Priele zu durchlaufen, böse im schlammigen Boden bis zu den Hüften versinken und hat Mühe, sich dann alleine zu befreien. Genug Gründe für uns also, die wunderschöne Landschaft von den Wegen aus zu genießen und anschließend durch das großzügige Watt zu laufen. Gleich hinter dem Deich, direkt am Nationalpark Wattenmeer, liegt der Ort Westerhever. Die meisten der etwa 130 Dorfbewohner leben in den Haubargen, den typischen nordfriesischen Bauernhäusern und in den Friesenhäusern.

Alleine die malerischen Haubarge gibt es hier neun Mal, so viele gibt es nirgend anders mehr. Die wunderschöne Umgebung hat leider auch seinen Preis: Menschen erwerben die Gebäude als Feriendomizil, so siedeln sich hier kaum noch Menschen an, dafür bleibt aber die Substanz der Gebäude erhalten. Die reizvolle Lage macht die Immobilien fast unerschwinglich. Mit den Gebäuden wird auch ein Stück Geist der Landschaft verkauft. Die Höfe liegen oft einige hundert Meter auseinander und werden vermehrt aufgegeben, da sich keine Nachfolger finden.

Touristen sorgen heute für den Broterwerb der Einheimischen, die auch überwiegend ihr Geld mit der Vermietung von Ferienwohnungen verdienen. So schön der Ort und die Halbinsel für uns Besucher sind, so hart kann das Leben für die Menschen sein, die hier wohnen. In Westerhever steht der älteste Kirchturm der Halbinsel Eiderstedt. Die benachbarte Gaststätte öffnet ihre Pforten während der Saison, auch das ist die Folge des Wegzuges der Einheimischen. Außerhalb der Ferienzeiten lohnt sich der Betrieb einfach nicht mehr.

 Tönning
Stadthafen Tönning

Stadthafen Tönning | © weites.land

Eines der schönsten Städtchen ist die kleine Hafenstadt Tönning. Von außerhalb kommend fallen zunächst die großen Tonnen des Wasserschifffahrtsamtes auf und das Multimar Wattforum. Doch schon von weitem erkennt man den Kirchturm der barocken St. Laurentius-Kirche. Als Wahrzeichen der Stadt steht sie imposant im Zentrum. Die Kirche ist in diesem Kapitel unter den 18 historischen Kirchen näher beschrieben.

Vor dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals machten bereits im 17. Jahrhundert über 2000 Schiffe fest, Jahr für Jahr. Seinem Hafen verdankte Tönning auch seinen Aufschwung. Die Seemänner transportierten Vieh und Getreide, und sie brachten den Käse nach Schleswig-Holstein. Was geblieben ist, ist der Charme der alten Zeit, heute besteht die Wirtschaft überwiegend aus dem Tourismus. Doch Tönning hat sich herausgeputzt und so fällt ihm dieser Wirtschaftszweig nicht schwer.

Krabbenkutter kommen in den malerischen Hafen und entladen den frischen Fang aus der Nordsee. Tönning ist reich an schönen und historischen Gebäuden. Auffallend im Hafen ist naürlich das Kanalpackhaus, eines von dreien entlang des alten Eiderkanals. In der Adventszeit wird es zu einem riesigen Adventskalender und damit wahrscheinlich zum längsten Adventskalender der Welt. Ein Besuch für die ganze Familie ist das Multimar Wattforum. Hier entdecken Groß und Klein das Leben in Watt und Nordsee. Denn der Nationalpark Wattenmeer liegt hier gleich vor der Haustür.

Eidersperrwerk
Eidersperrwerk

Eidersperrwerk | © weites.land

Eines der größten Küstenschutzbauwerke in Europa ist das Eidersperrwerk vor den Toren Tönnings. Unberechenbare Sturmfluten führten in ihrer Geschichte zu weit mehr als 200 000 Toten. Die Auswirkungen, die weit bis  ins Binnenland reichten, führten zur Entscheidung, dieses Projekt zu errichten. Fünf Jahre dauerte der Bau und gewährleistet seit dem Jahr 1973 eine Entwässerung der Marschgebiete und einen reibungslosen Schiffsverkehr zwischen Eider und Nordsee. Die gesamte Anlage einschließlich der aufgeschütteten Dämme und Deiche ist etwa fünf Kilometer lang.

Das Sielbauwerk: Fünf gigantische Doppelhubtore mit je 250 Tonnen Gewicht regeln den Durchfluss der Eider an der Mündung zur Nordsee. Dabei steht jedes dieser Tore für eine Durchflussbreite von je 40 Metern. Zwischen diesen Öffnungen begrenzen Pfeiler diese zu beiden Seiten und nehmen zugleich die Gelenke der Hubtore auf. Eine Verbindungsstraße zwischen Eiderstedt und Dithmarschen führt durch das Innere des Sperrwerkes. Aber ein Halt auf einem der Parkplätze lohnt, um einmal zu Fuß auf dem Sperrwerk einen Panorameblick über das weitläufige Gebiet zu bekommen. Im Inneren der Eider liegt geschützt ein kleiner Hafen für Krabbenkutter und Ausflugschiffe.

Die Schleuse: Eine 25 Meter lange Schleuse regelt den ständigen Wasserausgleich ziwschen der Nordsee und der Eider. Hier kommt es zu einem Austausch von Salz- und Süßwasser. Eine Klappbrücke für Fahrzeuge überbrückt an dieser Stelle den Durchfluss. Von Beginn an ist dieses beeindruckende Sperrwerk eine Touristenattraktion. Ein Aussichtspavillon befindet sich am südlichen kostenfreien Parkplatz. Wind- und wettergeschützt kann man sich hier auf den übersichtlichen Infotafeln mit dem Bauwerk auseinandersetzen. Und bei schönem Wetter setzt man sich auf den Deich und schaut dem Treiben im Watt zu.

