Grenzlandgeschichten

Die Gendarmen in Dänemark | Grenzgeschichte Dänemark

Höruphav ( Høruphav ) ist Start bzw. Ziel des Gendarmstien | © weites.land
Wachstube in Höruphav ( Høruphav ) . Sie ist zugleich Start bzw. Ziel des Gendarmstien | © weites.land
Die dänischen Grenzbeamten, welche die Pfade entlang der dänisch-deutschen Grenze bewachten und an den Übergängen kontrollierten, trugen zu jeder Tages- und Jahreszeit ihre hellblauen Uniformen. In festen Schichten vollzogen sie ihre Wachwechsel. Zu der Zeit wohnten die Menschen noch dicht an den jeweiligen Arbeitsplätzen, so auch die Grenzbeamten.

Sie hatten meist kleine Dienstwohnungen oder Häuser, oft auch Doppelhaushälften, von denen sie auf kurzen Wegen zu ihren Kontrollabschnitten kamen. Den Grenzpfad in ihrem Gebiet kannten sie wie ihre eigene Westentasche. Sie wussten um jeden Schlupf und jede vermeintliche Schmuggelroute. Dieser Umstand, dass sie die Grenzbeamten in ihrem Gebiet wie zuhause fühlten, machte die Grenze so gut wie undurchdringlich.

Ein Gendarm war nie mit gutem Gehalt ausgestattet,  so stellte man ihnen aber eben in der Regel ein kleines Haus mit Garten zur Verfügung, in dem sie für den Eigenbedarf anbauen konnten und so ihren Sold nicht noch für Lebensmittel hergeben mussten. Meist handelte es sich dabei um eine Doppelhaushälfte mit einem kleinen Küchengarten.

Die Grenzgendamerie gehörte zum Militär, allerdings waren sie dem Finanzministerium unterstellt. Sie arbeiteten unter einem strengen Regiment, aber auch hier gab es natürlich zwischenmenschliche Ausnahmen, die aber nie nach außen gezeigt wurden. Bewaffnet waren die Grenzschützer mit einem Karabiner und einer Pistole, die sie aber aufgrund ihrer überzeugenden Autorität so gut wie nie einsetzen mussten.

Der Kontrollgang eines Gendarms dauerte vier Stunden, dann kam e zurück in seine Doppelhaushälfte und wechselte sich mit seinem Nachbarn ab, dessen Dienstwohnung ja im gleichen Haus war.

Aus dem einstigen Kontrollweg ist heute der Fernwanderweg Gendarmstien geworden, so kann man auf den Pfaden der ehemaligen Grenzschützer ihre Tour nachempfinden.

Ab dem Jahr 1952 löste man die Einheit der Gendarmen auf, ab sofort war der neu gegründete Zollgrenzschutz („Toldgrænsekorpset“) mit seinen schwarzen Uniformen für die Grenzsicherung zuständig. Doch ab 1969 übertrug man den Grenzschutz auf den Verantwortungsbereich der Polizei Gråsten (Gravenstein) und Tønder (Tondern). Dabei kooperierte man mit dem Zoll („Skat“). Die Patrollien waren nun motorisiert und entsprechend sehr mobil.

Mit Inkraftsetzung des Schengener Abkommens im März 2001 wurden die Grenzen geöffnet und seitdem sowohl von deutscher wie von dänischer Seite in einem Streifen von 30 Kilometern nördlich und südlich der Grenze mit mobilen Kontrollen überwacht. Man spricht hier auch von der Hinterlandüberwachung. Diese geschieht auf beiden Seiten sowohl zivil wie auch mit entsprechenden Streifenwagen. Auf der deutschen Seite passiert dies durch die Bundespolizei, auf der dänischen durch die Auslandskontrollabteilung der Polizei in Kooperation mit dem Zoll. Zudem wird die Grenze an den Übergangen auf dänischer Seite komplett durch Kennzeichenscanner überwacht. Diese Methode ist offenbar der Auftakt zu einem Überwachungsstaat im eigentlich sehr freiheitlichen Dänemark.

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