Inseln

Amrum

Dauerbewohner auf Amrum | ©Kai Quedes
Dauerbewohner auf Amrum | ©Kai Quedes

Zerklüftete Dünenlandschaften, kilometerlange Strände, karge und wunderschöne Landschaften und kleine malerische Orte, das sind die ersten Stichworte, die mir einfallen, werde ich nach Amrum gefragt.
Wer hier her kommt, dem bleibt der Besuch unvergessen.
Wie es sich für eine Insel gehört, reisen wir mit dem Schiff an. Gute zwei Stunden geht es durch das Wattenmeer, vorbei an den Halligen und der Nachbarinsel Föhr.
Das Geschrei der Möwen, der salzige Geschmack der Luft, der kräftige Seewind, all das stimmt uns wunderbar auf den bevorstehenden Aufenthalt ein.

Vom Schiff aus zieht es uns durch die Dünen geradewegs zum Strand. Amrum ist bekannt für einen der größten und breitesten Strände entlang der ganzen Nordseeküste. Dabei war der Kniepsand noch bis in die 60er Jahre eine vorgelagerte Sandbank, die mit der Insel zusammen wuchs.

Der Strand

Dünen und Strand auf Amrum | ©Kai Quedes

Dünen und Strand auf Amrum | © Kai Quedens

Der Fußweg zum Strand geht durch zauberhafte endlose Dünenlandschaften, teilweise über schmale Holzbohlenwege. Dann erreichen wir ihn, den berühmten, etwa 12 Kilometer langen und bis zu zwei Kilometer breiten, feinsandigen Strand und fühlen uns ziemlich alleine. Als Besucher verläuft man sich hier fast, denn die weitläufigen Strände geben genug Raum für alle. Die wenigen Hauptstrände bieten Badeaufsicht, Strandkorbvermietung und ein paar Kioske, aber uns zieht es etwas abseits, wo uns kaum ein Mensch mehr begegnet. Jeder Ort hat seinen bewachten Strandabschnitt und auch auf Amrum fühlen sich Naturisten wohl. Der größte FKK-Strand befindet sich auf Amrum und ist genaus so auch unter der Aufsicht der Wasserrettung.

Berge von Sand

Sand und Strand auf Amrum | ©Kai Quedes

Amrum Touristik | © Kai Quedens

 Wirklich großartig und ein weiteres, besonderes Erlebnis sind diese unvorstellbaren Dünenlandschaften. Alleine die Pfade der Bohlenwege sind einen ausgiebigen und durchaus mehrstündigen Spaziergang wert. Bis zu 32 Meter geht es aufwärts. Von oben bietet sich ein traumhafter Panoramablick über die Insel mit ihren Nachbarn und diesem weltweit so einzigartigen Wattenmeer. Dass man auf den vorgegebenen Wegen bleibt, versteht sich von selbst, die Aussichtsdünen sind sehr gut zu finden.

Der Bollerwagen

Bollerwagen, Strand und Meer auf Amrum | ©Kai Quedes

Bollerwagen, Strand und Meer auf Amrum | © Kai Quedens

In Nordfriesland trifft man sie häufig, vor allem aber auf Amrum sind sie das ideale und fast beliebteste Transportmittel. Viele Familien packen ihre Kleinsten hinein oder die vielen Utensilien für den Strandtag und los geht es mit guter Laune bei frischem Wind. Alltag und Schlepperei, die bleiben auf Amrum endgültig zuhause. Wer sich hier den Genuss gönnt, einen Bollerwagen zu mieten, der wird spätestens zuhause der Versuchung erlegen, sich einen solchen anzuschaffen.

Übrigens kommt der Begriff „Bollerwagen“ aus der Zeit, in der die Holzräder metallbeschlagen waren. Wurden sie über das Kopfsteinpflaster gezogen, „bollerten“ sie. Heute sind diese Vorgänger zu dekorativen Zwecken zu finden, die modernen und leichtgängigen Bollerwagen haben meist richtige Reifen und sind, was gerade beim Kindertransport so wichtig ist, in entsprechenden Ausführungen kippsicher.

Leuchtturm

Leuchtturm auf Amrum | ©Kai Quedes

Amrum Touristik | © Kai Quedens

 Folgt man auf den Wanderwegen den roten Holzpflöcken, erreicht man irgendwann den aus allen Richtungen sichtbaren, rot weiss gestreiften Leuchtturm. Seit 1875 warnt er die Schiffe vor der Untiefe westlich der Insel. Sein rot-weißes Kleid bekam das Leuchtfeuer aber erst 1952, zuvor war er ein rot-brauner Backsteinbau. Mit seiner Höhe von 42 Metern gehrt er zu den höchsten Türmen entlang der Nordseeküste. Während der Saison können die 297 Stufen des Turmes erklommen werden, belohnt wird man mit einem grandiosen Blick von der Aussichtsplattform des umlaufenden Balkons.

