Amt

Amt Bordesholm

Wäre Astrid Lindgren im Bordesholmer Land geboren, die Kinder von Bullerbü hätte sie auch hier geschrieben. Familienhöfe, viele hundert Jahre alt, Scheunen aus Ziegel und Holz in rot und grün, ein Pferd auf der kleinen Koppel vor dem Haus, Sprossenfenster, durch die die Sonne scheint, Kinder, die lachend und tobend aus der Dorfschule kommen, die Kühe, die zum Melken anstehen, das sind die Bilder im Bordesholmer Land. Der Alltag ist sehr verbunden mit der Natur und dem Landleben.

Alte Milchkannen dekorieren neben den frisch geernteten Kürbissen die Hauseingänge, Milch, Käse, Wild und Gemüse gibt es im Hofladen. Man kennt sich im Dorf und hilft einander, Gemeinschaft wird großgeschrieben, die freiwillige Feuerwehr geht oft einher mit den Dorfgemeinschaftshäusern. Vieles im Ort wird in Eigenregie gestaltet.

Im Nachbarort trifft man sich in der alten Kirche aus Holz und Steinen, Kunst und Kultur und ein gemütliches Café laden nicht selten in eine alte Scheune oder Kate ein. Wenn im Winter der Traktor den Schnee von der Straße schiebt und hinter sich die glücklich kreischenden Kinder mit dem Schlitten zieht, die kleinen und großen Güter ihre Pforten für die familiären Weihnachtsmärkte öffnen, spüre ich die Wärme, die von solchen Orten ausgeht.

Hier fühle ich mich zu Hause und als Gast herzlich willkommen. In einem ganz besonderen Landstrich, zentral in Schleswig-Holstein liegend, zeigt sich die Nähe zum Meer und nach Skandinavien.

Bissee

Von Brügge aus fahren wir über den Höhenrücken, der sich entlang der Eider bis nach Bissee zieht. Darunter liegt Brüggerholz, eine landwirtschaftliche Ansammlung verstreut liegender Gehöfte inmitten einer reizvollen und abwechslungsreichen Landschaft. Vor uns, den Höhenrücken abwärts fahrend, befindet sich das idyllisch zwischen weitläufigen Hügeln und Wäldern gelegene, alte Bauerndorf mit seinen etwa 180 Einwohnern, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bothkamper See.

Wir stellen unseren Bulli gleich am Straßenrand ab und erkunden zu Fuß den kleinen Ort mit seiner Umgebung. Bissee hat etwas von einem Freilichtmuseum, aber es ist aktiv, lebendig und im Zeitalter der Landlust ein Eldorado für ebensolche. Die Menschen hier wirken entspannt, fernab jeder Hektik. Ganz gleich, ob junge Familie oder ein alter Landwirt. Gewachsene Strukturen lassen auf eine lange, geschichtliche Tradition schließen. Bereits 1224 wurde der Ort Bisticesse erstmalig urkundlich erwähnt. Bissee ist ein klassisches Bauerndorf, seit Generationen landwirtschaftlich geprägt und nun beliebtes Ausflugsziel für Kultursuchende und Landliebende.

Ein Traktor mit einer großen Metallkonstruktion, Männer, die über den Abstellort diskutieren, ein Schriftzug aus Metallbuchstaben auf der Weide…? Alljährlich verwandelt sich der Ort in eine einzigartige Galerie. Die Kreationen bekannter Künstlerinnen und Künstler aus Norddeutschland und Skandinavien schmücken die Gärten und Straßen, Felder und Bäche. Bekannt ist Bissee aber vor allem durch seine traditionelle Landwirtschaft und durch seinen Antikhof mit ganzjährigem Programm, Café und Restaurant. Angeboten werden Möbel und Dekorationen für drinnen und draußen, gemacht für Menschen mit ehrlicher Landlust.  

Bordesholm

Es ist immer wieder spannend zu erfahren, warum ein Ort so heißt wie er heißt. Denn oft trägt der Ortsname etwas über dessen Geschichte mit sich. In seiner ersten schriftlichen Erwähnung im Jahr 1302 ist von Bardesholm die Rede. Holm steht ja im allgemeinen für Insel und der Begriff Bard beschreibt das Ufer. Um 1148 muss es eine erste Siedlung mit dem Namen „Eiderstede“ am Bordesholmer See gegeben haben und im Jahr 1330 zog das Chorherrenstift von Neumünster auf eine Insel in diesem See.