St. Peter-Ording

©Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording

St. Peter-Ording hat den letzten VW-Bus mit Heckmotor, den T 3, zum Kultobjekt gemacht. Als auf den traumhaften Stränden dieses Ortes die ZDF-Serie „Gegen den Wind“ gedreht wurde, machten die Surfer ihren Bulli über Nacht zum begehrten Objekt. So verwundert es nicht, auf den Stränden  in diesem Surfer-Paradies eine Vielzahl auch älterer VW-Busse in allen Varianten anzutreffen.

Auch die Fachzeitschrift „Auto Motor Sport“ lieh sich vor einigen Jahren einen letzten dieser  VW-Bullis, den LLE 2500, vom Volkswagenmuseum aus und produzierte ihren Fotobericht hier – in St. Peter-Ording.

Der 12 Kilometer lange Strand mit seinen typischen Pfahlbauten, die endlosen Dünen und der weite Horizont machen diese Gegend so beliebt und populär für Kitesurfer, Strandsegler, Sonnenanbeter und Spaziergänger. Wer die Gegend zu Fuß erkunden möchte, läuft am Strand und seiner Promenade, zwischen den Salzwiesen und den unterschiedlichsten Ortsteilen, durch den Nordsee-Fitness-Park mit seinen 16 verschiedenen Wander-, Lauf- und Walkingstrecken durch St. Peter-Böhl, St. Peter-Dorf, St. Peter-Bad und St. Peter-Ording. Der Ort liegt mitten im Nationalpark Wattenmeer.

TZ_SPO_Boehl2161a

©Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording

Böhler Leuchtturm: Der Ortsteil St. Peter-Ording Böhl hat ein eigenes Wahrzeichen. Seit über 100 Jahren steht der 18,40 Meter hohe Leuchtturm auf dem Deich. Im Jahr 1892 wurde er mit Hartbrandklinkern gebaut. Die gusseiserne Laterne wurde im Jahr 1914 aufgesetzt. Ihre Verkleidung besteht aus Stahlblech und das Dach aus Kupfer.

Die Pfahlbauten: Wer St. Peter-Ording besucht, wird auch zu den berühmten Pfahlbauten pilgern. Entweder geht’s mit dem Auto über den Deich auf den großen Strandparkplatz oder man spart sich das viele Geld für eine heiße Schokolade auf einer dieser Pfahlbauten und geht zu Fuß. Dabei genießt man gleich die heilsame und so frische Meeresluft. Mancher hat hier schon sein Auto bei steigender Flut vergessen. Aber das Salzwasser ist ja eh kein Geschenk für unser heiliges Blech. In den weit sichtbaren Pfahlbauten befinden sich hoch über dem Wasser die DLRG und Strandgastronomie. Sie schützen durch ihre Architektur die Einrichtungen vor Sturmflut. Der erste Pfahlbau entstand im Jahr 1911, allerdings war er lange nicht so stabil wie seine heutigen Nachfolger. Mittlerweile gibt es 15 dieser Gebäude an dem 12 Kilometer langen Strand. Sie werden getragen von dicken Baumstämmen, die etwa fünf Meter in den Boden gerammt und mit Querstreben verbunden sind. So trotzen sie im Winter selbst den großen Eisschollen.

Museum Landschaft Eiderstedt / Heimatmuseum: Wer sich mit der wechselvollen und spannenden Geschichte Eiderstedts auseinadersetzen möchte, ist herzlich in dieses Museum eingeladen. In der Dauerausstellung MARE FRISICUM wird anhand von Schautafeln und Fundstücken, Modellen und kleineren auch kindgerechten Attraktionen die Besiedelung der unwirklichen Landschaft an der Nordseeküste nahegebracht.

Hier im Museum befindet sich auch das historische Trauzimmer von St. Peter-Ording. In der „Guten Stube“ des 250 Jahre alten und traditionsreichen Hauses in der Dorfstraße können Verliebte den Bund fürs Leben schließen. Nach der Eheschließung gibt es dann gerne eine Führung im Museum und einen kleinen Umtrunk. Informationen dazu gibt es im Heimatmuseum unter 04863 – 1226 und weitere Informationen zum schönsten Tag im Leben unter 04863 – 999184.

Bernsteinmuseum

©Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording

Bernsteinmuseum: Fast jeder Strandbesucher hält doch irgendwie Ausschau nach dem Gold der Meere, dem Bernstein. Wie man ihn am besten findet, woran man ihn erkennt und was man mit ihm so alles machen kann, darüber informiert das Bernsteinmuseum. Schaukästen und Infotafeln erzählen von der spannenden Geschichte dieses Steins, der auch für die Medizin Bedeutung hat. Es gibt interessante Vorträge, Kinderschleifkurse und die Möglichkeit, selbst gefundene Bernsteine zu bearbeiten und daraus ein selbstgemachtes Andenken zu kreieren. Informationen unter bernsteinmuseum st.peter dorf

Garding

Das Kirchspiel Garding ist beschauliches Zuhause für etwa 2 500 Menschen. Wer jetzt glaubt, Garding sei ein Dorf, der irrt. Garding ist seit dem 12. Oktober 1590 Stadt. Die verstreuten Gehöfte liegen wie ein kreisförmiger Ring um diese Stadt. Dicht am Deich erlebt man hier beides: Urlaub auf dem Lande und Urlaub an der Nordsee.

