1920 Grenzlandgeschichten

Die dänische Wiedervereinigung wird gefeiert

Einige Jahrzehnte haben sie auf diesen Moment gewartet- die Menschen in Südjütlands. Endlich, im Jahr 1920, sind sie mit Dänemark wiedervereint, offiziell nun seit dem 15. Juni. Das wird gefeiert. Und zu dieser Feier hat sich hoher Besuch angesagt.

Es ist eine andere Geschichte, wie die Umsetzung der neuen Grenze vollzogen worden ist, heute geht es um den Moment, der den Menschen in Nordschleswig ganz besonders ans Herz gegangen ist. Viele Freudentränen werden an diesem Tag geflossen sein. Dieser Moment ereignet sich am 10. Juli 1920. An diesem Tag übertritt der dänische König Christian X. zwischen Kolding und Christiansfeld auf der Landstraße bei Tabs symbolträchtig über die alte Grenze.

Der König ist im Vorfeld mit dieser Zeremonie einverstanden, denn eine Prophezeiung besagt, dass an dem Tag, an dem der dänische König auf einem weißen Schimmel über die Grenze schreite, Nordschleswig wieder dänisch werde. Doch hat der königliche Reitstall gar keinen Schimmel. Allerdings wird man auf dem Gut Visborghof bei Hadsund fündig. Das weiße Pferd mit dem Namen Malgré Tout (übersetzt: trotz alledem) wird verladen und nach Taps gebracht. Hier verlässt König Christian seinen Wagen und schreitet hoch zu Ross einige Kilometer nach Nordschleswig ein.

An dieser Stelle, an der der König auf seinem schneeweißen Schimmel besteigt, steht heute ein Gedenkstein. Das Pferd wird anschließend von niemandem mehr geritten, es verbringt seine Zeit auf einer grünen Wiese, stirbt allerdings schon 1922. Seine letzte Ruhe findet das Pferd in einem Hügelgrab bei Visborghof an einer Stelle, an der auch ein vorgeschichtlicher Heeresführer beerdigt worden ist. Auch hier wird ein Gedenkstein errichtet mit den Worten: „Ich trug den König über die Grenze als Nordschleswig wieder dänisch wurde“.

Bei der Bestattung des Tieres hat man ihm einen Huf abgenommen, diesen versilbert und die gleichlautende Inschrift eingraviert. Diesen Huf überreicht man dem König als Geschenk zur Erinnerung an diesen berührenden Moment. Er wird dieses Andenken auf seinen Schreibtisch in der Residenz Amalienburg in Ehren halten.

Die Feiern gehen am folgenden Tag auf dem Boden der blutigen Schlacht von 1864 weiter. Ein großes Fest wird auf Dybbøl Banke (Düppeler Schanzen) gehalten und zeigt damit den Respekt vor den Soldaten, die hier 56 Jahr zuvor getötet oder verletzt wurden.

 

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