Das Kloster ist eng mit dem Ort verbunden, der See wurde im Bereich des Klosters zugeschüttet, sodass heute kein Hinweis auf eine Insel mehr gegeben ist. Hier aber ist auch die Geburtsstunde der Kieler Universität. Um den See führt ein 6 Kilometer langer Weg für Fußgänger und Radfahrer. Auf der Ostseite befindet sich das Freibad mit einem kleinen Badestrand. Doch nicht nur Badegäste finden hier ihre Abkühlung. Die Seeterrassen, nach einem Feuer neu errichtet, sind eines der beliebten Ausflugspunkte im Ort. Hier wird für das leibliche Wohl gesorgt und der Gastraum ist auch immer gut für kleine Kunstausstellungen.

Kloster Bordesholm

Von außen fast unscheinbar und turmlos verbirgt das Gebäude seine Schönheit im Inneren. Ein schlichter, gotischer Bau, dessen Errichtung im Jahr 1309 begann. Erst 1332 wurde die Kirche geweiht und zwischen 1450 und 1509 noch zweimal erweitert. Heute beherbergt die Klosterkirche eine lebendige Gemeinde und ist oft auch Austragungsort von kulturellen Veranstaltungen, Feierstunden und Konzerten.

Bahnhof

Am 18. September 1844 wurde die Bahnstrecke zwischen Neumünster und Kiel eröffnet. Fortan gab es auch den Bahnhof Bordesholm, doch zunächst ohne Gebäude. Je Richtung fuhren täglich zwei Personen- und ein Güterzug. Doch zeitnah entstand das erste Bahnhofsgebäude, ein kleiner Backsteinbau etwa an der Stelle, wo heute die Unterführung für die Fußgänger ist. Die Strecke war eingleisig und die entgegenkommenden Züge mussten sich im Bordesholmer Bahnhof auf einem Parallelgleis ausweichen. Im Jahr 1895 wurde die Strecke zweigleisig.

Bereits vier Jahre später, 1899 gab es Überlegungen, aus dem kleinen Bahnhof wieder eine Haltestelle zu machen. Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, im Jahr 1911, wurde dann aber der Kern des jetzigen Bahnhofes errichtet. Es gab nördlich des Bahnhofes einen Anschluss einer Lorenbahn bis in die Kieswerke nach Reesdorf und Techelsdorf. In den 1960er Jahren erhielt der Bahnhof eine Kopframpe, mit deren Hilfe auch Militärfahrzeuge ver- und entladen wurden. Innerhalb des Bahnhofsbetriebes stationierte die Deutsche Bahn eine kleine Rangierlokomotive, die Köf II. Im Jahr 1964 wurde der Bahnhof um Schalter- und Warteraum und Gastwirtschaft erweitert. Am 03. November 1992 wurde im Rahmen einer Feier der erste Strommast für die Elekrifizierung der Banhstrecken in Schleswig-Holstein aufgestellt. Ab 2003 ging das Bahnhofsgebäude in Privatbesitz über und wurde bis 2008 umfangreich renoviert. Dabei wurde Wert auf das originale Erscheinungsbild gelegt.

Savoy – Kino erleben

Im Herbst 1997 drohte die endgültige Schließung eines Kinos auf dem Lande – hier in Bordesholm. Doch die Bordesholmer liebten ihr Kino und so beschlossen sie, dieses plüschige Lichtspielhaus mit seinen kleinen nostalgischen Tischlämpchen irgendwie zu erhalten. So entstand der Kinoverein Bordesholm. Mit viel ehrenamtlichem Engagement sicherten von nun an Fans und Filmbegeisterte, Nostalgiker und Kulturinteressierte die weitere Existenz. Filmvorführungen, Theaterstücke, Konzerte, dieses Kino muss sich vor nichts verstecken. Die Aufgaben des Kinovereines wurden durch das mittlerweile umfangreiche Programm so viel, dass mittlerweile zwei hauptamtliche Kräfte die Ehrenamtler bei ihren jährlich fast 300 Veranstaltungen unterstützen. Der Kinoverein hat es in jahrelanger Treue und Verantwortung geschafft, dass sich das Savoy selbst finanziert und von einer breiten Bevölkerungsschicht angenommen wird. Informationen gibt es unter Savoy Bordesholm

