Dänemark

Aabenraa – Åbenrå (Apenrade)

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land
Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land
Oft sind wir in der süddänischen Kommune Aabenraa unterwegs. Doch wollten wir einmal wissen, wie das Zentrum des Verwaltungsgebietes, die kleine Stadt Apenrade, wie wir sie in Deutschland nennen, aussieht. Kurzentschlossen sind wir heute hier und sind mehr als angetan. Hatten wir diese übersichtliche alte Seefahrerstadt doch als langweiliges graues und unscheinbares Provinznest abgespeichert. Doch zum wiederholten Male mussten wir feststellen: Dänemark kann einfach nicht in häßlich.

Von Flensburg aus sind es über den kleinen Grenzort Krusau gerade einmal 25 Kilometer in den Norden. So liegt Apenrade dichter an Flensburg als beispielsweise Husum oder Schleswig. Entspannt geht es den Flensborgvej durch die sanft hügelige Landschaft, bis man auf einer Anhöhe bereits im Tal den breiten Aabenraa-Fjord erkennt. Markant liegt das riesige Kohlekraftwerk an dessen südlichen Ufern. Ein großer Frachter entlädt gerade neues Brennmaterial. Weiter führt die breite Straße an der Stirnseite des Fjordes entlang, der hier endet.

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Idealer Platz also für die Seefahrer und Fischer, sich hier niederzulassen und von hier aus zu handeln. Und das haben sie nicht erst seit gestern getan. Bereits irgendwann zwischen 1284 und 1335 bekam Apenrade die begehrten Stadtrechte, stand aber in der Wahrnehmung lange hinter Flensburg und dem etwa 25 Kilometer nördlich gelegenen Haderslev zurück.

Bildete zunächst der Fischfang die Grundlage der Stadtentwicklung, so kamen bis zum 19. Jahrhundert Schiffbau und Handel dazu. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es hier sogar mehr Schiffsbewegungen als in der bedeutendsten damals dänischen Hafenstadt Flensburg. Immerhin verfügt Apenrade über den einzigen Tiefwasserhafen der Region und so gehört der Hafen auch heute zu den Haupteinnahmenquellen der Stadt.

Lange Zeit litt Apenrade unter den dänisch-preußischen Kriegen, bis 1920 gehörte die Stadt sogar zum Deutschen Reich. Doch in der Volksabstimmung kam nach knappen Ergebnis die Stadt zurück nach Dänemark.

Noch heute wird deutsch und dänisch an den Schulen gleichberechtigt gelehrt.

Apenrade hat einen eigenen Bahnhof, doch seine Gleise sind seit 2003 verwaist. Da die Stadt in sehr hügeligem Gebiet liegt, wäre eine sehr aufwendige Bahntrasse mit Tunnels, Rampen und Schluchten erforderlich gewesen, so baute man die Hauptstrecke von Hamburg nach Fredericia etwa acht Kilometer westlich im flachen Geestland. Heute dienen die hiesigen Gleise einer kleinen, betriebslosen Museumsbahn. Der Bahnhof ist das Zuhause für den Generalkonsul Österreichs, einer Kunstaustellung und einigen Geschäften.

Am Wasser entlang

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Um entspannt in die Stadt zu gelangen, bietet die Stadt einige große Parkplätze an, wir parken gleich neben dem großen Camper-Stellplatz am Segelhafen. Schnell zieht es uns an den Stadtstrand, frisch gereinigt und geebnet führt er zur kleinen flachen Bucht. Ein Badesteg mit Treppe und ein barrierefreier flach abfallender Steg führen direkt in den beschaulichen Meeresarm. Zur Stadt hin lädt ein riesiger Eispavillion mit Sonnensegeln ein. Unbedingt probieren sollte man hier das Original dänische Softeis in der großen Portion. So lecker kann Eis sein. Ein schmaler Weg mit grüner Hecke trennt den feinsandigen Strand vom Camperstellplatz. 

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Wir gehen weiter am Wasser entlang. Unzählige  Segelboote, manchmal der ein oder andere traditionelle Fischkutter mit seiner typisch dänischen hellblauen Beplankung und in der Ferne die ansäßige Industrie, die hier die Türme für die Offshore-Windparks baut, das sind ein paar Impressionen des langgezogenen Hafens. Alles wirkt modern, gepflegt, dabei alles andere als steril. Industrie und Freizeit harmonieren beispiellos miteinander und geben dieser Stadt ihren besonderen Charme.

Die dreispurige Straße trennt die Uferpromenade mit ihren Baumgürteln vom gegenüberliegenden Stadtzentrum. Moderne Wohneinheiten wechseln sich mit klassischer Hafenarchitektur in wunderbarer Harmonie ab.