Wittdün

Erlebnisbad auf Amrum | @Kai Quedes

Erlebnisbad auf Amrum | @ Kai Quedens

Kommt man mit dem Schiff auf der Insel an, erreicht man zuerst den kleinen Fährhafen von Wittdün. Im Süden der Insel gelegen führen von hier aus die Schiffsverbindungen zum Festland und den benachbarten Inseln. Der Hafen mit seinem geschäftigen Treiben prägt diesen kleinen Ort. Entlang der Südspitze führt eine einladende Strandpromenade, im Ort selbst gibt es alle Möglichkeiten des Einkaufs. Restaurants und Cafès sind die beliebten Treffpunkte der Insel. Die Jugendherberger befindet sich ebefalls hier, in traumhafter Umgebung.

Nördlich von Wittdün liegt der kleine Seezeichenhafen. Kutter, Ausflugschiffe, Segelboote und so manche Yacht liegen hier vor Anker.  Auch der Seenotrettungskreuzer der DGzRS hat hier seinen Stützpunkt. Vom Seezeichenhafen werden übrigens mit dem Tonnenleger die Seezeichen in die Fahrwasser verbracht, daher auch diese Hafenbezeichung.

Nördlich von Wittdün befindet sich auch das Wellenbad mit Sauna.  Zur Seefahrt gehören seit jeher auch Rum und Wisky. So sollte man es nicht verpassen, die „Blaue Maus“ zu besuchen. Das ist der Name für die berühmteste Kneipe der Insel. Unvorstellbare 400 Sorten Wisky werden hier angeboten. Um die Insel zu erleben, sollte man sich aber auf nur ein paar wenige Sorten beschränken.

Steenodde

Krabbenkutter vor Amrum | © Kai Quedes

Krabbenkutter vor Amrum | © Kai Quedens

In Steenodde liegt der kleine Fischerhafen. Hier gibt es den fangfrischen Fisch und die beliebten Nordseekrabben direkt vom Kutter. In Steenodde wurden frühgeschichtliche Grabhügel entdeckt. Der Eesenhuuch ist mit einer Höhe von 4,50 Metern und einem beachtlichen Durchmesser von 26,50 Metern der größte aus der Bronzezeit. Auch die wikinger haben ihre Spuren hinterlassen. Aus ihrer Zeit stammt die Gruppe von 88 Grabhügeln.

Literatur

Süddorf

Süddorf besteht aus vielen kleinen romantischen Friesenhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Vor allem, wenn die Rosen blühen, erstrahlen diese Häuser in außergewöhnlicher Farbenpracht.  Das Geburtshaus von Hark Olufs. Er wurde als junger Matrose bei einem Piratenüberfall vor Nordafrika gefangen genommen und versklavt. Er schaffte es, beim algerischen Militär aufzusteigen und kehrte als reicher Mann nach Amrum zurück. Hark Olufs lebte von 1708 – 1754. Auf dem Friedhof in Nebel erzählt sein Grabstein diese Geschichte.

Nebel

Nebel auf Amrum | ©Kai Quedes

Amrum Touristik | © Kai Quedens

Das kleine Friesendorf Nebel ist an Schönheit kaum zu überbieten. Malerische, mit blühenden Rosen verzierte, Reetdachhäuser aus dem 18. oder 19. Jahrhundert prägen diesen beschaulichen Ort , etwa mitten auf der Insel. Kleine Cafès mit ihrem typischen Friesencharme strahlen Wärem und Behaglichkeit aus. In Nordfriesland trinkt man gerne Tee oder auch eine „Tote Tante“. Vermutlich handelt es sich um die süße Variante des „Pharisäer“, gemeint ist ein heißer Kakao mit einem Schuß Rum, und, damit man es nicht riecht, eine Sahnehaube oben auf.

Im Ort wartet die mehr als 800 Jahre alte und wunderschöne St. Clemens-Kirche auf unseren Besuch. Wir selbst sind dem Kirchgang nicht abgeneigt und empfehlen gerne den sonntäglichen Gottesdienst. aber auch sonst bietet die Kirche einen Raum für Stille und Begegnung. Auf dem Friedhof vor der Kirche erzählen die alten Grabsteine viel von Seefahrt, Stürmen und dem ehemals kargen Leben in dieser durchaus auch groben Natur.

Eine der Geschichten erzählt von Hark Olufs, der von Seefahrern verschleppt und versklavt wurde. Viele Jahre später kehrte er als reicher Mann nach Amrum zurück.Ein ganz besonderer Ort der Stille und Besinnung ist der Friedhof der Heimatlosen. Hier liegen die unbekannten Toten, die die Nordsee frei gab und anspülte, begraben.

Museum von Amrum | ©Kai Quedes

Öömrang Hüs von Amrum | © Kai Quedens

Im Süden des Ortes wartet eine alte Holländermühle. Sie ist immer noch voll funktionsfähig, beheimatet aber heute das Heimat- und Mühlenmuseum und zeigt wechselnd spannende Ausstellungen.Vor 100 bis 200 Jahren waren die Menschen noch deutlich kleiner als wir. Die niedrigen, nach Norden ausgerichteten, Eingangstüren der ältesten Friesenhäuser verdeutlichen das. Eines dieser alten Kapitänshäuser aus dem Jahr 1736 ist heute das Inselmuseum und bekannt als das „Öömrang-Hüs“.