Bordesholmer Sparkasse

Bordesholm ist ja nicht so wirklich groß. Und doch hat es eine eigene Sparkasse. Bordesholm kann schon ein wenig stolz darauf sein, das Zuhause einer von noch fünf freien Sparkassen in Deutschland zu sein. Ihr Einflussbereich geht bis nach Kiel oder Flintbek oder gar den Nord-Ostsee-Kanal entlang. Vor über 150 Jahren gründeten Gutsbesitzer in einer Zeit von Armut und Entbehrung diese Sparkasse mit dem Sinn und Zweck, Menschen in die Selbstständigkeit zu begleiten und mit ihren Gewinnen gemeinnützige Aufgaben zu bewältigen. Heute ist die Bordesholmer Sparkasse fester Bestandteil des Amtes und sehr engagiert für das wirtschaftliche, kulturelle und soziale Leben in der Region. 

Brügge

Um es vorwegzunehmen, es handelt sich nicht um die belgische Hafenstadt, dieses Brügge hier ist ein Dorf. Ein echtes Bilderbuchdorf. Es hat alles, was man sich in einem Dorf wünscht, nur zum Einkaufen sollte man dann doch ins angrenzende Bordesholm. Aber ansonsten einen Bach, einen Misthaufen, eine Kirche, einen Dorfplatz, eine Schule, eine Wirtschaft und eine spannende Geschichte: Von Reesdorf kommend biege ich also links nach Brügge ab. Ich erreiche schnell den Mittelpunkt des Ortes, halte auf dem Dorfplatz an der Feldsteinkirche vor einer Gastwirtschaft.

Kirchspiel Brügge

Erst umrunde ich diese alte Feldsteinkirche mit ihrem hölzernen Glockenturm, deren Enstehung bis ins 13. Jahrhundert reicht. Was um 1220 als Kapelle diente, wurde schnell erweitert und gilt heute als das älteste Kirchspiel in Schleswig-Holstein. Vor dem Eingang liegen Feldsteine mit den Namen der dazugehörigen Gemeinden. Als Namenspatron diente Johannes der Täufer und so findet noch heute rund um dessen Geburtstag ein Gemeindefest, ein Fleitenmarkt und ein kleiner Jahrmarkt statt. Auch hat sich hier ein kleines Musikfestival etabliert. Obwohl das Kirchenschiff mehrfach umgebaut und umgestaltet wurde, entdecke ich von außen noch die ursprünglichen Formen und Teile des alten Mauerwerks. Leise betrete ich die Kirche; lichtdurchflutet mit ihren hellen Farben und heute menschenleer.

Vor mir eröffnet sich ein wunderbarer Baldachin-Altar mit christlichen Szenen auf ausdrucksstarken Tafelbildern. Im 16. Jahrhundert wurde ein aus der Werkstatt von Hans Brüggemann stammender Altar jedoch nach Schleswig überführt, so stiftete der Amtsmann Hans-Heinrich Kielmann von Kielmannseck 1672 diesen neuen Altaraufsatz. Auf der Westseite steht der 42 Meter hohe Kirchturm als das zweitälteste Bauwerk von Brügge. Er entstand um 1630 aus 40 Eichen. Doch erst 1649 kam das Glockengestühl hinzu. 1962 und 2005 wurden die beiden heutigen Glocken geweiht.

Das kleine Haus

Ich lasse die Stille des Kirchspiels auf mich wirken und gehe zurück auf den Dorfplatz. Mein Blick fällt dabei auf ein altes Backsteinhaus mit seinem Fachwerk und dem hölzernen Giebel. Im Jahr 1726 erbaut ist es das älteste Wohngebäude in Brügge. Ursprünglich fensterlos und als Lagerraum genutzt, gehört es heute zum Kirchspiel, wird als Trauzimmer für das Standesamt genutzt oder für unterschiedliche Gemeindeaktivitäten und kleine Ausstellungen. Sonntags ab 14.00 Uhr lohnt sich ein Besuch des kleinen Kirchencafés. Selbstgebackener Kuchen und leckerer Kaffee laden zum Verweilen in eine ganz andere Welt ein. Ein wirklich sehr empfehlenswerter Ausflug, den man gerne wiederholen wird.

