Stadt

Bad Oldesloe

Bad Oldesloe | © weites.land
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Bad Oldesloe ist so langweilig. Zumindest, wenn man sich im Vorfeld im Internet über diese Stadt erkundigt. Denn der Internetauftritt ist von aller Spannung und Euphorie befreit. Grund genug, genau hier her zu fahren, um uns bestätigt zu fühlen oder vom Gegenteil zu überzeugen.

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Im Vorfeld haben wir die Stadt einmal angeschrieben und um Tipps gebeten, was Bad Oldesloe denn so faszinierend macht, so einzigartig. Da hat man uns wohl nicht ernst genommen, denn eine Antwort kam nie. Wir stellten uns den Menschen vor, der für Tourismus und Stadtmarketing zuständig wäre. Vielleicht ein wenig dicklich und bequem, im Verwaltungsfach, mit Brotdose und Thermoskanne und mit grauem Anzug? Irgendwie versprüht die Stadt so einen undefinierbaren Duft nach Biederkeit, Unbeweglichkeit, Kreativlosigkeit. Aber wird sie uns wirklich so empfangen?

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Für einen ersten Abstecher sind wir schon einmal durch Bad Oldeslohe gefahren, was wir gesehen haben, hat uns wenig inspiriert, abzubiegen und auszusteigen. Aber wir wissen um die schlechten Visitenkarten der Durchgangsstraßen und Ortseingänge, so sind wir heute ins Stadtzentrum gefahren und nehmen ab sofort alle Vorurteile zurück. Bad Oldesloe ist toll! Wir sind mehr als überrascht und ganz beseelt von diesem schönen Ort.

Die Sonnenstrahlen haben Jung und Alt herausgelockt, eine Schlange bildet sich an der Eisdiele, während gleich gegenüber eine kleine Gruppe sich gespannt auf die Stadtführung konzentriert. Bad Oldesloe ist nun mehr als 860 Jahre alt und gehört zu den ältesten Städten Schleswig-Holsteins, wir sind angetan, wie jung diese Stadt wirkt und wie viele junge Menschen, junge Familien hier überall anzutreffen sind.

Überall, so scheint es, bahnt sich die Trave ihre schmalen Wege durch die Stadt, kleine Brücken laden ein, zu verweilen und dem mal ruhigen und mal tosenden Wasser nachzuschauen.

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Die Fußgängerzone wirkt auf dem ersten Blick recht überschaubar, aber folgen wir ihr, so biegt sie immer wieder ab und wir blicken uns verwundert an, wie viele kleine und mittlere Geschäfte hier ihre Türen öffnen. Eine ausgediente gelbe Telefonzelle ist heute Raum für kostenlosen Büchertausch, man legt ein Buch hinein oder holt eines hinaus- so geht Miteinander. Immer wieder laden kleine Lokale und Biergärten ein, in dieser historischem Umgebung das Flair zu genießen. So sehr Bad Oldesloe eine Stadt ist, so entspannt und frei von jeglicher Hektik geht es hier zu.

Die Alte Stadtschule ist heute Heimatmuseum. Das hört sich zunächst einmal abgedroschen an, denn jedes Dorf hat heute sein eigenes, ebensolches. Doch wer die Zusammenhänge Bad Oldesloes verstehen und entdecken möchte, findet hier eine spannende Sammlung des hiesigen Handwerkes und der Zünfte dieser Stadt. Ob Salzgewinnung, die Entwicklung zum Kurbad, ob die Gründung der Stadt im Mittelalter oder ihre Entwicklung bis heute, sehr detailliert und mit Hilfe von originalen Modellen  tauchen wir ein in die Seele dieser Umgebung. Informationen gibt es unter Heimatmuseum Bad Oldesloe.

Sehenswert und nachdenkenswert ist sicherlich auch das Blaue Haus in der Hude, welches einst als Hübsches Haus der Lübecker Kaufmannschaft diente und in dritten Reich mit der Funktion als Gestapo-Gefängnis Synonym für brutales Unrecht bis in unsere nahe Gesellschaft hinein. Heute befindet sich in ihr eine der schönen Buchhandlungen und will man diese erhalten, verzichtet man gerne auf den Einkauf bei Amazon.

Endlich konnte nach jahrelanger und aufwendiger Renovierung das Alte Rathaus wieder seine Türen öffnen. In diesem historischen Gebäude hat die Volkshochschule einige Räume, zum anderen kommen Verliebte gerne hier her, um in dieser bezaubernden Umgebung sich das JA-Wort zu geben.
Gebaut wurde das ehrwürdige Gebäude zwischen 1802 und 1805. Der kleine Balkon über dem Hauptportal diente einst als Verkündungsbalkon der Ratsherren.