Norddorf

Norddorf auf Amrum | ©Kai Quedes

Norddorf auf Amrum | © Kai Quedens

Nordorf ist ein echter Kurort. Und, wie kann es auf dieser Insel anders sein, ein wunderschöner dazu. Der Ort ordnet sich rings um den großen Dorplatz an und ist geprägt von kleinen Hotels, gemütlichem Restaurants und dem einen, dem einzigen Inselkino auf Amrum. Auch den täglichen Einkauf erledigt man entspannt in diesem Ort. Bekannt und zu einem Kurbad gemacht hat den Ort ein heute berühmter Pastor. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schuf Pastor Friedrich von Bodelschingh mehrere Seehospize und sorgte damit für den Aufstieg Norddorfs zu einem echten Kurort. Etwa 10 – 15 Minuten von der Ortsmitte entfernt liegt ein breiter, feinsandiger Strand. Hier sind auch eine Surf- und Segelschule zuhause.

Natur

Dünen und Meer auf Amrum | © Kai Quedes

Amrum Touristik | © Kai Quedens

Amrum ist die waldreichste der nordfriesischen Inseln. Die Wälder wechseln sich ab mit Weiden und Wiesen und ausgiebigen Heide- und Dünenlandschaften. Ein ausgiebiges Netz von Rad- und Wanderwegen motiviert zu immer neuen Erkundungen. Das präsente Möwengeschrei erinnert kostant an die Nähe zum Meer.

Zum besonderen Erlebnis wird eine Wattwanderung zur Insel Föhr. So verlockend es ist und so nah die Nachbarinsel scheint: Gehen Sie ausschließlich nur mit einem kundigen Wattführer auf Tour. Alles andere ist Wahnsinn! Wer dem Watt mit Respekt und Achtung begegnet, der wird fasziniert sein von diesem einzigartigen Weltnaturerbe.

Immer wieder rührend sind die Robben und Sehunde, die es uns Inselbesucher gerne gleich tun. Sie liegen faul in der Sonne am Strand und auf den vorgelagerten Sandbänken. Es gibt Ausflugsfahrten, um die Tiere zu beobachten. Robben und Seehunde haben gerne ihre Ruhe, und die Tiere können auch mal beißen. Zum Streicheln sollte man also bitte ausschließlich seine Kuschetiere zu Hause nutzen.

An der Nordspitze der Insel befindet sich das Vogel- und Naturschutzgebiet Odde. Hier werden vom Verein Jordsand regelmäßig Führungen angeboten. Eiderenten, Seeschwalben und Möwen geben hier ein lebediges Konzert und brüten dabei über ihren Nachwuchs. Mitunter liegen auch die Kegelrobben und Seehunde am Strand. Etwa 1000 dieser Tiere leben um Amrum herum.

Unterwegs

Ganz ehrlich, das Auto braucht auf der Insel kein Mensch. Am besten gleich mit dem Fahrrad oder mit dem Bollerwagen aufs Schiff und genau mit diesen Fahreugen entspannt die Insel entdecken. Ausschließlich Wege führen zu den Stränden, von Nord bis Süd gibt es regelmäßig Busverbindungen und zum Entdecken der Insel gibt es die schienenlose Inselbahn.

Mit dem Rad fährt man die Insel einmal rauf und einmal runter und hat gerade einmal entspannte 22 Kilometer abgespult. Insgesamt sind die Strecken sehr übersichtlich und sehr kinderfreundlich. Räder und Bollerwagen sind überall zu fairen Preisen zu mieten. Und eines sollte man sich beim Besuch dieser eindrucksvollen Insel kaum nehmen lassen: die salzige und so sehr gesunde Luft.

 Limitiertes Angebot

Das Angebot an Übernachtungen auf Amrum ist begrenzt. Etwa 12.000 Gästebetten in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen stehen zur Verfügung und sie sind schnell ausgebucht. Rechtzeitige Anmeldung tut Not, um hier den erholsamsten Urlaub zu verbringen, den man sich nur vorstelen kann. Unterhalb des Leuchtturmes gibt es einen Zeltplatz für Naturisten, ein Campingplatz ist ganz in der Nähe von Wittdün.

Weihnachten auf Amrum | ©Kai Quedes

Amrum Touristik | © Kai Quedens

Wir selbst planen unsere Urlaube gerne außerhalb der Saison und reisen auch dann, wenn andere sich eher verkriechen. Denn gerade, wenn der Himmel dramatisch grau ist, die Stürme üer das Meer ziehen, auch mal Schnee und Regen das Land bedeckt, erlebt man diese Insel mit ihren Menschen tief in ihrer Seele.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.