Stadt

Barmstedt

In Schleswig-Holstein gibt es 63 Städte. Sollten wir jetzt die Frage stellen, wie diese heißen, würden die Denkpausen zwischen den Städtenamen immer länger. Und ob dabei einer auf die Stadt Barmstedt käme, lassen wir einmal dahin gestellt. Grund genug, uns dieser hübschen und historischen Kleinstadt im Kreis Pinneberg zu widmen.

Zugegeben, Barmstedt ist die kleinste der Städte im Kreis Pinneberg und hat gerade einmal knapp 10.000 Einwohner. Aber was sagt das schon über die wirkliche Größe aus? Denn die kommt von innen. Barmstedt wirbt nicht mit inhaltsleeren Platitüden wie „der echte Norden“, sondern lädt ein mit Herzlichkeit, mit Freundlichkeit. Entsprechend wohltuend liest sich schon der Internetauftritt, der ohne die Selbstdarstellung von Bürgermeister oder Amtsvorstehern auf der ersten Seite auskommt. Schnell fühlt man das Bemühen um Kinder und Familien.

Es gibt in Barmstedt ein gutes Angebot in Spiel, Bildung und Kultur.  So historisch die Stadt sein mag, so modern und aufgeschlossen strahlt sie aus. Die Kleinstadtidylle ist spürbar, gelassen geht es durch den Tag. Überrascht hat uns das rege und vielfältige Vereinsleben Barmstedts.

Barmstedt liegt an der Abzweigung des historischen Ochsenweges, auf dem die Tiere früher von den saftigen Weiden Dänemarks nach Hamburg gebracht wurden. Heute ist der Ochsenweg ein herrlicher Fernwander- und radweg.

Schusterstadt

Schon im Jahr 1736 bekam Barmstedt die begehrten Fleckenprivilegien. Das motivierte Handwerker, im Ort sesshaft zu werden, da dem Hamdwerk besonderer Schutz zukam. Am 01. April 1895 fusionierte der Flecken Barmstedt mit dem Dorf Großendorf und bildet seidem eine Stadt. Warum auch immer, in BArmstedt haben sich seither gerne Schuster niedergelassen. So gab es beispielsweise um das Jahr 1840 etwa 130 Schuhmacher im Ort. Dieser Teil gehört nun zur Geschichte, aber vielleicht kommt ja wieder der Wunsch nach handgefertigten Schuhen, warum sollten sie dann nicht aus Barmstedt kommen. Hervorgegangen aus dieser Kleinstadt ist immerhin die bekannte Schuhproduktion Gabor Schoes, die 1949 gegründet wurde und heute zu den größten europäischen Herstellern gehört. Leider nicht mehr mit Sitz in Barmstedt. Seit 2001 werden dort u.a. die bekannten Camel Shoes produziert.

Schlossinsel und Schloss Rantzau

Mitten im Rantzauer See liegt auf einer Insel das Schloss Rantzau. Dabei handelt es sich nicht um die ursprüngliche Befestigungsanlage der Ritter zu Barmstede, sondern m einen vierstöckigen Bau im klassizitischen Stil. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Burg, nachdem sie im Jahr 1804 ausbrannte,  abgetragen und das heutige, in Privatbesitz befindliche Herrenhaus entstand. Die Umrisse der Insel zeigen die ursprünglichen Befestigungsanlagen. Diese waren früher umgeben von Wasser, welches durch die Krückau hier aufgestaut war. Doch schüttete man mit der Zeit die Gräben zu, so konnte man ohne Brücken zur einstigen Insel kommen. Die Nationalsozialisten sorgten dafür, dass zwischen 1934 und 1938 der heutge Rantzauer See entstand und die eigentliche Insel auch wieder zur Insel wurde. Neben dem Herrenhaus, welches nicht besichtigt werden kann, stehen heute die Türen des historischen Schlossgefängnisses offen – für Ausstellungen und ein kleines Café. Im  nebenliegenden Gerichtsschreiberhaus erzählt das sonntags geöffnete Heimatmuseum vom Handwerk im Allgemeinen und der Schuhmacherei im Speziellen während des 19. Jahrhunderts.

Heiligen-Geist-Kirche

Die Heiligen-Geist-Kirche gehört zu den jüngeren Kirchen des Landes. Auf Veranlassung der Rantzauer Fürsten entstand an gleicher Stelle zum dritten Mal ein Kirchenneubau im Jahr 1717. In Form eines barocken Saalbaus zeigt er im Inneren u.a. ein im Norden eher selten zu findendes Deckengemälde. Wir kennen es ja auch heute, wenn die politische Elite mal in die Kirche kommt, sitzt sie vornehmlich in der ersten Reihe und der Pastor wird bemüht sein, die Kirche ordentlich zu heizen. Damals war es nicht viel anders, das zeigt der Grafenstuhl. Dabei handelt es sich um eine verglaste und damals beheizbare Loge. Die Pfeiler der Emporen markieren den Grundriss der zuvor hier gestandenen Kirche. Eine weitere Besonderheit ist auch der Wehrturm, rund gebautim romanischem Stil, mit einem Spitzdach, einem sogenannten gotischen Helm aus Metall.

An den Wochenenden steht die Kirche auch vor einige Stunden auch außerhalb der Gottesdienste offen. Aber so eine Kirche erschließt sich noch vielmehr bei einem Gottesdienstbesuch.

Humburg-Haus + Predigerwitwenhaus

Im Humburg-Haus, einem Fachwerkgebäude aus dem Jahr 1783, mit seinem zierlichen und romantischen Bauerngarten, lädt die Stadt regelmäßig zu den unterschiedlichsten kulturellen Veranstaltungen ein. In der Reichenstraße 16 befindet sich ein weiteres sehenswertes Gebäude, das Predigerwitwenhaus. Im mittlerweile ältesten Gebäude Barmsteds wuchs der Dichter des Schleswig-Holstein-Liedes, Matthäus Friedrich Chemnitz, auf. Bekannter als sein Name ist sein Liedtext „Schleswig-Holstein, meerumschlungen…“. Heute befindet sich das schiedsamt in diesem Haus.

Kino

Eines der letzten Verzehrkinos Deutschlands schloss nach über 20 Jahren am 31. Mai 2015. Für sein Programm und seine vorrausschauende Technik wurde es mehrfach überregional ausgezeichnet. Liebe Barmstedter, schaut Euch das Schiksal des Savoy in Bordesholm an undmacht es genau so. Dort ist das Kino heute eine erfolgreiche Kultureinrichtung, die man nicht mehr weg denken will. Und dabei gut besucht. Bitte, findet Euch nicht ab.

Mehr in Kürze….

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