Ob Radtouren, Spaziergänge oder Ausflüge in die nahe Nachbarschaft, hier zeigt sich Garding als wunderbarer Ausgangspunkt für die Entdeckung Eiderstedts. Garding hat eine abwechslungsreiche Geschichte und die entdecken wir bei einem Stadtrundgang. Blaue Erzählschilder vor den historischen Sehenswürdigkeiten geben eine guten Eindruck, wie die Menschen hier in der oft rauhen Landschaft gelebt und überlebt haben.

Bei der örtlichen Tourist-Information gibt es dafür eigens gefertigte Stadtpläne. Diese ist im alten Spritzenhaus untergebracht. Der erste Deutsche, dem der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, kam am 13. November 1817 hier in Garding zur Welt. Dabei handelt es sich um den Universalgelehrten Theodor Mommsen. Neben seinem Geburtshaus gibt es eine Gedenkstätte mit kleiner Ausstellung über sein Leben und Wirken.

Theodor Mommsen ist ziemlich alt geworden und das muss an der Mentalität hier liegen. Die Menschen lassen sich nicht von Wind und Sturm wegwehen oder von der Flut wegspülen. Sie trotzen in aller Genügsamkeit und Entspannung den Unbill und genießen ihr kleines Paradies, was sie gerne auch für Gäste öffnen.
Weitere Informationen gibt es auf garding.de

Tating

Vor der Haustüre Tatings beginnt das Weltnaturerbe Nationalpark Wattenmeer. Die rund um Tating liegende Marschlandschaft strahlt eine ansteckende Ruhe und Entspannung aus. Hier lässt man sein Telefon aus und ist dann mal weg. Hier kann man sich gut zu Fuß oder mit dem Rad bewegen.

Doch in der Umgebung gibt es breite Entwässerungsgräben zwischen den Feldern und es stellt sich die Frage, wie man diese überwindet. Ja, diese Frage stellten sich schon die alten Friesen und erfanden dann das Klootstockspringen. Wollen Sie auch mal?  Lassen Sie sich einen dieser sechs Meter langen Stöcke geben und springen damit über einen dieser Gräben möglichst, ohne im Wasser zu landen.

Eine Alternative ist der öffentliche Golfplatz oder das hier typische Boßeln oder Ringreiten. Anschließend geht es in eines der gemütlichen Tatinger Cafés. Einen Ausflug wert ist unbedingt der Hochdorfer Garten. Dieser parkähnliche Garten entstand im Jahr 1764 im Zuge des Baus eines Haubarges im französischen Stil. Der Park ist von einer 120 Meter langen beeindruckenden Lindenallee eingerahmt.

Bis zum Jahr 1973 entstand ein Sommerhaus, das sogenannte Schweizer-Haus. Es ist das letzte erhaltene Haus seiner Art. Seit dieser Zeit finden sich im Park auch exotische Gehölze. Neben mehreren Obstbaumquartieren nördlich und südlich des barocken Gartens wurde um 1900 am südlichen Rand eine künstliche Ruine errichtet nach dem berühmten Gemälde Caspar David Friedrichs, auf dem er die Burgruine des Oybin abgebildet hat. Im Ort befindet sich auch die älteste Kirche Eiderstedts, die St. Magnus-Kirche. Nachfolgend ist diese unter der Rubrik „Historische Kirchen auf Eiderstedt “ beschrieben.

Das Katinger Watt
Katinger Watt

Katinger Watt | © weites.land

Vom Land aus gesehen sollte das Watt immer vor dem Deich liegen, hier bleiben wir doch hinter dem Deich. Diese Landschaft im Süden der Halbinsel Eiderstedt ist nicht der Meeresboden, der bei Ebbe trockenfällt, diese Fläche hier ist von Menschen gemacht. Hier regierten einst Ebbe und Flut, doch das gigantische Eidersperrwerk hat die Landschaft dieser Region vor 40 Jahren einschneidend verändert. In dieser Landschaft wechseln sich Acker- und Grünflächen mit vielen Teichen und Tümpeln ab. Immer wieder wird das Gebiet von Gräben durchzogen. 

Unmittelbar nach Inbetriebnahme des Eidersperrwerkes wurde ein 350 Hektar großer Wald angepflanzt. Deiche und Dämme trennen das etwa 1200 Hektar große Katinger Watt von Nordsee und Eidermündung. Für die Tiere und Pflanzen ist dieser Rückzugsort ein wahres Paradies. Dieser Lebensraum, gespeist aus Salz- und Süßwasser, bietet den Eisvögeln und Haubentauchern, Kiebitzen und Austernfischern oder auch dem Säbelschnäbler ideale Lebensbedingungen. Viele Tausend Zugvögel rasten auf ihrer langen Reise von und nach Skandinavien an dieser Stelle.

Wer die Natur liebt, sich für Tiere und Pflanzen interessiert oder einfach mal in aller Ruhe spazieren gehen und seine Sinne schweifen lassen möchte, der ist hier richtig. Markierte Rad- und Wanderwege führen durch dieses einzigartige und wunderschöne Gebiet und es gibt einen Naturlehrpfad zum 13 Meter hohen Aussichtsturm, der in seiner Form einem Seezeichen nachempfunden wurde. Von hier aus schweift der Blick über die Deiche bis weit über die Nordsee. Für Vogelbeobachter stehen Hütten zur Verfügung und Sichtschutzwände, in denen Schlitze ein unbemerktes Eintauchen in die Vogelwelt erlauben. Im Naturzentrum des NABU gibt es eine interessante Ausstellung zur Umgebung und über die Entwicklung des Katinger Watts aus dem Wechsel vom Einfluss der Gezeiten bis hin zur Wandlung zum Binnenland. Mitarbeiter bieten gerne Führungen an.