Das Dorf

Nun gehen wir gestärkt die kleine Dorfstraße hinunter, vorbei an gepflegten Einfamilienhäusern und bunten Gärten. Auf der linken Seite befindet sich in einer großen Scheune das Urzeitmuseum, ein kleines, pädagogisches Museum mit niedlichem Café und einer spannenden Ausstellung zur Erdgeschichte. Derzeit entsteht hier die Nachbildung der längsten Seeschlange der Welt, eines 30 Meter langen Urwals. Hier kann man in die Welt von Mammut, Terex und Co abtauchen und sich daran freuen, dass man ihnen heute nur noch im Museum begegnet. Mehr Informationen unter torzururzeit.

Weiter geht es und wir sehen die Eider eingebettet in einer grünen Aue und betreten den Namensgeber des Ortes. Denn an dieser Stelle ist die Eider recht schmal und so entstand hier eine Brücke über die Eider. Vermutlich davon abgeleitet wurde der Name „Brügge“. Bereits 1200 begann hier die Besiedelung und durch die Brücke lag der Ort fortan an der Hauptverbindung nach Lübeck.

Dieser Umstand wiederum prägte das Dorfleben mit seinen Märkten und Gasthöfen. Neben der alten Steinbrücke liegt malerisch, von Bäumen umgeben, die kleine Wassermühle. Weiter abwärts der Dorfstraße entlang steht ein altes Hofgebäude, welches vor über 35 Jahren seine neue Aufgabe als Antikhof begann. Hier entdecke ich ausgewählte Antiquitäten, traditionelle Handwerkskunst im individuellen Möbelbau und schaue den Tischlern bei der Restauration von alten Möbelstücken zu. Draußen stapelt sich das Holz eines abgetragenen Bootssteges, welches viele Jahre im Wasser reifte und nun auf seine neue Bestimmung im hochwertigen Möbelbau wartet.

Nach einem kurzweiligen und inspirierenden Besuch und einem Spaziergang durchs Dorf blicke ich immer wieder in die Weite über ausgedehnte Wiesen, Felder und Äcker. Ein kleiner Hof, eine restaurierte Kate, eine Dorfschule, dann geht es den kleinen Berg hinauf. Das Nageln der Traktoren, der ländliche Duft von Blüten und von Misthaufen, das Bellen von Hunden, das Muhen der Kühe, Kinder, die aus der Grundschule kommen, in einer einzigen Straße begegnet mir die ganze Vielfalt eines bunten und doch so normalen Dorftreibens. Integriert ein Neubaugebiet mit bunten Holzhäusern, gewachsene Wohngebiete und eine kleine Futtermittelfabrik.

Unterhalb des Dorfplatzes befindet sich einer der Kanuanleger der Eider. Dieser bietet eine unbeschwerte Art, sein Boot ins Wasser zu lassen und die Umgebung aus einer anderen Perspektive zu sehen. War doch die Eider einst die wichtigste Wasserverbindung zwischen Nord- und Ostsee. Unweit davon mischen sich gewachsene Wohnsiedlungen, ein ökologisches Neubaugebiet mit kleinen Gärten, einzigartigen und unauffälligen Nebengebäuden und einer zügigen Anbindung an die Bundesstraße. 

Grevenkrug

In einer leicht hügeligen Landschaft liegt Grevenkrug. Auf einer kleinen Wiese nahe des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses mit seinem schön Dorfteich parke ich. Stilvolle und gemütliche Wohnhäuser wechseln sich mit landwirtschaftlichen Gebäuden ab. Hund und Katze begegnen uns und die angrenzenden Weiden mit ihrem Vieh schenken uns einen Blick in die Ferne.

Groß Buchwald

Wo es ein Klein Buchwald gibt, kann das Groß Buchwald nicht fern sein. Und so entdecke ich in unmittelbarer Nähe zu Brügge dieses schon mehrfach für seine Schönheit prämierte Dorf. Die dröge Eider bahnt sich hier ihren Weg, gepflegte Vorgärten und ein von alten Linden umsäumter Dorfplatz mit einer uralten Linde als Mittelpunkt prägen das Bild des Dorfes. Bekannt ist Groß Buchwald für seine Pferdezucht, insbesondere Holsteiner Reitpferde, die neben der Landwirtschaft seit vielen Jahren erfolgreich betrieben wird. Die Reisportgemeinschaft Groß Buchwald, die Hengststation, ausgeschilderte Reitwege und moderne Reithallen erweitern die Möglichkeiten für den traditionellen Reitsport und den immer beliebter werdenden Pferdetourismus. Viele Reiter kommen von auswärts und haben ihre Pferde in Pensionen auf den Bauernhöfen untergebracht. 