Die Stadtverwaltung residiert in nicht weniger schönem Gebäudeensemble am Markt 5. Architektonisch ist die Stadt mit ihrer historischen Vermächtnis sichtbar sehr sorgsam umgegangen, andere Städte können sich hiervon durchaus eine große Scheibe abschneiden. Übrigens war Bad Oldesloe einst auch Modellstadt in der Verwaltungsreform.

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Alte Kornmühle Bad Oldesloe | © weites.land

Eindrucksvoll ist sicherlich die Kornmühle am Stadtarm. Ein wenig wirkt die Szene wie in einem Freilichtmuseum. Hier befindet sich auch das letzte Mühlrad der Stadt und erinnert an das betriebsame Handwerk in der Zeit, als Bad Oldesloe einen eigenen Hafen hatte.

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Alter Kornspeicher Bad Oldesloe | © weites.land

Gehen wir von hier aus die Treppen hoch in Richtung Kirche, entdecken wir ein kleines, französisches Lokal in einem ebenfalls -wie soll es hier anders sein- in einem historischen Gebäude. Einst diente das Gebäude, welches auch in der Hamburger Speicherstadt zu finden sein könnte, als Kornspeicher. In den oberen Etagen befinden sich kreativ gestaltet Wohnungen dort, wo einst das Getreide für die gegenüberliegende Mühle in Säcken lagerte.

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Heiligen Geist Viertel Bad Oldesloe | © weites.land

Das am besten aus der Zeit erhaltene Ensemble ist sicherlich das an der Beste liegende Heiligen Geist Viertel. Wunderschön restaurierte Ziegelgebäude erscheinen hier in einer Architektur, wie man sie sich heute ansatzweise wünschen würde. Schmale Gassen führen zwischen den Gebäuden an schön gestalteten Fenstern und Haustüren entlang. Rücksicht nehmen sollte man beim Entdecken auf die hier lebenden Menschen. 

Freunde des Künstlers Wenzel Hablik, ein Name, der immer wieder in dieser Region auftaucht, werden das Konterhaus Bölck zu schätzen wissen. Allerdings haben sie nur vier mal im Jahr die Möglichkeit, das von diesem Künstler gestaltete Gebäude von innen zu sehen. Denn hier ist die Theodor-Storm-Schule untergebracht. Sie befindet sich in der Olivet-Allee 18. Der Marinefabrikant Friedrich Bölck war es jedenfalls, der den Künstler beauftragte, seinem Geschäftshaus im Inneren eine ganz eigene Note zu geben.

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Aber bleiben wir doch im Zentrum und gehen mal zum Gottesdienst. Man sollte die Kirche im Dorf lassen, denn da gehört sie hin. So steht die Peter-Pauls-Kirche seit 1763 im Zentrum von Bad Oldesloe und im Zentrum des dortigen geistlichen Lebens. Im Jahr 1961 erfolgten grundlegende Umbauten, die ihr das heutige Erscheinungsbild ermöglichten. Der Chorraum hat durch die besondere Fensteranordnung einen einzigartigen Charakter. Der helle Stein im Altarraum transportiert die fröhliche Stimmung, die von solch einem Gotteshaus ausgehen kann.
Herzlich eingeladen wird zu den regulären Gottesdiensten, aber auch an den Werktagen zwischen 09.00 und 15.00 Uhr. Informationen zur Gemeinde gibt es unter Peter Pauls Kirche Bad Oldesloe.

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Es gibt hier noch so viel mehr zu entdecken, doch begnügen wir uns mit einem abschließenden Spaziergang durch den nahe Kurpark. Moderne Trimm-Dich-Geräte, Spielplätze, ein großer und uriger Teich, ein wildromantischer Teich, verschlungene Wege und Ruhe, die im weiteren Verlauf nur durch eine Kolonie von etwa 500 Saatkrähenpaaren gestört wird. An dieser Stelle fühlt man sich ein wenig wie im Urwald und die Stadt hat eingesehen, dass sie mit den Tieren leben muss.

Fürs erste sagen wir „Tschüß“ und wir kommen wieder, versprochen. Denn Bad Oldesloe hat neugierig gemacht auf mehr und genau das wollen wir entdecken. Wir freuen uns darauf.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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