Im Katinger Watt verbinden sich Naturschutz, sanfter Tourismus und eine schonende Landwirtschaft auf vorbildliche Weise. Im südlichen Teil des Katinger Watts an der Kreisstraße 41 teilen sich Surfer und Badegäste einen Badeplatz mit Liegewiese, Spielplatz und Café vor der beeindruckenden Kulisse des Katinger Watts.

Historische Kirchen auf Eiderstedt
Sommerkirche Welt auf Eiderstedt

Sommerkirche Welt auf Eiderstedt | © weites.land

Auf der weitläufigen Halbinsel Eiderstedt gibt es etwa 14 000 evangelische Christen. Für diese Menschen stehen 18 Kirchen offen, die heute zu den historsich wertvollsten Kirchen in Schleswig-Holstein gehören. Die Eiderstedter sind schon sehr dankbar für diese besonderen Gotteshäuser, wissen aber auch um die Herausforderung, diese für uns zu erhalten und zu pflegen.

Nachfolgend sind die einzelnen Kirchen mit ihren Besonderheiten beschrieben. Ein Besuch dieser kulturellen Juwelen lohnt sich auch außerhalb der Gottesdienste.

Garding –  St. Christian-Kirche: Im Zentrum der Kleinstadt Garding liegt diese einzigartige Kirche. Mitten auf der höchsten Erhebung der Halbinsel Eiderstedt wurde sie als Hauptkirche von Everschop im Jahr 1109 errichtet, im Laufe ihrer Zeit aber einige Male umgestaltet. Ursprünglich war sie dem Heiligen Christian Bartholomäus und Maria Magdalena geweiht.

Zunächst entstand das Kirchenschiff und wurde in den Jahren 1483 bis 1488 mit dem 43 Meter hohen imposanten Westturm ergänzt. Die unteren Bereiche stammen aus der gotischen Zeit. Der Taufstein kam aus den Niederlanden, den Altar gestaltete Märten von Achtern. Hier, in Garding, befindet sich der älteste Orgelprospekt aus dem Jahr 1512. Die Kirche ist ganzjährig geöffnet zwischen 09.00 und 17.00 Uhr.


Kirche Katharinenheerd

Kirche Katharinenheerd

Katharinenheerd – St. Katharina-Kirche: Diese Kirche taucht zum ersten Mal im Jahr 1113 auf. In der Ostmauer wurde eine Sandsteinplatte eingesetzt, auf der Martje Flohrs dargestellt ist. Das Gebäude fällt auf durch seinen Dachreiter und durch seinen mit Abstand zum Kirchenschiff gebauten Glockenturm aus Holz. Dies kann darauf schließen lassen,dass der Turm nachträglich erbaut wurde. Die Kirche ist zwischen Ostern und dem Erntedankfest zwischen 08.00  und 18.00 Uhr zugänglich.

Kating – St. Laurentius-Kirche:  Sie steht auf einer kleinen Warft, wohl aus Sorge um Überflutung. Um das Jahr 1200 ist die St. Laurentius-Kirche enstanden und empfängt uns mit einer auch im Inneren sehr ruhigen Architektur und einem wunderschönen Altar mit seinem Kreuzbalken.

Während der Sommermonate ist die Kirche an einem Tag der Woche regelmäßig geöffnet, sie kann aber auch nach Absprache besichtigt werden. Bei Interesse nehmen Sie gerne Kontakt unter der Telefonnummer 04861 – 382 auf.


Koldenbüttel – St. Leonhard-Kirche: Um das Jahr 1200 wurde die Kirche von friesischen Einwanderern auf einer Warft errichtet. Bereits 200 Jahre später wurde die St. Leonhard-Kirche erhelblich erweitert. Das Kirchenschiff entstand überwiegend aus Feldsteinen. Im Zuge der Erweiterung entstand auf der Westseite der Glockenstapel – ein hölzernes Glockenhaus.

Seine ältesten Bauteile gehen auf das Jahr 1461 zurück und so gilt das Ensemble als eines der ältesten Gebäude in Schleswig-Holstein. Die im Glockenhaus befindlichen Stahlglocken wurden im Jahr 1853 geweiht und geben noch heute ihren wunderbaren Klang zum Besten. Sie sind die ältesten Glocken des Landes, die noch im aktiven Einsatz sind. Warum genau an diesem Platz, das lag wohl an der Quelle, die hier sprudelte. Um sie wurde der Altar gebaut.

Im Marschland war frisches Trinkwasser eine wertvolle Besonderheit und so galt diese Quelle schon während der ersten Besiedelung in der Spätantike als heilige Stätte und bildete den Lebensmittelpunkt der Siedler. Der Friedhof war ebenfalls geheiligtes Land. Um die Kirche zog sich bis ins 19. Jahrhundert ein Graben. Wenn neue Deiche geschaffen wurden und sie den Unwettern und Sturmfluten Stand hielten, stifteten die neuen Kögen den heutigen Schmuck der Kirche.
Die Kirche ist in der Zeit von April bis Oktober in der Zeit zwischen 10.00 und 18.00 Uhr geöffnet.

Kotzenbüll – St. Nikolai-Kirche: Als wenn auf Eiderstedt alles seinen Ursprung nahm und am besten hier erhalten wurde, so entdecken wir in der St. Nikolai-Kirche in Kotzenbüll die ältesten Kirchentüren Schleswig-Holsteins. Für einen so kleinen Ort ist die großzügige und offene Innengestaltung eine wirkliche Besonderheit und Schönheit. In der Kirche, die in ihrer jetzigen Form seit dem Jahr 1495 besteht, findet noch heute ein lebendiges Gemeindeleben mit zweiwöchentlichen Gottesdiensten und allen Aktivitäten einer kleinen Dorfgemeinde statt.