Hoffeld

Von Bordesholm aus kommend entdecke ich ein kleines Schild nach Hoffeld. Es unterscheidet sich von den anderen Orten dadurch, dass es kein geschlossener Ort ist. Vielmehr ist es eine Streusiedlung, in der etwa 160 Menschen zu Hause sind. So fahre ich erst einmal zwischen den Feldern und Wiesen die sich schlängelnde schmale Straße entlang bis zur ersten Kurve. Ich wäre jetzt schnell durch, würde ich der Straße folgen, aber ich biege ab. Hoffeld macht dem Begriff Streusiedlung alle Ehre, denn verteilt zwischen den landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen Gehöfte und Häuser mit parkähnlich angelegten kleinen Gärten.

Aus einem Reitstall schauen die Pferde aus den Fenstern und genießen die Sonne. Es ist, als halten sie einen Plausch miteinander. Unweit davon wechseln sich Turnierplätze und Futterwiesen ab. Auf dem Rückweg begegnet mir eine Frau, die aus ihrem Altenteil heraustritt und ein paar Sonnenstrahlen einfangen möchte. Umrahmt ist der Ort von Laubwald auf der einen und Maisfeldern auf der anderen Seite. Nach einer Stunde steige ich mit dem Hund ins Auto und wir fahren über das angrenzende Sören zurück. 

Loop

Als ich vor einiger Zeit auf die Insel Sylt fuhr, wurde ich nachdenklich, wie viel Arbeit und Material für den Bau des Hindenburgdammes erforderlich waren, als dieser nach vier Jahren Bauzeit 1927 seiner Bestimmung übergeben wurde. 120.000 Tonnen Steine wurden von bis zu 1500 Arbeitern verschüttet. Aber wo bekommt man in Schleswig-Holstein so viele Steine? Hier, im Looper Gemeindegebiet, finde ich die Antwort, denn es gab den 44 Meter hohen Aalberg, der für diesen Bau abgetragen wurde. Nun hat Schleswig-Holstein einen Berg weniger, aber ein Besuch in Loop lohnt sich allemal.

Mir fallen die uralten Eichen auf. Sie prägen sichtlich diesen Ort und so misst die älteste Eiche am Dorfplatz einen Umfang von 6,20 Metern. Das Ehrenmal auf dem Dorfplatz selbst ist umgeben von 24 Linden, die etwa 100 Jahre alt sind. Ein kleiner Friseurladen und ein beschaulicher Antikhof mit Café und Laden für Wohndekorationen und Kerzen laden zum Verweilen ein. Ich genieße ein Stück frisch gebackenen Pflaumenkuchen im Gartenbereich des Cafés und freue mich schon auf die Erkundung des im Norden angrenzenden Moorgebietes. Informationen gibt es unter 

Mühbrook

Wie oft bin ich schon die Landstraße von Kiel nach Neumünster gefahren und dabei durch Mühbrook gekommen, ohne es zu merken. Eigentlich schade, denn Mühbrook liegt an der Spitze des Einfelder Sees und ist Ausgangspunkt für Spaziergänge ins Dosenmoor oder rund um den Einfelder See. Die Bundesstraße durch Mühbrook hat für Schleswig-Holstein bedeutende Geschichte. Sie ist die erste geradlinig gebaute Straße in diesem Bundesland und verband Kiel mit Altona bei Hamburg. War die 1832 erbaute Route zunächst eine Feldpiste für Pferdewagen, wurde sie 1925 mit Kopfsteinpflaster belegt. Um etwa 1900 wurden entlang der Chaussee Linden und Ulmen gepflanzt, so sind viele dieser Bäume über 100 Jahre alt. Eine Entdeckungsreise an der Bundesstraße lohnt sich, findet man hier doch Meilensteine von 1832 mit dem Wappen des Bauherren, dem dänischen König. Im Ort selbst begegnen mir einige unter Denkmalschutz stehende Bauernhäuser. Ein Hotel mit über 100-jähriger Geschichte liegt direkt am See wie auch der Hof der Famlie Lucht, der zu Ferien auf dem Bauernhof einlädt, mit wunderschönen Ferienwohnungen und tollem Programm für Familien. 

