199 Kleine Helden

199 Kleine Helden: Ekhlas aus Jordanien

© 199 Kleine Helden
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Jordanien kennen wir aus den Nachrichten als moderate Monarchie, die sich um einen Ausgleich in der krisengeschüttelten Region einsetzt. Viele Menschen aus dem umliegenden Staaten fliehen hier her, in das an Israel grenzende Land. Deutschland hat eine Base ihre Luftwaffe aufgebaut, um von hier aus Aufklärung in Syrien zu betreiben. Doch was die Nachrichten uns aus diesem wunderbaren Land nicht berichten, hast Sigrid Klausmann im Gespräch mit Eklhlas in ihrem Heimatland Jordanien erfahren

  • Name: Ekhlas
  • Alter: 12
  • Land: Jordanien
  • Wohnort: Provinz Ira
  • Schulweg: eine Stunde zu Fuß und auf dem Esel, über die Berge
  • Besonderheiten: Ekhlas ist ein Beduinenmädchen, das in einer wüstenähnlichen Gegend mit ihrer großen Familie in Zelten lebt.

Ekhlas zählt zur jüngeren Hälfte von 13 Geschwistern. Sie ist ein starkes und auch bezauberndes Mädchen. Ihren Schulweg macht sie meistens mit den beiden jüngeren Geschwistern, so dass sie als Älteste in diesem Gespann die Verantwortung hat. Die Beziehung der Kinder untereinander ist herzlich, man spürt einen starken Zusammenhalt. Ihr Leben ist hart und entbehrungsreich, und je nach Jahreszeit und Wetterlage, zieht die Familie innerhalb der Region mehrmals im Jahr um.

Der Schulweg quer über die Berge dauert etwa eine Stunde, bei schlechtem Wetter auch länger. Einige Abschnitte sind gefährlich mit schmalen, steinigen Pfaden, vor steilem Abgrund. Manchmal nehmen sie einen Umweg, z.B. wenn eine Schlange auftaucht.

Das Zuhause besteht aus einem in der Mitte geteilten Zelt, alle Habseligkeiten lagern in Kartons. Daneben steht ein kleines Küchenzelt. Eine Toilette gibt es nicht. Fragt man danach, wird man einfach hinter das Zelt geführt.

Zitat Ekhlas: „Ich weiß, dass ich einen starken Charakter habe. Da ist nichts Schwaches an mir.“

Die Produzentin Sigrid Klausmann

Ekhlas, 12 Jahre alt, aus Ira, Jordanien | © 199kleinehelden.org

Ekhlas, 12 Jahre alt, aus Ira, Jordanien | © 199kleinehelden.org

Vor den Dreharbeiten bin ich mit Ekhlas und ihren Geschwistern einmal den ganzen Schulweg von der Schule nach Hause gegangen. Es war mittags um 13 Uhr. Es ging über Stock und Stein, die Temperatur lag bei 35 Grad, Schatten gab es fast nirgends. Ich dachte, wir kommenüberhaupt nicht mehr an! Schon da hatte ich größten Respekt vor dem, was sie und ihre Geschwister täglich leisten. Es hat auch gedauert, Vertrauen aufzubauen, aber beim Abschied haben wir geweint. Die Beduinenkinder zählen nicht zu den besten Schülern, wie mir die Schulleiterin direkt erzählte: „Die sind schon kaputt, wenn sie morgens ankommen.“ Aber gleichzeitig wissen sie ganz genau, dass ohne Bildung ihre Zukunftswünsche nicht in Erfüllung gehen können und machen sich Tag für Tag auf den Weg.

Ich erinnere mich besonders gerne an die Begegnung mit der Mutter. Wir saßen zusammen auf den selbst genähten Polstern im Wohnzelt, tranken Ziegenjoghurt und sie rauchte eine Selbstgedrehte. Der Tabak wuchs unmittelbar vor dem Zelt. Ich saß da und dachte: “Zwei Mütter, jede trägt einen Ehering und beide haben den selben Wunsch: dass ihre Kinder eine gute Zukunft haben.“

199 Kleine Helden

199 Kleine Helden

Wie können wir die Welt ein wenig besser kennen lernen als durch die Augen der Kinder? Die Erde besteht aus 199 Ländern. In jedem Land wird stellvertretend ein Kind einen Moment seines Lebens erzählen und uns so eine einmalige Chance geben, eine ganz neue Sicht auf unsere Erde mit ihrer Vielfältigkeit zu erleben. Mehr zu diesem außergewöhnlichen Projekt gibt es hier.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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