Der Ursprung der Kirche scheint in eine Zeit lange vor dem Jahr 1495 zu gehen, denn der hiesige Taufstein steht seit 1300 hier. So werden an diesem auch heute noch die Kinder des Ortes getauft, später auch konfirmiert. Gerne geben sich Menschen in dieser erfüllenden Kirche das Jawort. Und wie es in dieser Umgebung Tradition ist, werden die Menschen auch hier auf dem Kirchengelände zur letzten Ruhe geleitet.

Die Kirche ist in der Zeit von April bis Oktober zwischen 09.00 und 18.00 Uhr geöffnet. Zwischen November und März kann man sich den Schlüssel bei Frau Wolf in der Dorfstraße 14 ausleihen.


Kirche Oldensworth

Kirche Oldensworth | © weites.land

Oldenswort – St. Pankratius-Kirche: Zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbauten die Gläubigen Christen südlich von Hoyerswort eine Kapelle aus Holz. Dieses auf einer Warft stehende Gebäude wurde aber während des Feldzuges den dänischen Königs Abel gegen die Friesen niedergebrannt. Noch in den 1960er Jahren lagen die Steinschwellen des Eingangs an diesem Ort, doch infolge einer Flurbereinigung wurden sie entnommen und sind heute als Scheuerpfähle auf den anliegenden Koppeln und Weiden im Einsatz.

Der Bau der heutigen St. Pankratius-Kirche begann im Jahr 1245. Aus der romanischen Zeit stammt die Form des Kirchenschiffes. Zu Beginn gab es wohl keine Bestuhlung und der Altar hatte einen anderen Standort, nämlich hinter dem Chorbogen in einer Apsis. Es gab nur kleine, hoch angesetzte Fenster, wie sie heute in der Nordwand zu sehen sind. In dieser Zeit war es durchaus üblich, auf den Wänden Sequenzen biblischer Geschichten zu malen, da viele Menschen ja nicht lesen konnten.

So kann man davon ausgehen, dass die großen Wandflächen unterhalb der Fenster dafür genutzt wurden. Die Kirchen wurde den Menschen zu klein und sie begannen im Jahr 1465 mit einer umfangreichen Erweiterung, nur die Ostseite blieb auf ihrem alten Fundament. Neu hinzu kam ein großer Chorraum im gotischen Stil. Die Malereien über dem Chorbogen und das Christophorus-Gemälde an der Nordwand stammen aus der Zeit der Erweiterung. Der Bau des Westturmes im Jahr 1485  und der des Dachreiters im Jahr 1488 bildeten den abschließenden Höhepunkt der Erweiterung. 

Die Triumphkreuze stammen aus dem Jahr 1491 aus der Werkstatt von Lütje Möller aus Schleswig. In dieser Kirche sind die verschiedenen Epochen der romanischen und gotischen Zeit sichtbar, aber das Beeindruckendste ist die ganzheitliche und prachtvolle Innengestaltung im Stil der Renaissance. Im Jahr 1592 stiftete der Staller Caspar Hoyer den Gemäldealtar, dessen Bilder vom flämischen Maler Marten van Achten stammen. Zuvor stand an der Stelle ein gotischer Schnitzaltar. Aus der Gotik stammen aber der Stipe des Altars, dessen Raum mit dem prächtigen Iverschen Chorgestühl von 1589 eingerichtet wurde.

Das Taufbecken aus Sandstein kam 1564 an seinen Platz. Der darauf befindliche Taufdeckel ist wohl noch aus der gotischen Zeit. Zunächst stand die heutige Kanzel im Norden des Chorbogens, im letzten Jahrhundert hat man die in den Jahren 1570-1580 entstandene Kanzel auf die Südseite versetzt. Die 10 Apostel schmücken die Westempore, die zugleich das Rückpositiv der Orgel von 1592 bildet. Das heute sichtbare Hauptwerkprospekt ist aus dem Jahr 1862.

Die Süd- und Nordwand wurde im 16. und 17. Jahrhundert mit den Epitaphien verziert. Für viele, auch für mich, sind diese zeitlichen Details eher Nebensache oder führen gar zur Langeweile. Was sie aber offenbaren, ist die Wichtigkeit und der Stellenwert der Kirche in dieser Gemeinde über die komplette Zeit hinweg. Die letzte aufwendige Renovierung wurde in den Jahren 1985 und 1992 durchgeführt. Auch aktuell steht die Restaurierung des Christophorus-Gemäldes und eine Stabilisierung des Unterbaus des Chorraumes an. Denn dieser würde sonst im Osten absacken und dann einstürzen.

Die Kirche ist auch heute noch eine tragende und wichtige Institution. Diese Gebäude zu erhalten, geht uns alle an. So sollten wir uns nicht scheuen, als kleines Danke für die Besichtigung mit einer kleinen Spende die großen Aufgaben für diese kleine Region zu unterstützen.