Im Zentrum

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Viele Überwege führen ins Zentrum, das Auto mitzunehmen, macht wenig Sinn. Auch hier wird die besondere hügelige Landschaftsform deutlich sichtbar. Es geht auf und abwärts, schnell ist die Fußgängerzone erreicht. Wohltuend wenige Filialisten prägen das Bild, dafür umso mehr kleine familiengeführte Läden mit individuellen Ansprüchen und einem wunderbaren Produktmix. Als einen der schönsten Läden haben wir den Carstensen Tehandel für uns entdeckt. Eine Mischung aus Chocolaterie, Weinhandel und Teehaus mit einer liebevollen und dekorativen Einrichtung macht Lust, seinen Liebsten oder sich selbst etwas besonderes zu schenken.

Überwiegend wechselt sich ein historisches Gebäude mit dem nächsten ab, bei aller Betriebsamkeit empfinden wir keine Spur von Hektik, vielmehr sind wir überrascht von der bunten Vielfalt. Zunehmend modernisiert Apenrade seine Innenstadt, versteht aber dabei, das Erhaltenswerte in seiner Schönheit sichtbar zu machen.

Apenrade hat ein echtes Schloss

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Nun haben wir den inneren Zirkel der Stadt mit seinen Geschäften, gemütlichen Kneipen, Restaurants und Cafés kennengelernt und schauen nach dem Schloss, dessen Hinweisschild uns gleich zu Anfang aufgefallen ist. Ein kleiner Park am Ende des Zentrums führt uns entlang des Schlossweges, dem Slotgade, bis wir das etwas versteckte weiße Herrenhaus auf der gegenüberliegenden Seite entdecken. Eingewachsen in eine schöne Gartenanlage mit kleinem Fluss und einer Wassermühle erstrahlt das weiße Herrenhaus mit dem kleinen Torbogen.

 Noch bis ins 20. Jahrhundert residierte der Landrat, im dänischen als Amtmand bezeichnet, in diesen Gemäuern. Heute ist hier eine sehenswerte Kunstausstellung mit kleinem idyllischen Schlosscafé eingezogen.

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

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Die Geschichte des Schlosses Brundlund reicht zurück bis ins Jahr 1411. Es wurde unter Königin Margarethe I als Wasserburg errichtet. Erst im 16. Jahrhundert wurde die Festungsanlage dann zu einem Schloss erweitert.

Die Stadt Aabenraa übernahm das Schloss im Jahr 1996 und restaurierte die Anlage aufwendig. So konnte zwei Jahre später das heutige Kunstmuseum einziehen. Vor allem dänische Künstler der letzen beiden Jahrhunderte zeigen hier ihre Malerei und Skulpturen.

Wie denn nun: Aabenraa, Åbenrå oder Apenrade?

Es gibt sogar noch eine vierte Variante, die südjütische. Darin schreibt sich diese schöne Hafenstadt Affenråe. Grundsätzlich begann alles mit dem Vorläufer Apenrades, dem kleinen Ort Opnør. Dessen Name bezog sich auf einen kleinen Bach.

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

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Als im 13. Jahrhundert die hiesige Stadt entstand, passte man den Stadtnamen der damaligen Kaufmannssprache an und nannte diesen Ort zukünftig Apenrade. Die Kaufmannssprache war übrigens niederdeutsch und so verwundert es nicht, dass wir auch heute noch von Deutschland aus Apenrade als Namen bevorzugen.

Um 1850 wollte man im dänischen Gesamtstaat auch die dänische Identifikation innerhalb der Sprache unterstützen und wählte eine Schreibweise nach der dänischen Ausdrucksform für Apenrade. So kam man auf Åbenrå. Um 1840 bis 1850 entbrannte ein kultureller Kampf innerhalb Dänemarks, der auch vor dieser Hafenstadt nicht Halt machte. So folgte die heute bekannte dänische Schreibweise Aabenraa.

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Aabenraa / Åbenrå (Apenrade), aufgenommen mit Nikon Keymission 80 | © weites.land

Um 1948 reformierte man die Schreibweise. Da ein Doppel-A wie ein offenes O ausgesprochen würde, ersetzte man diese doppelten Buchstaben wieder durch das dänischen Å. Also kam man offiziell zurück auf Åbenrå.

Bis in die jüngste Vergangenheit gab es immer wieder Diskussionen um die beste Schreibweise der Stadt. Immerhin ist das Å der letzte Buchstabe im Alphabet und die Marketingexperten wollte die Stadt nach vorne bringen. So entschied sich die Stadt 1990 vor dem Hintergrund eines Ministerialerlasses von 1984 für die Schreibweise Aabenraa, die ja auch im digitalen Zeitalter international ist. Doch bleibt die empfohlene Schreibweise Åbenrå.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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