Negenharrie

Am Rande des Dosenmoores auf der einen und der Holsteinischen Schweiz auf der anderen Seite befindet sich in leicht hügeliger Umgebung der kleine Ort Negenharrie. Vermutlich bedeutet der Name in seinem Ursprung „Siedlung auf dem Hügel“, da „Harrie“ abgeleitet von „Harge“ im altdänischen Hügel bedeutet. Etwa 350 Menschen fühlen sich hier zu Hause, dem grünen Dorf mit seiner denkmalgeschützten Allee und seinen Höfen. Nachhaltige Land- und Viehwirtschaft sind allgegenwärtig. Ein Spaziergang offeriert das ursprüngliche, genügsame und zufriedene Leben. Ich bin hier mit meinem Hund unterwegs, ein Postauto tuckert durch den Ort und ich genieße die gepflegten blühenden Vorgärten und geschmückten Eingänge. 

Reesdorf

Dass Schleswig-Holstein alles andere als ein flaches Land ist, zeigt sich hier in Reesdorf. Die durchgehende Straße zwischen Flintbek und Bordesholm verführt, dieses zeitlose Dorf an sich vorbeiziehen zu lassen. Doch hier gibt es neben schönen Gebäuden und einem alten Hof auch ein eingewachsenes Gartencafé mit selbstgemachten Torten. Am kleinen Haus der Feuerwehr biege ich also ab und parke gleich vor diesem Café. Von hier aus erkunde ich den Ort mit seiner 725-jährigen Geschichte, doch die Mischung aus alten Scheunen und Gehöften und in jungem skandinavischen Stil erbauten Holzhäusern, die heute ein Zuhause für rund 150 Menschen aller Altersgruppen bietet, macht ihn so lebendig. Bevor ich mich zu Fuß durch das Eidertal nach Schmalstede bewege, genieße ich aber jetzt erst einmal den frischen Kaffee und ein Stück der selbstgemachten Torte. 

Schmalstede

Schmalstede erreichen wir auf einem Spaziergang von Reesdorf aus durch das besonders reizvolle Eidertal. Vorbei an Pferdekoppeln und Kuhweiden blicken wir auf den Ort mit etwa 260 Einwohnern. In diesem Dorf, welches zum Teil zum Landschaftsschutzgebiet gehört, führen die Menschen ein beschauliches Leben in den kleinen Höfen oder den an den Feldern gelegenen Einfamilienhäusern. Etwa 2 Kilometer entfernt befindet sich die Schmalsteder Mühle mit Fischwirtschaft und einigen idyllisch gelegenen Ferienwohnungen. Ein Spaziergang durch den Ort und dann weiter ins Eidertal lohnt sich, denn hier entdecken wir wie berühmten Koniks, eine robuste und zutrauliche Wildpferderasse. Füttern sollte man diese gelassenen Tiere nicht, das würde ihnen schaden. Aber bringt man Geduld und Ruhe mit, lassen sie sich zum Teil gern und ausgiebig kraulen. 

Schönbek

An Schönbek fährt man eigentlich vorbei, eigentlich. Wäre da nicht meine Neugierde, zu entdecken, wie dieser Ort ausschaut. Der Hund liegt neben mir dösend im Wagen, aber mir ist es nicht fremd, dass er immer für einen Spaziergang zu haben ist, so biege ich ab. Einen Parkplatz gibt es hier nicht, so parke ich auf einem kleinen Brachland nahe des Feuerwehrhauses.

Noch wollen die Wolken nicht so recht aufreißen, doch Fotos wirken im Sonnenlicht doch reizvoller und so warten wir ein wenig im Bulli. Doch von jetzt auf gleich setzt sich die Sonne durch, wie mit dezenten Theaterscheinwerfern werden die Gebäude angestrahlt. Vor uns liegt das alte Gerätehaus der Feuerwehr, liebevoll restauriert. Eine Holzbank davor lädt zum Verweilen ein. In der Nähe davor befinden sich Spiel- und Fußballplatz für die Junggebliebenen des Ortes mit seinen ca. 150 Bewohnern.

Schönbeker Kunstschmiede

Wir gehen die Straße entlang, vorbei an einer Kunstschmiede für Holz, Schmuck und Fotografie. Sie befindet sich auf einem Hof, liebevoll und dorftypisch dekoriert. Hier werden noch echte Kutschen gebaut, traditioneller Wikingerschmuck entworfen und kleine Märkte angeboten. Ein kleiner und spannender Antiquitätenhandel macht Lust zu stöbern. Weiter im Ort steht ein altes Ziegelgebäude mit seinen klassischen Stallfenstern.