Osterhever – St.Martin-Kirche: Die St. Martin-Kirche stammt aus dem Jahr 1113. Die Spuren ihres Alters führen deutlich in die romanische Zeit. Im Inneren der Kirche ist der Schnitzaltar, aufbewahrt in der Apsis  aus der romanischen Zeit, Anziehungspunkt für Menschen aus allen Teilen der Republik und Skandinaviens. Auf dem Schnitzaltar aus dem Jahr 1520 ist „Jesus auf der Rast“ abgebildet. Diese Kirche ist alles andere als pompös, sie inspiriert durch ihre Bescheidenheit und Schlichtheit. So kommt die Triumphkreuzgruppe besonders zur Geltung. Unter der Orgelempore befindet sich ein Grabstein aus dem Jahr 1583. Auf diesem sind die Trachten aus der Blütezeit Eiderstedts gut sichtbar. Die Abendmahlsbänke kamen 1753 hinzu. Die Kirche ist zwischen Mai und September zwischen 09.00 und 17.00 Uhr geöffnet. Den Schlüssel zur Kirche gibt es in der Dörpstraat 8 bei Franz Schau.


Poppenbüll – St. Johannis-Kirche: In Poppenbüll liegt eine der ältesten Kirchen Schleswig-Holsteins. Und, hier gibt es den ersten eingedeichten Koog auf Eiderstedt aus dem Jahr 987. Auf diesem, dem Johanniskoog, wurde 1113 die St. Johannis-Kirche gegründet. Was hat man sich früher für eine Arbeit gemacht, wenn man alleine das kunstvoll gefertigte Gestühl aus dem Jahr 1598 – 1650 betrachtet.

Eine weitere Besonderheit schuf der Künstler Melchior Lucas mit dem bronzenen Taufbecken. Getragen wird es von den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Als Paten sind die 12 Apostel auf der Wand der Taufe angebildet. Ein Epitaph (Grabdenkmal oder Grabinschrift) aus dem Jahr 1617 zeigt das älteste erhaltene Portrait eines Pastors auf Eiderstedt. Die reich verzierte Kanzel ist typisch für die Eiderstedter Kirchen und eine Nachbildung befindet sich in der St. Michael-Kirche von Welt. Im 16. Jahrhundert war diese Kirche die reichste in der Umgebung.

Für Menschen, die sich auskennen, lassen sich eindeutig die romanischen und gotischen Epochen der Entstehung ausmachen, andere, wie meine Person, sind einfach nur beeindruckt von dieser wunderschönen und alten Kirche mit ihrem geschlossenen Kirchenraum.

Wer die Kirche von innen sehen möchte, leiht sich den Schlüssel in der Königstraße 2 bei Familie Speer.


St. Peter-Ording Dorf – St. Peter-Kirche: Eine der drei Hauptkirchen, die um 1100 auf Uthlande gegründet wurde, liegt im ältesten Ortsteil „Dorf“ von St. Peter-Ording. Sie wurde Petrus geweiht und fand die erste Bestätigung in einem Kirchensiegel im Jahr 1367. Der Ort, an dem sie steht, hieß vormals Ulstorp, was so viel bedeutet wie „Altdorf“. 

Im 15. Jahrhundert benannte man den Ort dann nach dieser Kirche. Im Laufe der Zeit veränderte die St. Peter-Kirche immer wieder ihr Gesicht, die heutige Darstellung ist das Ergebnis einer umfangreichen Renovierung in den Jahren 1970 – 1971. Wie auch bei der ein oder anderen Kirche der Umgebung wird man hier keinen Glockenturm finden. Eine kleine Andeutung eines solchen, der Dachreiter, zeigt die Uhrzeit an. Etwas abseits des Gebäudes sind die Glocken im Glockenstapel untergebracht, einem kleinen hölzernen Glockenhaus.Diese Kirche ist sehr ausgiebig geschmückt und verziert und hebt sich in der Form von den anderen ab.
Sie ist von April bis Oktober täglich zwischen 09.00 und 17.00 Uhr geöffnet.


 St. Peter-Ording – St. Nikolai-Kirche: Sie ist die jüngste der 18 historischen Kirchen auf Eiderstedt. Die Nähe zum Meer sorgte dafür, dass ihre Vorgänger einmal dem naheliegenden Meer und ein anderes Mal einer Wanderdüne weichen mussten. Die heutige St. Nikolai-Kirche ist nun seit fast 300 Jahren mit gebührendem Abstand zum Meer gebaut.

Doch bei ihrem Wiederaufbau im Jahr 1724 wurden die Materialien der abgebauten Kirche wiederverwendet, so erscheint sie heute ganz zurückhaltend im norddeutschen Barock. Ihr Taufstein stammt aus dem Jahr 1510 und ihr Altar noch vor der Zeit der Reformation.

Die Kanzel tut seit 1640 ihren Dienst. Im Jahr 1960 wurde sie umfangreich renoviert und steht in ihrer Schönheit den anderen Kirchen in nichts nach. Eine Besonderheit ist der im barock-bäuerlichen Stil gemalte Sternenhimmel im hölzernen Tonnengewölbe. Die Kirche wurde dem Schutzpatron der Seefahrer geweiht, dem heiligen Nikolaus. In den Monaten April bis Oktober hat die Kirche zwischen 09.00 und 17.00 Uhr geöffnet.


Tating – St. Magnus-Kirche: Die älteste Kirche Eiderstedts ist die St. Magnus-Kirche in Tating. Zunächst wurde sie als eine hölzerne Kapelle gebaut und dem Heiligen Magnus geweiht. Betritt man die Kirche, wird man überrascht sein von der Zeitreise anhand dieser kulturellen Schätze.

Hier befinden sich die nur noch wenig erhaltenen Kastenstühle, wie sie vor etwa 400 Jahren auf Eiderstedt durchaus üblich waren. Der geschnitzte, dreiflügelige Altar kam um 1450 in diese Kirche und wurde im 17. Jahrhundert ergänzt. Einzigartig für Schleswig-Holstein ist die Bemalung der Außenseite mit vier Bildern der Passionsgeschichte. Der Taufstein stammt vermutlich aus dem 16. Jahrhundert, er wurde später mit einem Deckel aus Holz ergänzt. Auch die Orgel stammt aus dem Jahr 1591 und wurde im Anschluss sogar erweitert.

Neun Gemälde aus dem Jahr 1746 spiegeln die Bitten des Vaterunser. Im Turmraum sind die Gemälde, auf denen die Seligpreisungen nach dem Matthäus-Evangelium wiedergegeben werden.Die Kirche hat zwischen Ostern und Erntedank täglich zwischen 08.00 und 18.00 Uhr geöffnet. Während der übrigen Zeit kann der Schlüssel im Pastorat entliehen werden.


Kirche Tetenbüll | © weites.land

Kirche Tetenbüll | © weites.land

Tetenbüll – St. Anna-Kirche: Die heilige Anna war ihre Namensgeberin als Mutter von Maria und somit Großmutter von Jesus. Vermutlich im Jahr 1113 wurde im Ort eine Holzkirche erbaut, aber an einem anderen Standort als die heutige Kirche. Von ihr ist aber nichts mehr geblieben.

Die St. Anna-Kirche in Tetenbüll wurde Anfang 1400 gebaut und bereits in dem Jahr 1491 erweitert. Damals bekam sie ihren Turm. Die Kirche wurde immer wieder renoviert und restauriert, sodass die ältesten Teile der Kirche heute Bestandteil des Turmes sind. Im Jahr 1651 wurde der Altarraum, der Chor, erneuert. Im Jahr 1861 folgte dann eine weitere Umgestaltung und teilweise Erneuerung. Für das Innere der Kirche gab es eine grundlegende Restaurierung des inneren Kirchenschiffes. Als im Jahr 2002 das Süderhaus einstürzte, musste der Teil abgerissen werden. Doch damit war die Bedrohung für dieses Gebäude noch nicht gebannt. Weil die Fundamente abzusacken drohten und zu einem Einsturz der gesamten Kirche geführt hätten, stabilisierte man sie mit aufwendigen Gründungsmaßnahmen und erneuerte allein 10 Stützpfeiler. Hoch oben auf der Warft ist sie ein malerischer Blickfang mit ihrem angrenzenden Pastorengarten. Sie ist täglich ab 08.00 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet.


Toenning St.Laurentius-Kirche

Tönning St.Laurentius-Kirche | © weites.land

Tönning – St. Laurentius-Kirche: Die selbständigen Kirchengemeinden in Kating und Kotzenbüll bilden mit der Gemeinde in Tönning eine Einheit. Von den 5 100 Menschen, die in Tönning leben, sind weit über 4 000 Einwohner auch Mitglied ihrer Kirchengemeinde. Prägnant für die Umgebung ragt der 64 Meter hohe Turm weit über die sehr flache Landschaft. St. Laurentius steht zentral in der kleinen Hafenstadt an der Eider auf dem Marktplatz und ist von nah und fern ein echter Blickfang. Die Anfänge dieser Kirche reichen in das Jahr 1180 zurück, die mit ihrer Innengestaltung den Höhepunkt der Kirchen auf Eiderstedt bildet. Der Innenraum erscheint in barockem Stil, das Tonnengewölbe ist komplett bemalt. Drei Grabdenkmäler, die Epitaphe, befinden sich an der Nordwand. Die Kirche an sich ist einen Besuch unbeding wert, insbesondere die Lettnerorgel mit Empore, die Kanzel, Altar und Taufstein sind wahre Schmuckstücke.


Uelvesbüll – St. Nikolai-Kirche: Lange ist das her, dass diese Kirche gebaut wurde. Kein Betonmischer und kein Kranwagen, keine Fertigbetonteile und keine Statikprogramme, keine Koordination der Handwerker per Mobiltelefon. Und doch gibt es diese Kirche. Das Gleiche gilt natürlich für die anderen Kirchen auf Eiderstedt.

Ja, genau das sollte man sich vergegenwärtigen, wenn man all diese Kirchen in Augenschein nimmt, wenn man den Blick auf die Gewölbe richtet und die Haltbarkeit dieser Gebäude bedenkt. All diese Kirchen sind mit Leidenschaft und in echter Handarbeit entstanden. Es wäre ein spannendes Projekt, mit den Möglichkeiten der Entstehungszeit heute solch ein Gebäude zu planen, zu berechnen, zu bauen. Dann müssten wir uns in die Zeit um 1854 zurückversetzen, denn da ist die St. Nikolai-Kirche Uevesbüll entstanden. Geprägt ist sie deutlich von der Nähe zur temperamentvollen Nordsee. Es gab bereits seit dem Jahr 1300 Kirchengebäude, doch mussten diese immer wieder den schweren Fluten weichen, dann suchte man einen neuen Platz. Die alte Kirche war durch die Unbill der Natur baufällig geworden und musste abgetragen werden.

Doch das Inventar konnte übernommen werden. Darunter befindet sich das Volkmarsche Epitaph aus dem Jahr 1591. Die Besonderheit dieses einzigarigen Grabdenkmals liegt darin, dass es aus Holz geschnitzt wurde und eine Familie mit der Eiderstedter Tracht zeigt, die vor dem Kreuz Jesu weilt. Der in der Region künstlerisch wertvollste Taufstein hat in dieser Kirche seinen Platz. Am oberen Rand der Taufe sind vier unterschiedliche Charaktere als Skulpturen in den Stein gehauen, darunter der Kopf eines Narren. Die Taufe stammt aus dem 15. Jahrhundert. Für eine Besichtigung kann der Schlüssel für die Kirche im Haus gegenüber bei Herrn Johannsen geliehen werden.