Ein Hund bellt, ein Mann mit Hosenträgern, der den Rasen mäht und ein anderer, der sich fragt, was ich wohl hier treibe. Wie in den Nachbarorten reihen sich hier die Höfe aneinander, harmonisch eingebettet die übrigen Wohnhäuser mit ihren gepflegten Gärten. Brennholz vor einer Scheune wartet auf den Verkauf, nachdem es ausreichend abgelagert ist. Misthaufen, Kühe und Ackergerät, welches sich wiederholt und doch nie langweilig wird. Dass dieses Dorf inmitten des Autobahndreieckes Bordesholm liegt, sehe ich nur auf der Karte. Mein Blick schweift über die im westlichen Gemeindegebiet befindlichen ausgedehnten Hochmoorflächen, auf denen früher Torf abgebaut wurde. Dorfidylle, Ruhe und Gelassenheit übertragen sich schnell auf uns und wir merken nicht, wie die Zeit vergeht, während wir durch dieses Dorf auf und ab trotten.

24 Stunden Rennen

Ach ja, einmal im Jahr wird es trubelig in Schönbek. Straßen werden gesperrt, Boxengassen gebildet und das ganze Dorf ist auf den Beinen. Dann ist es wieder so weit für das berühmte 24 h Rennen auf vier Rädern. Laut ist aber nur der Jubel, wenn wieder eine Runde auf einem dieser Kettcars und Seifenkisten genommen ist. 

Sören

Sören ist ein deutscher und ein schwedischer Vorname. Sören ist ein Ort in Schweden. Sören ist aber auch Name und Inbegriff für eine kleine bezaubernde Gemeinde in Nachbarschaft zu Grevenkrug, deren Existenz bis ins Jahr 1323 nachgewiesen werden kann. Von Grenvenkrug laufen wir die zwei Kilometer an gepflügten Äckern und hochstehenden Maisfeldern vorbei, den Straßenrand säumen die angepflanzten Bäume voll roter und gelber Äpfel.

Am Ortseingang umrahmen weiße Holzzäune eine große Pferdeanlage, die Tiere lassen sich beim Grasen nicht aus der Ruhe bringen. Menschen auf Traktoren sorgen für die Landwirtschaft. Auf der anderen Seite entdecke ich ein eingewachsenes Gestüt, bewundere die Ruhe dieses eingewachsenen Dorfes, in der sich alte Gebäude mit junger Architektur harmonisch ergänzen. Wie in den Nachbargemeinden wird auch hier der Opfer der Kriege gedacht und neben der Feuerwehr Zusammenkunft im neu errichteten Dorfgemeinschaftshaus geboten.

Alte, sehr alte Bäume könnten viel erzählen, könnten sie nur sprechen. Aber sie wären diskret und würden verschweigen, welche Magd sich mit welchem Knecht unter ihr getroffen hat. Forst- und Landwirtschaft prägen dieses 200-Seelen-Dorf, und vielleicht ist es genau diese Mischung, die junge Familien in kleinen angrenzenden Neubaugebieten ein Zuhause finden lässt. 

Wattenbek

Wattenbek grenzt mit seinen schönen und gepflegten Wohnsiedlungen gleich an Bordesholm und das Dosenmoor. Der Name weist auf eine seichte Stelle am Bach hin, dort muss also der Ursprung des Ortes liegen. Moderne Wohnsiedlungen auf der einen und klassische Bauernhöfe auf der anderen Seite geben diesem Dorf einen eigenen Charme.

Mit 2800 Einwohnern ist es das größte im Amt Bordesholm. Die Gemeinde nennt eine alte Kate von 1789 ihr eigen, während über den Winter ganz ursprünglich dort noch geräuchert wird, steht sie in der übrigen Zeit für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung. Das über seine Grenzen hinaus bekannte, rührige Dorfleben findet im „Schalthaus“ sein Zentrum. Hier hat die Gemeinde ihren Sitz und organisiert engagiert regelmäßig Dorffeste und über den sehr aktiven Kulturkreis die etablierte und immer wiederkehrende Wattenbeker Kunstausstellung. 

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