Vollerswiek – St. Martin-Kirche: Von Garding aus gründete man im Jahr 1113 auch diese Kirche im romanischen Backsteinbau. Wie in Nordfriesland durchaus üblich, befindet sich auch hier der Friedhof gleich an der Kirche. Der geschnitzte Klappaltar kam 1460 in dieses Gebäude, die Emporenkanzel folgte  1586 – 1587. Die Empore an der Nordseite wird mit einem Gemäle aus dem Jahr 1613 bereichert, auf dem alt- und neutestamentliche Szenen wiedergegeben werden. Den Innenraum des Kirchenschiffes zieren einige Gedenktafeln in regionaltypischer Bauernmalerei aus den Jahren 1759 – 1779. Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche auf der Westseite großzügig erweitert. Die Kirche wurde 1977 mit viel Aufwand komplett renoviert. Die Kirche ist zwischen Ostern und Erntedank täglich in der Zeit von 08.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.


Sommerkirche Welt auf Eiderstedt

Sommerkirche Welt auf Eiderstedt | © weites.land

Welt – St. Michael-Kirche: Etwa 600 Jahre wurde an der Kirche gebaut, immer mal wieder etwas verändert, ergänzt, bis sie das wurde, was sie heute ist. Im 13. Jahrhundert entstand die Kirche. Im spätromanischen Stil entstand das Kirchenschiff in gotischem Ziegelverband. Erst 1908 kam der Kirchturm. Die dem Eiderstedter Typ entsprechende Kanzel aus Holz kam im Jahr 1578 in das Gebäude und der Altar geht zurück auf das Jahr 1600. Ein Gemälde von Govert van Achtern schmückt diesen Altar. Der Altar ist das Ebenbild des Altars der St. Johannis-Kirche im benachbarten Poppenbüll. Im Jahr 1966 musste die Kirche wegen dringend anstehender Renovierungsarbeiten geschlossen werden. Es sollte 10 Jahre dauern, bis sie wieder öffnete.

Ab diesem Zeitpunkt war sie auch offen für kulturelle Veranstaltungen. Dazu wurde das Konzept „Programmkirche“, ab Sommer 1996 „Sommerkirche Welt“ erstellt, in dem eine ausgewogene Mischung von geistlicher Stätte, aber auch Raum der Begegnung, Darstellung der kirchlichen Geschichte und Ort  für Ausstellungen und  Veranstaltungen angedacht wurde. Die Kirche ist von Mai bis September ganztägig geöffnet. Heute finden auch wieder Gottesdienste und Beerdigungen in diesem Gotteshaus statt.


Westerhever – St. Stephanus-Kirche: Westerhever hat was mit alten Türmen. Das eine ist ja der bekannte und schönste Leuchtturm überhaupt, aber der ist hier nicht Thema. Nein, in Westerhever  steht auch der älteste Kirchturm der Region und der ist deutlich älter als der Leuchtturm „Westerheversand“. Die Kirche steht nahe des Außendeichs und der Leuchtturminsel, auf einer hohen Warft. Rundherum befinden sich die alten Haubarge. Die Kirchengründung geht zurück bis ins Jahr 1200. Dann, im Jahr 1370, wurde der Turm errichtet. Dieser hatte wohl eine deutlich bessere Substanz, denn im Jahr 1804 trug man das Kirchenschiff ab und baute es komplett neu. Der Turm aber blieb und wurde integriert. Die Lage der Kirche zeigt am deutlichsten den Charakter der Umgebung und der Halligwelt und ihre Verbindung zur Kirche. Im Inneren der Kirche steht der älteste Taufstein Eiderstedts. Er ist Teil der hunderte Jahre alten Geschichte der Christen in dieser Region. Der Altar ist geziert mit dem Bild „Heilige Familie“. Das Original malte Jan van Dyck, allerdings kopierte Professor Jacob Alberts das Bild für diesen Altar. In zahlreichen Bildern malte er die benachbarten Halligen und machte sie so bekannt. Er wurde auf der Südseite der Kirche beerdigt. Die Kirche ist ganzjährig geöffnet. Ansonsten kann der Schlüssel im Kirchspielkrug bei Familie Lippky geliehen werden.


historische Kirchen auf Eidersted | © weites.land

St.Marienkirche Witzwort | © weites.land

Witzwort – St. Marien-Kirche: Die St. Marien-Kirche wurde mit ihrer romanisch-gotischen Form etwa im Jahr 1420 erbaut. Doch 1898 wurde der Chorraum abgerissen und in neugotischem Stil wieder aufgebaut. Der Glockenturm wurde im Jahr 1631 aus Holz gebaut und befindet sich auf der Ostseite der Kirchwarft. Im Inneren fällt der dreiteilige Schnitzaltar auf, der wohl im Umfeld von Brüggemann um das Jahr 1520 entstand. Der Stil des ausgiebig verzierten Mittelschreins mit seinen Flügeln ist für Eiderstedt eher außergewöhnlich und entsprechend einmalig.

Genauso sehenswert ist die Kanzel von 1583. Sie steht wie keine andere mit ihrem Korb und Schalldeckel in besonderem Maße für den Eiderstedter Kanzeltyp. Der gegenüber stehende Taufstein aus Namurer Marmor enstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Kruzifix und Triumphkreuz wurden wohl vorrausgegangenen sakralen Gebäuden entnommen und erinnern an ihre Wurzeln, die in das 12. Jahrhundert zurückgehen. Die Kirche ist zwischen Ostern und dem Reformationstag tagsüber geöffnet, in der übrigen Jahreszeit kann der Schlüssel im Pastorat geliehen werden.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.